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Wenn Logistik Leben rettet.

Bei Hilfsflügen in Krisengebiete kommt es auf zwei Dinge an: Schnelligkeit und gute Zusammenarbeit. Im Dezember haben das Deutsche Rote Kreuz und Lufthansa Cargo darum einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Aber wie genau kommt die Hilfe aus Berlin in die Welt? Clemens Pott, Leiter Logistik beim Deutschen Roten Kreuz, verrät es.

Clemens Pott, Leiter Logistik beim Deutschen Roten Kreuz, ist für die logistische Vorbereitung und Durchführung der DRK-Hilfsflüge verantwortlich. Seit über 20 Jahren ist Pott nun fürs DRK im Einsatz. Bis 2002 war er DRKAuslandsdelegierter im Bereich Katastrophenhilfe.

Herr Pott, sind Sie eigentlich ständig im Katastrophenmodus? 

Keinesfalls. Bei längerfristig anhaltenden Katastrophen wie der Hungersnot in Afrika oder dem Konflikt in Syrien ist humanitäre Hilfe länger im Voraus planbar als etwa nach einem großen Erdbeben. 

Im Katastrophenfall muss es dann aber schnell gehen. Wie lange dauert es, bis ein Hilfsflug startet? 
Drei bis vier Tage müssen wir ab Entscheidung für den Einsatz auf jeden Fall einplanen, um ein Team und die Hilfsgüter zusammenzustellen. Natürlich prüfen wir im Vorfeld auch, wie die Situation im Krisengebiet aussieht: ob der Zielflughafen noch funktionsfähig ist, welche Möglichkeiten es zur Entladung gibt und wie die Hilfsgüter ins Schadensgebiet kommen. Dann chartern wir Frachtraum, erstellen die Zoll- und Transportpapiere und beauftragen einen Spediteur für die Abwicklung vor Ort. Die lebensrettenden Sofortmaßnahmen erfolgen durch die lokale Bevölkerung. Das sind zum großen Teil Freiwillige unserer lokalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften vor Ort. Mehrere Tage nach einem Erdbeben konzentriert sich die humanitäre Hilfe auf die Vermeidung von Infektionskrankheiten und Seuchen. Unsere Aufgabe besteht dann darin, die ausgefallene Infrastruktur wiederherzustellen, indem wir medizinische Einrichtungen zur Verfügung stellen oder die Trinkwasserversorgung sicherstellen. 

Dennoch, gerade in den ersten Tagen tickt die Uhr. Wie beschaffen Sie in dieser kurzen Zeit ein Flugzeug? 
Wir arbeiten mit mehreren Brokern zusammen, die innerhalb eines halben Tages geeignete Transportmöglichkeiten vorschlagen. Das kann ein Vollcharter oder eine Beiladung sein.

Gibt es durch den Rahmenvertrag mit Lufthansa Cargo einen Sonderprozess? 
Wir unterliegen dem Vergaberecht und müssen mehrere Angebote einholen, wobei das wirtschaftlichste den Zuschlag erhält. Aber wenn es zu einer Zusammenarbeit kommt, ist die Partnerschaft von großem Vorteil: Durch die Rahmenvereinbarung und die Abstimmung unserer Prozesse aufeinander ist sichergestellt, dass wir mit Lufthansa Cargo einen Partner haben, der schnell ist und Hilfsgüter kostengünstig und effektiv zum Einsatzort bringt. Gerade in den ersten Tagen einer Katastrophe ist es wichtig, dass keine unnötigen Reibungsverluste auftreten. Das klappt halt immer besser, wenn man sich kennt und sich als Partner auf Augenhöhe begegnet.

Woher wissen Sie, was vor Ort gebraucht wird? 
Mit 190 nationalen Gesellschaften hat das Rote Kreuz in fast jedem Land eine Schwestergesellschaft, die uns schnell eine verlässliche Einschätzung über die tatsächliche Situation vor Ort geben kann. Bei sehr großen Katastrophen koordiniert unser Dachverband IFRC in Genf und schickt ein internationales Erkundungsteam ins Katastrophengebiet, das uns in kurzer Zeit den Bedarf mitteilt. 

Warum haben Sie nicht einfach alles auf Lager? 
Die Vorhaltung von Hilfsgütern und Nothilfeeinheiten ist innerhalb der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung geregelt. Nicht jeder hat alles. Als eine der größten nationalen Gesellschaften ist unser Logistikzentrum in Berlin eins der größten innerhalb der Organisation. In unserer Halle am Flughafen Schönefeld lagern auf 4500 Quadratmetern unter anderem mehrere Wasseraufbereitungsanlagen, zwei Gesundheitsstationen und ein ganzes Krankenhaus. Außerdem ein Basislager zur Unterbringung von bis zu 150 Einsatzkräften und Hilfsgüter wie Zelte, Küchen- und Hygieneausstattung für 2500 Personen. Der Gesamtwert beläuft sich auf rund 4,5 Millionen Euro. Die Lagerung von Hilfsgütern ist kostenintensiv. Deshalb halten wir grundsätzlich nur solche bereit, die nicht kurzfristig auf den freien Märkten verfügbar sind. Das gilt auch für Artikel mit einer kurzen Haltbarkeit wie Medikamente. 

So ein Hilfsflug ist ein sehr komplexes Unterfangen. Wo lauern noch Schwierigkeiten? 
Wichtig ist es natürlich, auf die lokalen Besonderheiten Rücksicht zu nehmen. Dazu gehören auch religiöse Speisevorschriften, so ist zum Beispiel Rindfleisch in Nepal tabu. Wir müssen außerdem penibel darauf achten, dass wir an alle Parteien – gerade in Bürgerkriegsgebieten wie Syrien – dieselbe Qualität und dieselbe Menge liefern, um als neutrale Organisation wahrgenommen zu werden. Fehler können wir uns hier nicht erlauben. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview Anne Schafmeister

Herr Pott, sind Sie eigentlich ständig im Katastrophenmodus?
Keinesfalls. Bei längerfristig anhaltenden Katastrophen wie der Hungersnot in Afrika oder dem Konflikt in Syrien ist humanitäre Hilfe länger im Voraus planbar als etwa nach einem großen Erdbeben.

Im Katastrophenfall muss es dann aber schnell gehen. Wie lange dauert es, bis ein Hilfsflug startet?
Drei bis vier Tage müssen wir ab Entscheidung für den Einsatz auf jeden Fall einplanen, um ein Team und die Hilfsgüter zusammenzustellen. Natürlich prüfen wir im Vorfeld auch, wie die Situation im Krisengebiet aussieht: ob der Zielflughafen noch funktionsfähig ist, welche Möglichkeiten es zur Entladung gibt und wie die Hilfsgüter ins Schadensgebiet kommen. Dann chartern wir Frachtraum, erstellen die Zoll- und Transportpapiere und beauftragen einen Spediteur für die Abwicklung vor Ort. Die lebensrettenden Sofortmaßnahmen erfolgen durch die lokale Bevölkerung. Das sind zum großen Teil Freiwillige unserer lokalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften vor Ort. Mehrere Tage nach einem Erdbeben konzentriert sich die humanitäre Hilfe auf die Vermeidung von Infektionskrankheiten und Seuchen. Unsere Aufgabe besteht dann darin, die ausgefallene Infrastruktur wiederherzustellen, indem wir medizinische Einrichtungen zur Verfügung stellen oder die Trinkwasserversorgung sicherstellen.

Dennoch, gerade in den ersten Tagen tickt die Uhr. Wie beschaffen Sie in dieser kurzen Zeit ein Flugzeug?
Wir arbeiten mit mehreren Brokern zusammen, die innerhalb eines halben Tages geeignete Transportmöglichkeiten vorschlagen. Das kann ein Vollcharter oder eine Beiladung sein.

Gibt es durch den Rahmenvertrag mit Lufthansa Cargo einen Sonderprozess?
Wir unterliegen dem Vergaberecht und müssen mehrere Angebote einholen, wobei das wirtschaftlichste den Zuschlag erhält. Aber wenn es zu einer Zusammenarbeit kommt, ist die Partnerschaft von großem Vorteil: Durch die Rahmenvereinbarung und die Abstimmung unserer Prozesse aufeinander ist sichergestellt, dass wir mit Lufthansa Cargo einen Partner haben, der schnell ist und Hilfsgüter kostengünstig und effektiv zum Einsatzort bringt. Gerade in den

ersten Tagen einer Katastrophe ist es wichtig, dass keine unnötigen Reibungsverluste auftreten. Das klappt halt immer besser, wenn man sich kennt und sich als Partner auf Augenhöhe begegnet.

Woher wissen Sie, was vor Ort gebraucht wird?
Mit 190 nationalen Gesellschaften hat das Rote Kreuz in fast jedem Land eine Schwestergesellschaft, die uns schnell eine verlässliche Einschätzung über die tatsächliche Situation vor Ort geben kann. Bei sehr großen Katastrophen koordiniert unser Dachverband IFRC in Genf und schickt ein internationales Erkundungsteam ins Katastrophengebiet, das uns in kurzer Zeit den Bedarf mitteilt.

Warum haben Sie nicht einfach alles auf Lager?
Die Vorhaltung von Hilfsgütern und Nothilfeeinheiten ist innerhalb der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung geregelt. Nicht jeder hat alles. Als eine der größten nationalen Gesellschaften ist unser Logistikzentrum in Berlin eins der größten innerhalb der Organisation. In unserer Halle am Flughafen Schönefeld lagern auf 4500 Quadratmetern unter anderem mehrere Wasseraufbereitungsanlagen, zwei Gesundheitsstationen und ein ganzes Krankenhaus. Außerdem ein Basislager zur Unterbringung von bis zu 150 Einsatzkräften und Hilfsgüter wie Zelte, Küchen- und Hygieneausstattung für 2500 Personen. Der Gesamtwert beläuft sich auf rund 4,5 Millionen Euro. Die Lagerung von Hilfsgütern ist kostenintensiv. Deshalb halten wir grundsätzlich nur solche bereit, die nicht kurzfristig auf den freien Märkten verfügbar sind. Das gilt auch für Artikel mit einer kurzen Haltbarkeit wie Medikamente.

So ein Hilfsflug ist ein sehr komplexes Unterfangen. Wo lauern noch Schwierigkeiten?
Wichtig ist es natürlich, auf die lokalen Besonderheiten Rücksicht zu nehmen. Dazu gehören auch religiöse Speisevorschriften, so ist zum Beispiel Rindfleisch in Nepal tabu. Wir müssen außerdem penibel darauf achten, dass wir an alle Parteien – gerade in Bürgerkriegsgebieten wie Syrien – dieselbe Qualität und dieselbe Menge liefern, um als neutrale Organisation wahrgenommen zu werden. Fehler können wir uns hier nicht erlauben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview Anne Schafmeister

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Im Dezember 2016 unterzeichneten Lufthansa Cargo und das DRK einen Rahmenvertrag, um gemeinsam schneller helfen zu können.

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Mit dem Nothilfebündnis Aktion Deutschland Hilft kooperiert Lufthansa Cargo seit Februar 2013, mit der digitalen Luftfracht-Hilfsplattform Airlink hat Lufthansa Cargo vor Kurzem eine Grundsatzvereinbarung zur Unterstützung vereinbart.

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Hilfe für Uganda

Rund 800.000 Menschen sind seit 2013 vor dem Bürgerkrieg aus dem Südsudan nach Uganda geflohen. Täglich suchen 3000 Flüchtlinge in Uganda Zuflucht, mehr als 80 Prozent sind Frauen und Kinder. Im Februar haben Lufthansa Cargo und das DRK Anlagenteile für Trinkwasseraufbereitung und Hygiene in das afrikanische Land gebracht, denn zusätzlich bedroht anhaltende Dürre die Region. Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser.

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Die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ist mit 190 nationalen Gesellschaften die größte humanitäre Organisation der Welt mit über 100 Millionen Mitgliedern und freiwilligen Helfern. Das DRK leistet als Teil dieser Bewegung seit über 150 Jahren Hilfe für Menschen in Konfliktsituationen, bei Katastrophen und Notlagen, allein nach dem Maß der Not. Insgesamt verfügt das Rote Kreuz über ein Netz von elf über die Nordhalbkugel verteilten globalen Logistikzentren. Hinzu kommen drei Regionallager – in Panama, Kuala Lumpur und Dubai. Finanziert werden die Großeinsätze von öffentlichen Zuwendungen – und vor allem durch Spenden.

Spenden.

Spenden.

Das DRK baut deshalb Brunnen und schult Freiwillige, die Wasserstellen instand halten, und ruft zu Spenden auf: drk.de/hilfe-fuer-uganda oder unter dem Stichwort „Hungersnot“:
Deutsches Rotes Kreuz, Bank fuer Sozialwirtschaft
IBAN: DE 9837 0205 0000 0502 3453 BIC: BFSWDE33XXX

Photos:
Lufthansa Cargo (4), DRK (2)