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Koreas Türöffner.

Woojung Air Consolidation aus Südkorea wickelt für eine Vielzahl von Spediteuren vorrangig Exporte ab. Zentraler Service: die Fracht mehrerer Forwarder konsolidieren und mit Master Air Waybill auf den Weg bringen.

Mit einer beherzten Armbewegung schwingt der Groundhandling-Mitarbeiter die Abdeckplane aus durchsichtigem Kunststoff über die Palette – und erinnert dabei an einen Fischer, der sein Netz auswirft. Wesentlicher Unterschied: Die „Beute“ ist hier, in einem Warehouse an Südkoreas größtem Flughafen Incheon, schon eingefahren. In Kartons verpackte Ware von verschiedenen Absendern – bestimmt für ebenso viele Empfänger in Europa. Verantwortlich für das Zusammenführen der Kartons auf der Palette zur einer „Shipper Mixed Unit“ ist Woojung Air Consolidation Inc. In wenigen Stunden wird die Sammel-Sendung in einer Boeing 777F von Lufthansa Cargo in Richtung Frankfurt starten.

Agenten wie Woojung, deren zentraler Service das Konsolidieren von Shipments und das anschließende Erstellen des Master Air Waybill (M-AWB) für die konsolidierten Sendungen ist, spielen in Südkorea eine große Rolle – im Gegensatz zu fast allen anderen nationalen Luftfrachtmärkten. Ein Faktor, der diesen hohen Grad an Spezialisierung ermöglicht hat: Südkoreas Volkswirtschaft, laut der Rangliste 2016 des Internationalen Währungsfonds die weltweite Nummer elf, ist in hohem Maß auf den Außenhandel per Luftfracht angewiesen. Schließlich hat der auf einer Halbinsel gelegene Staat keine passierbare Landgrenze.

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400 Forwarder in der Kundendatei.

Doch nicht nur deshalb sind Spezialisten wie Woojung gefragt: Ihre Auftraggeber sind Forwarder, oft kleine und mittelgroße Anbieter. Und deren Zahl ist in Südkorea nach einer Lockerung der entsprechenden Zulassungsbestimmungen 1992 deutlich gestiegen. „Seither hat der große Einfluss von Konsolidierern wie uns weiter zugenommen“, erklärt Andrew Yim, Präsident und CEO von Woojung. Rund 400 Forwarder umfasst seine Kundenkartei inzwischen.

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Langjährige Kooperation: Woojung-Präsident Andrew Yim (M.) und Yunjin Shin (r.) von Lufthansa Cargo arbeiten bereits seit 2003 zusammen. Links: Klaus Hagenkord, Head of Sales and Handling Korea bei Lufthansa Cargo

Andrew Yim und sein 65-köpfiges Team haben zwar keinen direkten Kontakt zu den Shippern, wissen aber dennoch, mit welcher Art Fracht sie es zu tun haben. So entfallen die größten Tonnageanteile bei Woojung auf Mobilfunk- und andere Elektronikgeräte, Autoteile, Kunststoffe, Kleidung und Produkte der in Südkorea traditionell starken Halbleiterindustrie. Die meisten Sendungen sind Exporte. Wohin der Flug auch geht: Woojung hat weltweit, in mehr als 190 Ländern, Partnerdienstleister, die die Sendungen dekonsolidieren und auf Wunsch weitertransportieren.
Vorteil dieses „typisch koreanischen“ Modells für die Forwarder und damit auch die Shipper: Die Dienstleister können den Airlines vergleichsweise hohe Frachtmengen garantieren und bekommen dafür günstigere Konditionen. „Unser wichtigster Carrier ist Lufthansa Cargo“, sagt Andrew Yim. 1999 gegründet, bucht sein Unternehmen schon seit kurz nach der Jahrtausendwende regelmäßig Kapazitäten beim Frachtkranich. Dabei profitiere man vom dichten Netzwerk in der fuür Woojung wichtigsten Zielregion Europa, aber auch auf anderen Kontinenten, erklärt Andrew Yim. 

Zudem hebt der CEO die inzwischen täglichen Flüge mit der Boeing 777F von Incheon nach Frankfurt hervor – und die „Triple Seven“ selbst: „Ihre hohe Kapazität kommt uns sehr zugute.“ All das schlägt sich in steigenden Tonnagen nieder. „Im Vorjahr haben wir über 1.600 Tonnen fuür Woojung transportiert – fast 50 Prozent mehr als 2015“, so Yunjin Shin, Senior Sales Representative bei Lufthansa Cargo und seit 2003 für den Kunden verantwortlich. Im ersten Halbjahr 2017 waren es mehr als 1.000 Tonnen, abermals eine kräftige Steigerung. „Ein weiteres Plus sind die gut designten Produkte, insbesondere mit Blick auf den entscheidenden Faktor Zeit“, sagt Yim. So habe Lufthansa Cargo mit td.Basic, td.Pro und td.Flash für jede Dringlichkeitsstufe das passende Angebot. Zuletzt würden aber auch vermehrt Kapazitäten für Ware nachgefragt, die gekühlt oder bei kontrollierter Temperatur geflogen werden muss. „Hier helfen uns die Spezialprodukte Cool/td und Fresh/td immer wieder, Aufträge zu bekommen.“

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Tendenz steigend: Im ersten Halbjahr 2017 hat Lufthansa Cargo schon 1.000 Tonnen Fracht für Woojung transportiert. Im gesamten Vorjahr waren es gut 1.600 Tonnen

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Starke Carrier wie Lufthansa Cargo ermöglichen dem Dienstleister somit weiteres Wachstum – und halten ihm den Rücken für neue Projekte frei. Deshalb konsolidiert Woojung die Shipments am Incheon Airport mittlerweile im eigenen Warehouse. Dort werden auch alle Zollformalitäten geregelt. Hierfür verfügt das Unternehmen zum Beispiel über den Status des Zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten, der Shipments in die Europäische Union erleichtert.
An Bord eigener Lkw bringt Woojung auf Wunsch Ware aus ganz Südkorea zum Luftfracht-Hub Incheon – und nimmt den Forwardern damit weitere Arbeit ab. „Dafür haben wir im Mai 2017 eine Transport-Division gegründet“, sagt Andrew Yim. Und: Mehr und mehr kümmern sich die Südkoreaner auch um Importe. Dabei machen sie sich ihr weltweites Partnernetzwerk zunutze – und ihren bevorzugten Carrier Lufthansa Cargo.

Fotos:
Ben Weller