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Organic.

Wer einen Kirschbaum im Garten hat und jedes Jahr den einen oder anderen Eimer erntet, kann sich glücklich schätzen. Hobbygärtner kommen für den Eigenbedarf schließlich meist ohne Pestizide aus. Sind die Kirschen reif, werden sie geerntet. Wenn darunter Früchte sind, die nicht so aussehen, wie man sie aus dem Werbeprospekt des Lebensmittelhändlers kennt, wird das hingenommen. Im Supermarktregal sind Biokirschen allerdings noch selten. Wo andere Bio-Obstsorten, wie etwa Äpfel, längst einen festen Platz im Sortiment haben, sucht der Verbraucher Biokirschen oft vergeblich. Die Frucht ist anfällig für Schädlinge und Pilze, und wenn es zu viel regnet, nimmt sie so lange Wasser auf, bis sie platzt. In Mittel- und Nordeuropa ist ein biologisch-ökologisch korrekter Anbau deshalb mit hohen Kosten verbunden und noch immer die Ausnahme. In der geografischen Mitte Chiles dagegen traut sich seit zwei Jahren nun die Copefrut Chile S.A. die Produktion zu. Die Genossenschaft ist der Zusammenschluss mehrerer chilenischer Obstbauern und in der Région del Maule beheimatet. Dort dreht sich alles um die Landwirtschaft. Mediterranes Klima mit heißen Tagen und kühlen Nächten macht die Gegend zu einem idealen Anbaugebiet. Auf etwa 50 Hektar lässt Copefrut die Biokirschen heranreifen – frei von Pestiziden und zertifiziert. Das Unternehmen ist eines von Chiles Obstriesen.

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Kirschen aus dem Anden-Staat sind in der ganzen Welt beliebt. In der Saison 2017/2018 exportierte Chile 170.000 Tonnen. China, wo die Frucht zum Neujahrsfest auf den Markt kommt, nahm 94 Prozent der Ausfuhr ab. Allein Copefrut exportierte 25.000 Tonnen. Immerhin 250 Tonnen davon waren „bio“. Das Thema Nachhaltigkeit spielt in der Unternehmenskultur längst eine entscheidende Rolle. In Kooperationen mit Universitäten und Branchenriesen aus dem Lebensmittelbereich arbeitet man entschlossen daran, künftig noch nachhaltiger zu sein. Die Farmen setzen etwa immer mehr auf umweltverträgliche Verpackungslösungen. Kirschen haben die Eigenschaft, dass sie – einmal gepflückt – nicht mehr reifen. Während die meisten Kirschen stark heruntergekühlt als Seefracht exportiert werden, verlassen die Biosorten Royal Dawn, Santina, Bing, Lapins, Kordia, Sweetheart oder Regina das Land auf dem Luftweg. Per Kühl-Lkw werden die Kirschen 200 Kilometer gen Norden zum Flughafen von Santiago de Chile (SCL) gebracht. Für die jüngste Ernte organisierte Lufthansa Cargo Transporte nach Frankfurt, Moskau, Bangkok und Schanghai. Mit einem Boeing-767-Frachter von UPS wurden die Kirschen nach Buenos Aires geflogen, von wo Lufthansa Cargo die Ladung per Boeing 777F weiter nach Frankfurt (FRA) transportierte. Flugzeit für die 11.500-Kilometer-Strecke von Argentinien nach Deutschland: 13 Stunden und 25 Minuten.

Planet 2/2019

Fotos iStock

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