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Eine Nacht in Chicago.

Wenn es dunkel wird am Chicago O’Hare Airport, dann beginnt für die Spezialisten von Lufthansa Cargo die Arbeit. Reporterin Cornelia Garmann hat für planet die Nacht zum Tag gemacht und die Abfertigung einer Boeing 777F begleitet. Es ist dunkel in den Gängen der Büroetage von Lufthansa Cargo in Chicago. Die meisten Räume sind längst leer, die Kollegen zu Hause bei ihren Familien. Die Nacht zieht über die Stadt. Stille. Kaum zu glauben, dass die Welt zwei Stockwerke tiefer, im Erdgeschoss, ganz anders aussieht. 

Dort, im Warehouse, fängt der Tag mit der Nachtschicht erst richtig an. Denn Chicago setzt auf Nachtsprünge. Ein Nachtflugverbot wie in Frankfurt kennt man hier nicht – Frachtflüge dürfen jederzeit operieren, nur Passagierflüge bekommen eingeschränkte Slots. Fracht aus Deutschland fliegt am Vorabend in Frankfurt los und kommt noch in der Nacht, pünktlich zum neuen Produktionstag, an. Zudem kann der Kunde die Exportwaren noch abends anliefern.

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In der Exportannahme stehen die Kunden mittlerweile Schlange. Elizabeth Ordonez ist heute Nacht ihre erste Ansprechpartnerin. Sie überprüft die Dokumente und kontrolliert die Sicherheit der Fracht. Ist alles in Ordnung, darf die Sendung ins Lager überführt werden, Ordonez erstellt die für den Flug nötigen Unterlagen.

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Als Vormann ist Ted Sayles verantwortlich für den Build-up. In Chicago liefern Kunden oft bereits konsolidierte Fracht auf Paletten an. Sayles prüft, ob die Kontur der Palette der des Flugzeugs entspricht. „Das Besondere an unserer Station ist, dass wir permanent Paletten aufbauen“, erläutert Sayles. Sobald genug Fracht für eine Palette vorhanden ist, wird diese zusammengestellt und zwischengelagert.

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Bereits aufgebaute Paletten kann DGR-Export-­Mitarbeiterin Mubera Cehaic nicht brauchen. Denn Gefahrgut bedarf eines besonderen Handlings. In der Region um die Metropole Chicago schlagen gleich mehrere große Unternehmen der Pharma- und Chemiebranche große Mengen der sensiblen Güter um. Das Gefahrgut wird separiert von den restlichen Frachtstücken gelagert und in einem eigenen Prozess aufgebaut.

Zuvor kontrollieren Cehaic und ihre Kollegen zweimal die Richtigkeit der Dokumente und prüfen, ob der Frachtbrief den Labeln der Packstücke entspricht. DGR-Experten bauen dann die Gefahrgut-Paletten auf – und kontrollieren dabei die Daten ein drittes Mal. Sind die Paletten zusammengestellt und alle Dokumente überprüft, erstellt Cehaic das sogenannte Manifest. Ihm lässt sich entnehmen, was sich auf welcher Palette befindet. Eine Kopie des Manifests wird nun an die Kollegen der Operations weitergegeben.

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Schon längst sind die Operations-Mitarbeiter dabei, die Entladung des einfliegenden Frachters zu planen: „Vier Stunden vor der Ankunft bekommen wir die Importdaten der Fracht und können die Entladung vorbereiten“, erläutert Operations Agent Carlo Limiac, der heute Nacht die Operations verantwortet. Parallel dazu stößt er auch schon die Beladung der LH8189 nach Frankfurt an: „Wir haben in der Regel nur 2,5 Stunden Zeit, ein Flugzeug zu drehen – also es zu entladen und zu beladen.“

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Der Frachter aus Frankfurt ist gelandet. Siju Varghese ist als leitender Mitarbeiter des Imports für den Break-down der Fracht verantwortlich. „Unsere Rushhour liegt meist zwischen 17 und 21 Uhr. Die Importkunden können auf Anfrage ihre Ware 24 Stunden täglich abholen.“ Vor allem für die Express- und Cool-­Sendungen wird dieser Service oft genutzt.

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Die Fracht für LH8189 wird bereitgestellt. Operations Agent Ricardo Lopez trägt Sorge, dass alle vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen an und um den Frachter eingehalten sind: Trägt jeder Sicherheitswesten und Sicherheitsschuhe? Für zehn Prozent der Drehungen ist ein solcher Sicherheitscheck vorgeschrieben. Auch wenn alle Handlingkollegen die Vorschriften genau kennen – Kontrolle ist besser.

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Auf dem Maindeck ist sein Kollege Randall Hiller für die Beladung des Frachters zuständig. Mit höchster Präzision lädt er die Güter ein. Genau wie alle seine Kollegen am Standort kann Hiller alle gängigen Frachtflugzeugtypen abfertigen, da auch andere Airlines Lufthansa Cargo-Handling buchen können: B747F, B777F und MD-11F. „Unsere ‚Triple Seven‘ macht aber ganz besonderen Spaß.“

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Kapitän Gottfried Knoll (l.) und seine Kollegen kommen zum Pilotenbriefing. Carlo Limiac übergibt ihnen alle Informationen zu Fracht, Wetter und möglichen Routen. „In Frankfurt bekommen wir diese Informationen von Flugbetriebskollegen – in Chicago liegt diese Aufgabe bei den Ops“, so Knoll. Aufgrund der Daten wird der Kapitän seine Betankung berechnen und die genaue Flugroute festlegen.

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Voll beladen rollt LH8189 in Richtung Startbahn und fliegt Richtung Sonnenaufgang. Zwischen vier und sechs Uhr endet die Nachtschicht in Chicago. Langsam werden die Straßen wieder voller, Frühaufsteher begeben sich bereits auf den Weg ins Büro. Hiller, Lopez, Cehaic und ihre Kollegen starten nun nach und nach in die andere Richtung, denn für sie beginnt der wohlverdiente Feierabend. 

Zweieinhalb Stunden zum „Drehen“: Die B777F „Good Day, USA“ von Lufthansa Cargo beim Ent- und Beladen auf dem O’Hare Airport.

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Chicago Express

Interview mit Lutz Austermeier.

Herr Austermeier, Ihre Spedition heißt Chicago Express. Ist der Name Programm?
Das stimmt: Wir sind schnell und unser Herz schlägt in Chicago. Allerdings sind wir nicht nur eine Spedition, sondern arbeiten auf allen Stufen der Supply Chain – vom Einkauf über den Transport im Herkunftsland bis zur Auslieferung. 

Was erwarten Sie von der Airline, die Ihre Lieferkette vervollständigt? 
Das Netzwerk ist mir wichtig. Am schnellsten geht es natürlich, wenn das Flugzeug gleich dort landet, wo meine Ware hin muss. Da Lufthansa Cargo für ein sehr breites Netz steht, ist der Frachtkranich häufig die erste Wahl. Mir ist darüber hinaus der persönliche Kontakt ein Anliegen. Auch deswegen habe ich trotz vieler Angebote mein Unternehmen nie extrem vergrößert: Meine Kunden möchten ebenso wie ich stets wissen, wer ihr Gegenüber ist.

Haben es Mittelständler der Branche schwer gegen die Riesen?
Jeder hat es in unserer wirtschaftlichen Situation schwer. Ich kann nur sagen: Man darf den Sinn für Innovation und Mut nie verlieren. Weder als Big Player noch als kleines Unternehmen. Trauen Sie sich etwas!
    
Was haben Sie sich denn getraut?
Ich glaube, ich habe schon manches gewagt, zum Beispiel den Schritt zur Selbstständigkeit im Im- und Export. Eilige Fracht von Abholung bis Anlieferung selbst zu betreuen ist allerdings wesentlich effizienter, als eine Spedition zwischenzuschalten – Chicago Express war geboren. Stolz bin ich auf das von uns entwickelte IT-System „Cargo Wise“ für Klein- und Mittelständler. Vor einer Weile hat es ein australisches Unternehmen gekauft, und heute wird es von „Wise Tech Global“ sehr lukrativ vermarktet.

Was macht Ihre Beziehung zu Lufthansa Cargo einzigartig?
Ehrlichkeit. Ich weiß, dass ich ernst genommen werde. Sollte einmal etwas schiefgehen, wird das offen kommuniziert. Aber auch mir kommt man sehr entgegen: Besonders eilige Ware kann ich beispielsweise auch außerhalb der Kernöffnungszeiten abgeben oder abholen. Qualität hat für mich neben messbaren Fakten auch mit Vertrauen zu tun!

Fotos:

Cornelia Garmann, Natalia Pekhanova

planet 1/2015

Herr Austermeier, Ihre Spedition heißt Chicago Express. Ist der Name Programm?
Das stimmt: Wir sind schnell und unser Herz schlägt in Chicago. Allerdings sind wir nicht nur eine Spedition, sondern arbeiten auf allen Stufen der Supply Chain – vom Einkauf über den Transport im Herkunftsland bis zur Auslieferung. 

Was erwarten Sie von der Airline, die Ihre Lieferkette vervollständigt? 
Das Netzwerk ist mir wichtig. Am schnellsten geht es natürlich, wenn das Flugzeug gleich dort landet, wo meine Ware hin muss. Da Lufthansa Cargo für ein sehr breites Netz steht, ist der Frachtkranich häufig die erste Wahl. Mir ist darüber hinaus der persönliche Kontakt ein Anliegen. Auch deswegen habe ich trotz vieler Angebote mein Unternehmen nie extrem vergrößert: Meine Kunden möchten ebenso wie ich stets wissen, wer ihr Gegenüber ist.

Haben es Mittelständler der Branche schwer gegen die Riesen?
Jeder hat es in unserer wirtschaftlichen Situation schwer. Ich kann nur sagen: Man darf den Sinn für Innovation und Mut nie verlieren. Weder als Big Player noch als kleines Unternehmen. Trauen Sie sich etwas!

Was haben Sie sich denn getraut?
Ich glaube, ich habe schon manches gewagt, zum Beispiel den Schritt zur Selbstständigkeit im Im- und Export. Eilige Fracht von Abholung bis Anlieferung selbst zu betreuen ist allerdings wesentlich effizienter, als eine Spedition zwischenzuschalten – Chicago Express war geboren. Stolz bin ich auf das von uns entwickelte IT-System „Cargo Wise“ für Klein- und Mittelständler. Vor einer Weile hat es ein australisches Unternehmen gekauft, und heute wird es von „Wise Tech Global“ sehr lukrativ vermarktet.

Was macht Ihre Beziehung zu Lufthansa Cargo einzigartig?
Ehrlichkeit. Ich weiß, dass ich ernst genommen werde. Sollte einmal etwas schiefgehen, wird das offen kommuniziert. Aber auch mir kommt man sehr entgegen: Besonders eilige Ware kann ich beispielsweise auch außerhalb der Kernöffnungszeiten abgeben oder abholen. Qualität hat für mich neben messbaren Fakten auch mit Vertrauen zu tun!

 

Fotos:

Cornelia Garmann, Natalia Plekhanova

planet 1/2015