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Versorger der Versorger.

Ob Öl- oder Gasförderung, Nordsee oder Arabische Wüste – Houston in Texas ist das weltweite Zentrum der Bohrgerätehersteller. Die Spediteure Elite Airfreight und Kühne + Nagel sind dort bestens positioniert – und bauen auf zuverlässige und flexible Carrier-Partner wie Lufthansa Cargo.

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Seit der Ölpreis bislang ungekannte Höhen erklommen hat, sind die politischen Entscheidungsträger in den USA fieberhaft auf der Suche nach neuen Energiequellen. Auch eigene, noch unerschlossene Ölressourcen spielen dabei eine Rolle. Wenn man an der Küste von Houston steht, sieht man bei klarem Wetter die Bohrtürme im Golf von Mexiko. Offshore-Quellen in neuen Tiefendimensionen beflügeln dieser Tage die Fantasie der Branche.

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Auch im Zentrum des Staates Texas sowie in dessen Norden und Osten sprudelt der Stoff, der die Weltwirtschaft derzeit am meisten bewegt. Um Houston selbst herum sind die Ölquellen allerdings schon seit einiger Zeit versiegt. Dass hier im 19. Jahrhundert der weltweite Siegeszug des Öls seinen Ursprung nahm, sieht man noch heute: Mit Halliburton und Baker-Hughes haben zwei der größten Produzenten von Bohrausrüstungen hier ihren Stammsitz. Hinzu kommt die US-Zentrale des französischen Unternehmens Schlumberger.

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„Was wir im Moment erleben, ist ein Ölboom der stilleren Art“,

sagt Bob Hale, Vice President von Elite Airfreight, einem Unternehmen, das seit Kurzem zu Kühne + Nagel gehört. Damit meint er: An den Öl- und Gasquellen der Welt wird nicht unbedingt mehr Equipment benötigt als früher, doch dafür ist die Bedeutung der Lieferzuverlässigkeit enorm gestiegen. Denn je knapper und teurer das schwarze Gold wird, desto härter treffen Produktionsausfälle die Player der Branche.

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Elite ist seit mehr als 20 Jahren Experte für den Transport von Rohren, Gestänge und Bohrköpfen für die Öl- und Gasindustrie – und Bob Hale ein wahrer Routinier in diesem Geschäft. „In den vergangenen Jahren hat sich hier viel verändert“, erzählt er. „Die alten Geschäftswege sind verschwunden, alles wird viel professioneller und auf globaler Ebene verhandelt.“

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Auch die ISO-Normen sind nicht unschuldig am Aussterben des traditionellen texanischen Stils. „Früher haben wir vieles einfach so gemacht“, erläutert Hale. „Heute muss alles vertraglich geregelt werden. Die zunehmende Komplexität der Prozesse hat dafür gesorgt, dass die kleinen Player aus dem Geschäft ausgeschieden sind. Heute ist globale Kompetenz gefragt.“ Deswegen sehen die 82 Mitarbeiter von Elite das Engagement von Kühne + Nagel auch durchweg positiv.

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Rolf Rindlisbacher, Regional Vice President bei Kühne + Nagel in Houston, erklärt die besonderen Bedürfnisse seiner Kunden: „Schlumberger oder Halliburton entscheiden oft ad hoc, welches Equipment auf welchen Bohrstellen gebraucht wird. Wenn zum Beispiel etwas defekt ist, muss es natürlich innerhalb kürzester Zeit ersetzt werden.“ Hinzu kommt: Die Voraussagen zu den erwarteten Fördermengen ändern sich ständig.

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Da muss der Spediteur permanent in den Startlöchern stehen, um das gerade erforderliche Equipment an seinen Bestimmungsort bringen zu können. „Die Transportkosten sind im Grunde nachrangig – dafür sind die potenziellen Verluste, die durch fehlendes Gerät entstehen, viel zu groß“, sagt Rindlisbacher.

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So kommt es, dass – gemessen am Transportwert – 70 bis 80 Prozent aller Ausrüstung, die an den Öl- und Gasquellen weltweit benötigt werden, per Luftfracht dorthin gelangen. Nur die Standardausrüstung geht aufs Schiff.

„Luftfracht ist ein Investment in Zeit“, sagt Bob Hale. „Niemand in der Branche legt sich dieses teure Bohrgerät auf Lager. Und für besonders empfindliche Güter wie Vermessungsgeräte kommt überhaupt nur das Flugzeug als Transportmittel infrage. In bestimmten Teilen der Welt funktioniert Seefracht einfach nicht.“

Lufthansa Cargo ist für Elite und Kühne + Nagel in Houston ein bewährter, zuverlässiger und besonders flexibler Partner. „Etwa zehn Prozent unserer Shipments fliegen mit dem deutschen Carrier“, bestätigt Rindlisbacher. „Lufthansa Cargo ist zum Beispiel sehr kooperativ, wenn es darum geht, übergroße Frachtstücke zu transportieren.“ Von Houston fliegt täglich eine Boeing 747 mit dem Kranich-Logo nach Frankfurt – und von Dallas aus viermal pro Woche ein MD-11-Frachter.

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Die bis zu 16 Tonnen schweren Rohre bedürfen einer besonderen Behandlung. Jedes Teil hat eine Seriennummer und wird stets einzeln versandt. Bei Elite sind allein elf Mann damit beschäftigt, das extrem massive Gerät sicher in Holzkisten zu verpacken. „Dabei geht es allerdings weniger darum, die Fracht zu schützen als das Flugzeug und die anderen Transportgüter darin“, sagt Hale. „Die Bohrausrüstung ist an sich unempfindlich, allerdings sind die Gewinde der Werkzeuge höchst sensibel.“

Mit viel Umsicht wird bei Elite auch mit den Explosivstoffen umgegangen, die zur Erschließung neuer Öl- und Gasquellen benötigt werden. Dafür betreibt Elite ein separates Warehouse – streng bewacht und vor Brandgefahr bestmöglich geschützt. „Es ist ziemlich kompliziert, diese Güter zu transportieren. Nicht allein wegen ihrer Gefährlichkeit, sondern auch aufgrund der umfangreichen Regularien“, so Bob Hale.

Fotos:

Statoil, John Gress

planet 4/2008