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Upcycling Cargo.

Zaubertränke, Wunderdrogen, künstliche Intelligenz – auf der Suche nach dem ewigen Leben ist der Mensch stets erfinderisch geblieben. Doch (noch) ist gegen die Sterblichkeit kein Kraut gewachsen. Gegen wachsende Müllberge auf unserem Planeten übrigens auch nicht. Im Schnitt produziert jeder Erdenbürger 1,5 Kilogramm Abfall pro Tag. Tendenz: steigend. Wenn er nichts dagegen tun wird. Und das kann er. Zum Beispiel mithilfe von Upcycling. Wie das konkret aussehen kann, veranschaulicht eine Kampagne, initiiert von vier Mitarbeiterinnen der Lufthansa Cargo. Die wartet nicht nur mit innovativen Ideen auf sondern zeigt auch, wie wir unsere Zeit auf diesem wunderbaren Planeten ganz einfach verlängern können. Wenn auch nicht für die Ewigkeit, dann doch vielleicht für eine kleine. 

Designerstücke aus Abfall.

„Unsere Recyclingquote liegt bei fast 100 Prozent. Unsere Upcyclingquote quasi bei null“, sagt Christina Franz. Die Senior-Marketing-Managerin bei Lufthansa Cargo ist einer der Köpfe, die vor einem Jahr aus einem Förderprogramm für weibliche Nachwuchskräfte heraus die Kampagne ins Leben riefen. Außerdem mit im Boot: Jule Parulewski, Britta Dechert und Daniela Simon. Der Plan: Frachtcontainer und Ladehilfsmittel am Ende ihrer Einsatzzeit nicht gen Schrottplatz zu verabschieden, sondern ihnen ein neues Leben zu schenken. „Doch so groß unser Enthusiasmus zu Beginn war, es stellte sich schnell heraus: Auf Dauer ist das nicht allein zu stemmen“, so Senior-Projektmanagerin Jule Parulewski. Ein Partner musste her – und fand sich im Institut für Recycling, Ökologie und Design Frankfurt (IRED). Das Vorhaben: Lufthansa Cargo besorgt das Material und liefert den Input. Das IRED unter Leitung von Professor Werner Lorke steuert die kreativen Ideen, nötige Mannstärke und Hardware bei: Drehbänke, 3-D-Drucker, Fräsen, Lasercutter. 

In nur wenigen Monaten entstehen aus alten Ladehilfsmitteln erste Upcycling-Produkte: Reisetrolleys aus ausrangierten Cargo-Containern. Aus dem gleichen Material eine Wanduhr mit Kranich-Ästhetik. Schlüsselanhänger, gefräst aus Bodenblechen mit eingestanzten IATA-Codes. Designerstücke aus vermeintlichem Abfall. Und allesamt Hingucker.

„Gereizt hat uns an der Kooperation vor allem der globale Kontext“, erzählt Professor Werner Lorke, der das Projekt begleitet. Frédéric Kreutzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter: „Die Luftfracht-Materialien sind schon um die halbe Welt gereist. Beulen, Kratzer, Schleifspuren – all das findet der Betrachter in der Patina der Upcycling-Produkte wieder.“ Doch genau dieser Gebrauchs-Charakter sei gewollt. „Wir leben in einer Konsumwelt, die stark auf neue Produkte fixiert ist“, so der Professor. „Upcycling kann dafür sorgen, mehr Akzeptanz für Produkte aus sekundären Rohstoffen zu schaffen.“ 

Am IRED hat man Blut geleckt. Kurzerhand ruft der Professor in der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG), an der er unterrichtet, ein Seminar ins Leben. Die Aufgabe: nachhaltige und praxistaugliche Objekte aus altem Luftfracht-Equipment zu entwerfen. Auch dieses Mal erfolgt die Zusammenarbeit in enger Kooperation mit den vier Lufthansa Cargo Mitarbeiterinnen. Der Ansturm ist groß: mehr als 30 Studierende melden sich zum Workshop.

Designerstücke aus Abfall.

„Unsere Recyclingquote liegt bei fast 100 Prozent. Unsere Upcyclingquote quasi bei null“, sagt Christina Franz. Die Senior-Marketing-Managerin bei Lufthansa Cargo ist einer der Köpfe, die vor einem Jahr aus einem Förderprogramm für weibliche Nachwuchskräfte heraus die Kampagne ins Leben riefen. Außerdem mit im Boot: Jule Parulewski, Britta Dechert und Daniela Simon. Der Plan: Frachtcontainer und Ladehilfsmittel am Ende ihrer Einsatzzeit nicht gen Schrottplatz zu verabschieden, sondern ihnen ein neues Leben zu schenken. „Doch so groß unser Enthusiasmus zu Beginn war, es stellte sich schnell heraus: Auf Dauer ist das nicht allein zu stemmen“, so Senior-Projektmanagerin Jule Parulewski. Ein Partner musste her – und fand sich im Institut für Recycling, Ökologie und Design Frankfurt (IRED). Das Vorhaben: Lufthansa Cargo besorgt das Material und liefert den Input. Das IRED unter Leitung von Professor Werner Lorke steuert die kreativen Ideen, nötige Mannstärke und Hardware bei: Drehbänke, 3-D-Drucker, Fräsen, Lasercutter. 

In nur wenigen Monaten entstehen aus alten Ladehilfsmitteln erste Upcycling-Produkte: Reisetrolleys aus ausrangierten Cargo-Containern. Aus dem gleichen Material eine Wanduhr mit Kranich-Ästhetik. Schlüsselanhänger, gefräst aus Bodenblechen mit eingestanzten IATA-Codes. Designerstücke aus vermeintlichem Abfall. Und allesamt Hingucker. 

„Gereizt hat uns an der Kooperation vor allem der globale Kontext“, erzählt Professor Werner Lorke, der das Projekt begleitet. Frédéric Kreutzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter: „Die Luftfracht-Materialien sind schon um die halbe Welt gereist. Beulen, Kratzer, Schleifspuren – all das findet der Betrachter in der Patina der Upcycling-Produkte wieder.“ Doch genau dieser Gebrauchs-Charakter sei gewollt. „Wir leben in einer Konsumwelt, die stark auf neue Produkte fixiert ist“, so der Professor. „Upcycling kann dafür sorgen, mehr Akzeptanz für Produkte aus sekundären Rohstoffen zu schaffen.“ 

Am IRED hat man Blut geleckt. Kurzerhand ruft der Professor in der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG), an der er unterrichtet, ein Seminar ins Leben. Die Aufgabe: nachhaltige und praxistaugliche Objekte aus altem Luftfracht-Equipment zu entwerfen. Auch dieses Mal erfolgt die Zusammenarbeit in enger Kooperation mit den vier Lufthansa Cargo Mitarbeiterinnen. Der Ansturm ist groß: mehr als 30 Studierende melden sich zum Workshop.

 

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Global Denken.

Eine von ihnen ist Emilie Burfeind. Gemeinsam mit drei Kommilitonen verfolgt die 25-Jährige eine Upcycling-Idee, die weit über das Ästhetische hinausgeht. Zusammen bauen sie eine urbane Farm aus einem ausgemusterten Cargo-Container. „Die Idee ist angelehnt an das Konzept der Aquaponik“, erklärt die Studentin. „Das ist ein geschlossener Kreislauf, der Aquakultur und Hydrokultur miteinander verbindet.“ Das Modell der Farm besteht aus zwei Etagen. In der oberen ist symbolisch Moos drapiert. In der unteren hängen kleine Papierfische an Bindfäden. Was der Mensch nicht zur Nahrung braucht, wird wiederverwertet. Von den abgestorbenen Nutzpflanzen ernähren sich Kleintiere wie Fische und Hühner. Deren Exkremente wiederum dienen der neuen Saat als Nährstoff. Ist das die Zukunft der Landwirtschaft? „Der Trend geht ganz klar zur Selbstversorgung“, ist Burfeind überzeugt. „Müllberge, Bevölkerungswachstum, schwindende Ressourcen – wir brauchen Lösungen, die das auffangen.“ Eine Chance sieht sie in der urbanen Farm, mit der sich Menschen autark versorgen können – ganz gleich, ob in Afrika auf dem Land oder mitten in Tokio.

Auch die anderen Seminarteilnehmer sind kreativ und entwickeln zukunftsfähige Lösungen aus alten Luftfracht-Containern: alternative Wartemöglichkeiten in der Abflughalle, Schlafkojen oder Möbelstücke. Obendrein sind Rucksäcke, Fahrradtaschen und Kameragurte unter den Objekten, kreiert aus einstigen Planen, Sicherungsgurten und Zurrleinen. Weiter liefern Bodenbleche den Rohstoff zum Beispiel für schmucke Flaschenöffner.

Die Ideen treffen allesamt ins Schwarze. Auf der Messe „transport logistic“ in München, wo das Team erste Prototypen präsentiert, wird schon die Nachfrage nach der Serienproduktion laut. Lufthansa Cargo Vorstandsvorsitzender Peter Gerber ist Pate des Projekts. Die Reisetrolleys werden derzeit weiterentwickelt, an Vertriebskonzepten wird gefeilt. Zudem sollen mögliche künftige Erlöse aus den Produkten Umweltinitiativen zugutekommen.

Auch die anderen Seminarteilnehmer sind kreativ und entwickeln zukunftsfähige Lösungen aus alten Luftfracht-Containern: alternative Wartemöglichkeiten in der Abflughalle, Schlafkojen oder Möbelstücke. Obendrein sind Rucksäcke, Fahrradtaschen und Kameragurte unter den Objekten, kreiert aus einstigen Planen, Sicherungsgurten und Zurrleinen. Weiter liefern Bodenbleche den Rohstoff zum Beispiel für schmucke Flaschenöffner.

 

Die Ideen treffen allesamt ins Schwarze. Auf der Messe „transport logistic“ in München, wo das Team erste Prototypen präsentiert, wird schon die Nachfrage nach der Serienproduktion laut. Lufthansa Cargo Vorstandsvorsitzender Peter Gerber ist Pate des Projekts. Die Reisetrolleys werden derzeit weiterentwickelt, an Vertriebskonzepten wird gefeilt. Zudem sollen mögliche künftige Erlöse aus den Produkten Umweltinitiativen zugutekommen.

 

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Teamarbeit begutachtet Maßarbeit: Professor Werner Lorke vom IRED, Christina Franz, Lufthansa Cargo, Emilie Burfeind, Studentin HfG, Frédéric Kreutzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter IRED, sowie Jule Parulewski, Lufthansa Cargo (v.l.n.r.)

Der kleine Unterschied.

Recycling
Wer bei dem Begriff an Gelbe Säcke oder Altglascontainer denkt, liegt genau richtig. Recycling ist der Überbegriff aller Arten von Wiederverwertung. Übersetzt bedeutet das Wort „wieder in den Kreislauf aufnehmen“. Ein Wertstoff wird so dem Verbraucher in neuer Form zurückgegeben. Klassisches Beispiel: Aus alten PET-Flaschen wird Granulat, daraus entstehen wiederum Spielzeuge, Fleecejacken oder Verpackungen. 

Downcycling
Anders als beim Recycling entsteht aus Müll ein Endprodukt von geringerer Qualität. Bei der Wiedergewinnung von Papier beispielsweise erlangt man nie mehr ganz die Beschaffenheit des Ursprungsprodukts. Was dem nachhaltigen Nutzen jedoch keinen Abbruch tut. Downcycling kann übrigens jeder im Alltag selbst praktizieren: Papier einfach doppelseitig ausdrucken oder bereits bedrucktes Papier auf der Rückseite nochmals verwenden.

Upcycling
Auch Upcycling ist eine Form der Wiederverwertung, allerdings spielt hier der Faktor Ästhetik eine entscheidende Rolle. Dabei erfahren Produkte, die aus Müll entstehen und oft mit anderen Materialien künstlerisch aufgewertet werden, eine Wertsteigerung. Das neue Resultat ist im besten Fall ein Designobjekt.

 

Fotos: Alex Kraus

Planet 2/2019

Der kleine Unterschied.

Recycling
Wer bei dem Begriff an Gelbe Säcke oder Altglascontainer denkt, liegt genau richtig. Recycling ist der Überbegriff aller Arten von Wiederverwertung. Übersetzt bedeutet das Wort „wieder in den Kreislauf aufnehmen“. Ein Wertstoff wird so dem Verbraucher in neuer Form zurückgegeben. Klassisches Beispiel: Aus alten PET-Flaschen wird Granulat, daraus entstehen wiederum Spielzeuge, Fleecejacken oder Verpackungen. 

Downcycling
Anders als beim Recycling entsteht aus Müll ein Endprodukt von geringerer Qualität. Bei der Wiedergewinnung von Papier beispielsweise erlangt man nie mehr ganz die Beschaffenheit des Ursprungsprodukts. Was dem nachhaltigen Nutzen jedoch keinen Abbruch tut. Downcycling kann übrigens jeder im Alltag selbst praktizieren: Papier einfach doppelseitig ausdrucken oder bereits bedrucktes Papier auf der Rückseite nochmals verwenden.

Upcycling
Auch Upcycling ist eine Form der Wiederverwertung, allerdings spielt hier der Faktor Ästhetik eine entscheidende Rolle. Dabei erfahren Produkte, die aus Müll entstehen und oft mit anderen Materialien künstlerisch aufgewertet werden, eine Wertsteigerung. Das neue Resultat ist im besten Fall ein Designobjekt.

 

Fotos: Alex Kraus

Planet 2/2019