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Inselreich im Aufschwung.

Japan gibt wieder Gas. Die Luftfrachtindustrie der weltweit drittgrößten Volkswirtschaft findet Anschluss an das internationale Wachstumstempo. Das ist auch bei Nippon Express spürbar. Der zweitgrößte Spediteur der Welt ist seit April 2005 Global Partner von Lufthansa Cargo.

Sauber, hell, sicher und technologisch auf dem neuesten Stand – so präsentieren sich die vier Lagerhäuser von Nippon Express in unmittelbarer Nähe des Tokioter Flughafens Narita. Wer das Privileg hat, eine Führung durch die insgesamt über 90.000 Quadratmeter großen Cargoterminals der internationalen Großspedition zu bekommen, kann sich dieses – im Übrigen typisch japanischen – Eindrucks nicht erwehren.

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Im Exportlagerhaus arbeiten Dutzende von Teams daran, die in Japan üblichen vierachsigen Straßen-Lkw mit den seitlich hochklappbaren Ladebordwänden zu entleeren. Dann prüfen sie die Sendungen und bauen sie auf Paletten auf. Bis zu 600 Tonnen Luftfracht am Tag werden allein von dieser Halle in alle Welt verschickt.

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Es gibt spezielle Rampen für erschütterungsempfindliche Güter, und 30 Prozent der Nippon Express-Sendungen verlassen Narita mittlerweile gepackt nach dem Bulk Unitization Program (BUP). Die BUP-Paletten werden dabei zuvor auf absenkbaren Arbeitsplattformen aufgebaut. Das erspart den Palettenbauern unnötige Kletterei und beschleunigt den Aufbau- und Verpackungsprozess.

Jeder Schritt wird von Vorarbeitern und zusätzlich von Kameras überwacht. Nicht nur aus Sicherheitsgründen (im Exportlagerhaus ist alles nach den Regularien von TAPA A zertifiziert), sondern auch wegen der besseren Fehleraufklärung. Denn ist doch einmal ausnahmsweise etwas mit einer Sendung nicht in Ordnung, können die einen Monat lang gespeicherten Videobilder abgerufen werden. Dann wird nachgesehen, ob beim Aufbau der Palette alles ordnungsgemäß gelaufen ist und ob der Fehler im Lagerhaus oder anderswo passiert sein könnte.

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Es sind dieser Wille zur Perfektion und die Bereitschaft, jedem Kunden das Beste zu geben – und zwar weltweit –, die Nippon Express groß gemacht haben. In der IATA-Weltrangliste steht das Unternehmen aus dem 127 Millionen Einwohner zählenden Inselreich auf Platz 2.

Anders als viele seiner Konkurrenten konzentriert sich Nippon Express nicht in erster Linie auf Hightech „made in Japan“, sondern auf alle Industriezweige gleichermaßen. „Wir wollen unseren Kunden ein One-stop-shopping bieten“, erläutert Shinjiro Takezoe die Strategie.

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Er betreut als Manager Marketing Sales Promotion der Cargo Division bei Nippon Express auf globaler Ebene die Zusammenarbeit mit den Airlines. „Servicequalität ist unserem Unternehmen und seinen Kunden besonders wichtig, und genau das verbindet uns mit Lufthansa Cargo“, sagt Takezoe.

Er und sein Team waren maßgeblich daran beteiligt, dass Nippon Express im April vergangenen Jahres als erster asiatischer Spediteur zu einem „Global Partner“ von Lufthansa Cargo wurde. Beim Global Partnership Program geht es darum, gemeinsam zu wachsen, Synergien im Vertrieb herzustellen, Transaktionskosten zu senken und wichtige Branchenthemen wie zum Beispiel die Automatisierung von Geschäftsabläufen voranzutreiben.

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„In Japan ist die Zusammenarbeit von Nippon Express und Lufthansa Cargo seit jeher sehr eng und das Geschäftsvolumen ziemlich groß“, erzählt Takezoe. „Aber seit wir ein Global Partner sind, hat unser Geschäft mit Lufthansa Cargo auch in den anderen Ländern einen deutlichen Schub erhalten. Da geht es um besseren Zugang zu den Kapazitäten, auf die unsere Niederlassungen außerhalb Japans jetzt Zugriff haben.“

Insgesamt wächst die Bedeutung der Luftfracht für den Geschäftserfolg von Nippon Express. Der Konzern beschäftigt weltweit 38.000 Mitarbeiter. In der Sparte See- und Luftfracht sind 7.000 aktiv, davon etwa 4.000 im Aircargo-Business.

„Luftfracht wird für uns immer wichtiger, weil die Nachfrage nach Logistikleistungen im Inland bei weitem nicht so schnell steigt wie in der internationalen Luftfrachtindustrie“, erläutert Takezoe.

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Diese Entwicklung bildet auch den Hintergrund für die jüngste Umstrukturierung der internen Organisation von Nippon Express: Bildeten früher die verschiedenen Regionen eigene Abteilungen, so sind es heute mit Ausnahme von China die einzelnen Funktionsbereiche wie „Marketing“, „Planning & Sales Promotion“ oder „Forwarding“, die die Kunden überregional – also weltweit – betreuen. „Durch diese neue Organisationsstruktur ist Nippon Express jetzt besser auf globale Anforderungen seiner Kunden eingestellt“, sagt Takezoe. „Da ist die intensivierte Kooperation mit einer globalen Airline wie der Lufthansa Cargo natürlich ebenfalls hilfreich.“

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21,3 Prozent Marktanteil an der japanischen Luftfrachtindustrie hatte Nippon Express 2005 – das mittelfristige Ziel aber lautet 25 Prozent! „Trotz der guten Wachstumsprognosen in der Luftfracht kann man heute als globaler Logistikdienstleister nur noch mit einem entsprechend großen Marktanteil einen zufriedenstellenden Ertrag erreichen“, so Takezoe.

Doch auch, wenn der Wettbewerb intensiver geworden ist, blickt man bei Nippon Express optimistisch in die Zukunft. Das hat nicht zuletzt mit der Erholung der japanischen Wirtschaft zu tun. Jahrelang hatte es von dort eher ernüchternde Nachrichten gegeben: schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt, steigende Arbeitslosenzahlen – und das in einem Land, das fast 40 Jahre Vollbeschäftigung hinter sich hatte!

Doch aus dieser Falle haben sich die Japaner mittlerweile wieder herausgearbeitet. Die Deflation scheint beendet, die Preise steigen moderat, und die Wirtschaft mag wieder in größerem Stil investieren. Das ist auch in der japanischen Luftfrachtindustrie spürbar. Sie wird beim Wachstum in den kommenden Jahren laut aktuellen Prognosen nicht mehr nennenswert hinter dem internationalen Branchendurchschnitt zurückbleiben.

„Während der Rezession hat sich so mancher Verlader mit Seefracht begnügt“, berichtet Takezoe. „Jetzt nutzen viele Kunden wieder die viel schnellere Luftfracht, um ihren Geschäften einen zusätzlichen Schub zu geben und Wachstumschancen konsequent auszunutzen.“

Angeheizt wird das Luftfrachtgeschäft außerdem durch die gestiegenen Anforderungen auf Seiten der Verlader: „Die Märkte verändern sich mittlerweile sehr schnell, und das spielt der Flexibilität der Luftfracht in die Hände“, erzählt Takezoe. 

„Nehmen Sie das Beispiel Flachbildschirme: Dass bei den Verbrauchern weltweit innerhalb kurzer Zeit eine derartige Riesennachfrage entstehen würde, konnte niemand voraussehen. Unser Geschäft hat von diesem Boom enorm profitiert, denn die Produktionsmaschinen, viele Teile, aber auch die Produkte selbst wurden und werden zu großen Teilen mit Luftfracht versendet.“

Ein weiteres Beispiel für die positive Entwicklung der japanischen Luftfrachtindustrie ist das Segment der temperaturgeführten Transporte (siehe Folgeseite).

Dass es sich bei der derzeitigen Erholung der Wirtschaft nur um ein vorübergehendes Phänomen handelt, glaubt Takezoe deshalb nicht: „Wir Japaner profitieren von unserem technologisch hohen Niveau. Außerdem sind wir nach wie vor bereit, sehr hart zu arbeiten, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft zu sichern.“

www.nippon-express.net

Erfolglos versuchte die Notenbank, das Wachstum anzufachen und die Investitionsfreudigkeit der japanischen Unternehmen wiederzubeleben. Doch die üblichen Rezepte staatlicher Wirtschaftslenkung halfen nicht. Der namhafte Ökonom Richard Koo von der Nomura Bank erklärt das in einem seiner Bücher so: In den 90er-Jahren sei es in Japan zu einem kräftigen Preisrückgang der Vermögenswerte gekommen. Das habe dafür gesorgt, dass viele Unternehmen bilanziell ziemlich plötzlich überschuldet waren. Zahlreiche Entscheidungsträger in der japanischen Wirtschaft setzten sich in der Folgezeit deshalb primär die Minimierung der Schulden zum Ziel. Das war Gift für die Konjunktur. Mit Investitionen und langfristig angelegter Wachstumsstrategie meinten die meisten Manager aber, der Überschuldung nicht Herr werden zu können. Die Folge: Investitionen blieben aus, es wurden kaum Kredite nachgefragt, das Wachstum kam zum Stillstand.

Doch aus dieser Falle haben sich die Japaner mittlerweile wieder herausgearbeitet. Die Deflation scheint beendet, die Preise steigen moderat, und die Wirtschaft mag wieder in größerem Stil investieren. Das ist auch in der japanischen Luftfrachtindustrie spürbar. Sie wird beim Wachstum in den kommenden Jahren laut aktuellen Prognosen nicht mehr nennenswert hinter dem internationalen Branchendurchschnitt zurückbleiben.

„Während der Rezession hat sich so mancher Verlader mit Seefracht begnügt“, berichtet Takezoe. „Jetzt nutzen viele Kunden wieder die viel schnellere Luftfracht, um ihren Geschäften einen zusätzlichen Schub zu geben und Wachstumschancen konsequent auszunutzen.“

Angeheizt wird das Luftfrachtgeschäft außerdem durch die gestiegenen Anforderungen auf Seiten der Verlader: „Die Märkte verändern sich mittlerweile sehr schnell, und das spielt der Flexibilität der Luftfracht in die Hände“, erzählt Takezoe.

„Nehmen Sie das Beispiel Flachbildschirme: Dass bei den Verbrauchern weltweit innerhalb kurzer Zeit eine derartige Riesennachfrage entstehen würde, konnte niemand voraussehen. Unser Geschäft hat von diesem Boom enorm profitiert, denn die Produktionsmaschinen, viele Teile, aber auch die Produkte selbst wurden und werden zu großen Teilen mit Luftfracht versendet.“

Ein weiteres Beispiel für die positive Entwicklung der japanischen Luftfrachtindustrie ist das Segment der temperaturgeführten Transporte (siehe Folgeseite).

Dass es sich bei der derzeitigen Erholung der Wirtschaft nur um ein vorübergehendes Phänomen handelt, glaubt Takezoe deshalb nicht: „Wir Japaner profitieren von unserem technologisch hohen Niveau. Außerdem sind wir nach wie vor bereit, sehr hart zu arbeiten, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft zu sichern.“

www.nippon-express.net

 

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Nippon Express in Narita.

Der Tokioter Flughafen Narita liegt laut „AirCargo World“ mit 2,29 Millionen Tonnen Luftfracht 2005 weltweit auf Rang 4. Eine bis anderthalb Stunden Fahrtzeit vom Zentrum der Stadt gelegen, kann man hier nicht selten bis zu zwei Dutzend große Frachter auf einmal sehen. Neben den heimatlichen Airlines JAL Cargo und ANA sind besonders die US-amerikanischen Carrier und die Integratoren stark vertreten. Jährlich werden 968.000 Tonnen Luftfracht importiert und 840.000 Tonnen exportiert.

Nippon Express ist in unmittelbarer Nähe des Flughafengeländes mit vier modernen Cargo-Terminals, darunter ein Perishables Center, vertreten. Das Unternehmen exportiert rund 23.000 Tonnen und importiert 16.000 Tonnen Luftfracht im Monat. Mehr als die Hälfte der Sendungen werden in andere asiatische Länder transportiert oder kommen von dort. Die andere Hälfte teilen sich zu fast gleichen Teilen die europäischen und amerikanischen Märkte.

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Mehr als nur edler Fisch.

Nippon Express will im Segment der temperaturgeführten Transporte stark wachsen und setzt dabei auf enge Kooperation mit Lufthansa Cargo – auch Pharma- und Hightech-Produkte werden wichtiger.

Die schönsten Meerestiere landen im Kühlhaus von Nippon Express in Narita. Pazifische Tunfische zum Beispiel, so groß wie ausgewachsene Hausschweine. Oder auch riesige Lachse aus Neuseeland oder Norwegen.

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Viele Aufkäufer kommen direkt nach Narita zu Nippon Express und entscheiden vor Ort, welche Ware für welchen Markt in Japan bestimmt ist. Das Beste wandert natürlich in die teuersten Feinschmeckertempel der 17-Millionen-Einwohner-Metropole Tokio. Damit die edle Ware frisch bleibt, können im 11.000 Quadratmeter großen Perishables Center von Nippon Express 30 Tonnen Eis am Tag hergestellt werden, erzählt Ryuichi Kato, Manager im Perishables Cargo Distribution Service Department von Nippon Express bei einem Rundgang.

Doch vor Ort hat man noch mehr zu bieten: So werden in den temperierten Räumen, in die das feucht-heiße japanische Sommerklima nicht eindringen kann, nicht nur Fische umgeschlagen, sondern auch edle Früchte und Blumen aufbereitet, Qualitätskontrolle inklusive.

Nippon Express lagert – je nach Kundenanforderung – im Tiefkühlbereich und zwischen 3 und 20 Grad Celsius. Und wenn bei wertvollen Früchten wie zum Beispiel feinen Mangos der Reifeprozess gestoppt werden soll, dann stehen auch noch Speziallager bereit, denen der Sauerstoff entzogen ist.

Der Markt für temperaturempfindliche Güter ist in Japan zurzeit importgetrieben. „Erst kürzlich hat die Regierung die Einfuhrbeschränkungen für bestimmte Perishables gelockert“, erzählt Katsuhito Kobayashi, Manager Planning & Sales Promotion bei Nippon Express. „Die Nachfrage ist enorm, und die Broker können sehr gute Preise erzielen. Wir erwarten im laufenden Jahr ein Plus von 13 bis 14 Prozent!“

Neben den klassischen Perishables wie Fisch und Früchte gewinnen andere Güter für den Bereich der temperaturgeführten Transporte dabei an Bedeutung: Pharmaprodukte, bestimmte Batterien, hochempfindliche Präzisionsmaschinen für die Halbleiterindustrie oder auch Filme müssen innerhalb einer festgelegten Temperaturspanne transportiert werden. „Und zwar nicht nur airport-to-airport, sondern door-to-door. Das erwarten die Kunden“, betont Masae Tobe, Supervisorin für das Cool-Chain-Geschäft bei Nippon Express.

Um sein Profil auf diesem Gebiet weiter zu schärfen, ist Nippon Express Mitglied der Cool Chain Association (CCA) geworden, die einen neuen Industriestandard für Perishables und temperaturempfindliche Güter unter dem Namen Cool Chain Quality Indicators (CCQI) entwickelt hat.    

In Japan hat Nippon Express damit ein Alleinstellungsmerkmal, und dies soll sich auch in weiterem Wachstum niederschlagen. „Die Kooperation mit Lufthansa Cargo wird in Zukunft für uns immer wichtiger“, sagt Kobayashi. „Lufthansa Cargo bietet mit dem Unicooler, der kühlen und wärmen kann, einen Transportbehälter, der die Temperaturunterschiede sowohl im Plus- wie im Minusbereich verlässlich ausgleichen kann. Das hilft uns insbesondere bei der Akquise von Kunden aus der Pharma- und der Hightech-Industrie.“

www.coolchain.org

Fotos:

Joshua Lieberman, Nathan Shanahan

planet 3/2006

Neben den klassischen Perishables wie Fisch und Früchte gewinnen andere Güter für den Bereich der temperaturgeführten Transporte dabei an Bedeutung: Pharmaprodukte, bestimmte Batterien, hochempfindliche Präzisionsmaschinen für die Halbleiterindustrie oder auch Filme müssen innerhalb einer festgelegten Temperaturspanne transportiert werden. „Und zwar nicht nur airport-to-airport, sondern door-to-door. Das erwarten die Kunden“, betont Masae Tobe, Supervisorin für das Cool-Chain-Geschäft bei Nippon Express.

Um sein Profil auf diesem Gebiet weiter zu schärfen, ist Nippon Express Mitglied der Cool Chain Association (CCA) geworden, die einen neuen Industriestandard für Perishables und temperaturempfindliche Güter unter dem Namen Cool Chain Quality Indicators (CCQI) entwickelt hat.

In Japan hat Nippon Express damit ein Alleinstellungsmerkmal, und dies soll sich auch in weiterem Wachstum niederschlagen. „Die Kooperation mit Lufthansa Cargo wird in Zukunft für uns immer wichtiger“, sagt Kobayashi. „Lufthansa Cargo bietet mit dem Unicooler, der kühlen und wärmen kann, einen Transportbehälter, der die Temperaturunterschiede sowohl im Plus- wie im Minusbereich verlässlich ausgleichen kann. Das hilft uns insbesondere bei der Akquise von Kunden aus der Pharma- und der Hightech-Industrie.“

www.coolchain.org

 

Fotos:

Joshua Lieberman, Nathan Shanahan

planet 3/2006