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Autoliebhaber.

Testingenieure prüfen Prototypen an den entlegensten Orten der Welt auf Herz und Nieren. Alles, was dafür logistisch notwendig ist, und noch vieles mehr bietet die IQS Gruppe, wie Alexis von Hoensbroech, Vorstand Produkt und Vertrieb bei Lufthansa Cargo, beim „planet“-Ortstermin erfuhr.

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Sicher und ökonomisch zugleich: doppelstöckige Verladung bei IQS.

Es sind nur 26 Zentimeter mehr an Höhe, aber sie entscheiden darüber, ob der Sportwagen noch quer in das Unterdeck einer Boeing 747-8- Passagier maschine passt oder nicht. Deswegen haben die IQS-Lademittel - experten einen speziellen Extraboden aus Holz auf der Palette verzurrt. Auf diesem Podest schmiegt sich der flache Sportwagen mit dem brachialen Motorsound nun perfekt an die Rundungen des Jumbos. Weder Spoiler noch Heckschürze ecken an.
„Es sind manchmal ganz einfache Lösungen, die dafür sorgen, dass der Transport eines Autos handlingseitig sicher, effizient und kostengünstig durchgeführt werden kann“, sagt Marc Oedekoven, Vorsitzender der Geschäftsführung der IQS Gruppe. Um Lufthansa Cargo Vorstand Alexis von Hoensbroech genau das zu demonstrieren, setzt Oedekoven zur Sicherheit noch einmal die 747-Aluminiumschablone an und siehe da – die bulligen Proportionen des Audi werden die Paletten - position an Bord perfekt ausnutzen. Gleichzeitig bleibt die Sendung trotz der leichten Anhebung noch unter der maximalen Laderaumhöhe von 1,63 Meter, wie die laser - gestützte Vermessungsanlage am IQS-Hauptstandort in Langenbach nahe des Münchener Flughafens anzeigt.

Schlaue Ideen im Repertoire

Die IQS-Gruppe hat unzählige solcher schlauen Ideen für den Autotransport per Luftfracht im Repertoire. Dazu gehört der geschlossene 20-Fuß-Container mit den zahlreichen praktischen Türen, der sogar die ziemlich hohe G-Klasse von Mercedes perfekt aufnehmen kann. Oder der demontierbare Planen-Container, ideal für One-Way- Transporte, denn leer auf dem Weg in das IQS-Zentrallager braucht diese „Verpackungslösung“ nur noch ganz wenig Platz und spart somit Geld. Der Kopf hinter so viel Erfindergeist ist Norbert Wegener, der IQS 1998 mitgegründet hat und seit 2009 alleiniger Eigentümer der Gruppe ist.

Groß geworden ist IQS vor allem mit dem Transport von Testautos, Messe- und Eventfahrzeugen sowie Prototypen – ein Geschäft, das ein sehr spezielles Know-how verlangt und bei dem es auf absolute Vertrauenswürdigkeit ankommt. Längst verschifft die Gruppe auch Old - timer, Rennwagen, gepanzerte Limousinen, Militärfahrzeuge, Test equipment, Autoteile und Aggregate sowie wertvolle Privatfahrzeuge von Menschen, die es sich leisten können. Mehr als 4.000 Autos wurden im vergangenen Jahr geflogen.
Neben dem großen Handling-Know-how ist die breite Aufstellung der IQS-Gruppe entscheidend für den Erfolg. Zur Gruppe gehören Tochterfirmen in den USA und Dubai, ein eigenes Handling- und Beratungsunternehmen und weitere Spezialdienstleister: IQS Business Travel beispielsweise organisiert die Reisen von Ingenieuren der großen Automobilhersteller zu den größtenteils geheimen Teststrecken, die sich auf fast allen Kontinenten befinden. Global Automotive Testing Support (GATS) kümmert sich um Erschließung, Aufbau und Betrieb von Teststrecken. Dazu gehören Werkstätten genauso wie Büros und mobile Prüfstände irgendwo im Nirgendwo.
„Wir wachsen und sind mittlerweile nicht mehr nur eine Spedition für den Transport von Automobilen, sondern bieten den Kunden dank unserer spezialisierten Tochterfirmen auch die Möglichkeit zum One-Stop-Shopping. Nur eigene Flugzeuge betreiben wir noch nicht“, schmunzelt der erfahrene Luftfrachtmanager Oedekoven. „Deswegen sind wir auf die Partnerschaft mit Qualitätscarriern wie Lufthansa Cargo angewiesen.“ Doch warum wird überhaupt so viel getestet? Internationalisierung und Variantenvielfalt sind nach wie vor bedeutende Treiber der Automobilindustrie. Alle Modelle, die auf den Markt kommen, müssen vorher auch getestet werden. Und das oft an den extremsten Orten der Welt. „Ein Riesenaufwand und eine Marktnische, die für spezialisierte Logistiker wie IQS große Wachstumschancen bietet“, schlussfolgert Alexis von Hoensbroech beim „planet“-Ortstermin in Langenbach.
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Neben Testautos und Prototypen fliegt IQS mit Lufthansa Cargo immer wieder Messefahrzeuge zu den großen Automobilshows sowie edle Oldtimer zu Sammlern und Auktionen weltweit. Die Formschönheit dieses Jaguar E-Type faszinierte den „planet“-Fotografen.

Die Tester suchen die Extreme

Auf zugefrorenen Seen im Norden Skandinaviens optimieren beispielsweise Regelsystemtechniker Assistenzsysteme wie ESP oder ABS. Motorenentwickler testen ihre Diesel und Benziner bei Temperaturen von minus 30 Grad Celsius und niedriger. Getriebespezialisten wiederum „flüchten“ vor dem Winter auf der Nordhalbkugel in die Wüstengegenden Südafrikas und prüfen, ob ihre Aggregate auch unter extremen Höchsttemperaturen leistungsfähig arbeiten. Und die Konstrukteure der Kraftstoff - versorgung untersuchen auf Pässen in den Anden, wie Motoren auch in großer Höhe zuverlässig mit Sprit versorgt werden können. „Die genauen Testorte sind geheim“, erklärt Oedekoven, denn regelmäßig werden auch Autos getestet, die noch gar nicht auf dem Markt erhältlich sind. Geprüft wird andauernd und in nahezu allen Erdteilen. Ziel ist es immer, die Autos durch die jeweils schwierigsten Bedingungen an die Grenze des technisch Machbaren zu bringen.

Gerade deutsche Automobilhersteller, die sich durch Qualität auszeichnen, denken sich immer neue Zumutungen für ihre Fahrzeuge aus und haben ein umfangreiches Testwesen etabliert. „IQS als deutscher Spezialdienstleister hat sich hier schlau aufgestellt“, sagt Alexis von Hoensbroech. „Mit unserem weit verzweigten Belly- und Frachternetzwerk und dem Freighter-ondemand- Angebot machen wir als Lufthansa Cargo in diesem Segment ebenfalls ein wettbewerbsfähiges Angebot.“ Tatsächlich lässt IQS rund 20 Prozent seiner Tonnage von Lufthansa Cargo fliegen. Oedekoven: „Bei Lufthansa Cargo ist das notwendige Equipment vorhanden, das Personal ist geschult und der Flugplan verlässlich. Das ist gut so, denn wir wollen weiter wachsen.“
Auch von Hoensbroech sieht seitens der Entwicklungsabteilungen der großen Automobilhersteller eine weiter zunehmende Nachfrage nach logistischen Leistungen. „Trends wie Elektromobilität und Konnektivität führen zu weiter steigendem Testbedarf. Hier wollen wir auf jeden Fall mit von der Partie sein!“
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In mehrfacher Hinsicht VW-Fans: IQS ist mit Dienstleistungen für die Volkswagen Gruppe gewachsen. Marc Oedekoven nennt einen VW 1500 Stufenheck, Baujahr 1971 und übergeben von seiner Großmutter, sein Eigen. Alexis von Hoensbroech braucht für seine fünf Kinder einfach einen „Bulli“. Und so setzten sich die Manager beim „planet“- Ortstermin gern in ein weiteres legen - däres Produkt aus Wolfsburg – den Käfer.

Fotos:
Matthias Aletsee, Lufthansa Cargo, Audi AG