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Cool bleiben.

Das Logistikzentrum von Roche Diagnostics in Mannheim versorgt die Welt mit Diagnostika, die Krankheiten aufspüren können. Die Produkte sind temperaturempfindlich und unterliegen einem strengen Reglement. Der Shipper vertraut daher nur ausgewählten Airlines.

Aus der Tiefe rauscht das Regalbediengerät heran. Der flinke Roboter greift sich eine Palette aus der siebten Etage und verschwindet mit seiner Ladung ebenso rasch, wie er gekommen ist. Hunderte verschiedene Diagnostika lagern hier. Der nimmermüde Helfer, der in diesem Lager schaltet und waltet, weiß immer ganz genau, welches Produkt wo auf ihn wartet und was an welchen Ort gehört.

Die beiden vollautomatisierten Hochregallager von Roche Diagnostics in Mannheim, dem weltweit drittgrößten Standort des Schweizer Roche-Konzerns, bieten Platz für 65.000 Paletten und 48.000 Kleinbehälter. Untergliedert sind die Lager in 21 Gassen, jede durch eine massive Betonwand von der nächsten getrennt. Dadurch lässt sich jeder Abschnitt genau temperieren. Außerdem hat die Aufteilung brandschutztechnische Gründe.

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Unbedingte Lieferfähigkeit.

„Wir müssen, ganz gleich unter welchen Umständen, lieferfähig sein“, erläutert Nourddin Odris. „Zur Risikominimierung ist ein Produkt deswegen immer auf mehrere Gassen verteilt. Selbst wenn in einer Gasse ein Feuer ausbrechen würde, haben wir so dennoch jedes Produkt immer auf Lager und können liefern.“ Nourddin Odris ist Head of Transport Management Global Supply Chain bei Roche Diagnostics. Als solcher ist er verantwortlich dafür, dass die weltweite Verteilung reibungslos funktioniert.
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Heute haben immer mehr Menschen auf der Welt Zugang zu medizinischer Versorgung. Roche Diagnostics hat Kunden in 170 Ländern. Die wichtigsten Märkte sind die USA und China, aber auch die großen Schwellen- und Entwicklungsländer brauchen Diagnostika. Folglich sind die Ausmaße des Geschäfts gewaltig – und es ist mehr als ein Geschäft, betont Nourddin Odris: „Wir vertreiben Reagenzien und andere diagnostische Produkte, die unverzichtbar sind, um Krankheiten nachweisen und dann behandeln zu können.“

Neben der Verbesserung der medizinischen Versorgung weltweit sind es auch das Bevölkerungswachstum und der Umstand, dass die Menschen insbesondere in der westlichen Welt immer älter werden, die Roche Diagnostics ein stetiges Wachstum bescheren. Tausende Tonnen diagnostische Produkte liefert das Unternehmen rund um den Globus. Davon rund ein Drittel per Luftfracht. Im Durchschnitt kommt so pro Tag ungefähr die Komplettladung eines Boeing 777-Frachters zusammen. „Luftfracht ist unverzichtbar für unser Geschäft“, sagt Nourddin Odris. „Wegen ihrer Geschwindigkeit, wegen der Möglichkeit, die Temperatur über den gesamten Transportweg konstant zu halten, aber auch, weil sich bestimmte Märkte nur auf dem Luftweg versorgen lassen.“

Sendungen aus Mannheim werden von Lufthansa Cargo vom Hub Frankfurt aus geflogen. Roche Diagnostics setzt auf Qualität: „Wir sind seitens der Spediteure und Airlines auf Experten angewiesen“, sagt Nourddin Odris. „Lufthansa Cargo hat diese Experten, deswegen arbeiten wir seit 20 Jahren eng zusammen. Denn nur wenn das kompetente Handling unserer Produkte jederzeit während des gesamten Transports sichergestellt ist, erreichen unsere temperaturempfindlichen Produkte den Zielort in optimaler Qualität.“

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Über 95 Prozent „Cool-Passive“.

Mehr als 95 Prozent der Sendungen von Roche Diagnostics, die Lufthansa Cargo über ihr weltweites Netz verteilt, gehen mit „Cool-Passive“ auf die Reise. Nur für Rohstoffe und Vorprodukte nutzen die Mannheimer mitunter auch „Cool-Active“. „Zum einen ist das eine Kostenfrage“, erläutert Nourddin Odris. „Zum anderen ist ,Cool-Active‘ nicht an allen Stationen verfügbar, was sowohl infrastrukturelle als auch regulatorische Ursachen hat.“ Bei Roche Diagnostics haben sich deshalb erfahrene Expertenteams für wirkungsvolle Verpackungen und das genaue Dosieren von Trockeneis gebildet. „Mit Trockeneis lässt sich heute eine Sendung länger als fünf Tage konstant temperieren“, so Odris.
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Die regulatorischen Anforderungen an Gesundheitsunternehmen wie Roche sind extrem hoch: Data Logger begleiten jede Sendung. Am Ende der Reise werden sie ausgelesen. Wird dabei eine unzulässige Temperaturschwankung von manchmal nur wenigen Grad Celsius festgestellt, muss die Ware vernichtet werden. So ist sichergestellt, dass nur Produkte in einwandfreier Qualität für Patienten verwendet werden.

Die lückenlose Dokumentation beginnt schon bei Roche Diagnostics selbst: Jeder Schritt jedes einzelnen Päckchens – vom Hochregallager über die Kommissionierung bis zur Warenausgabe – wird per Barcode gescannt. Doch irgendwann müssen die Logistikexperten von Roche ihre Sendung in die Hände von Spediteuren und Airlines geben.

„Uns ist es wichtig, dass wir mit Partnern zusammenarbeiten, die in der Lage sind, unsere Sendungen weltweit sorgfältig in der erforderlichen Qualität, zeitgenau und vollständig zu befördern“, sagt Nourddin Odris. Er begrüßt deshalb, dass der Airlineverband IATA mit dem Center of Excellence for Independent Validators in Pharmaceutical Logistics (CEIV Pharma) einen globalen Standard für den Transport und die Lagerung von pharmazeutischen Produkten definiert hat. Lufthansa Cargo erfüllt die strengen CEIV-Regeln als einer der ersten Carrier bereits seit 2016.

Unabhängige Experten haben die Prozesse der Airline bei „Cool-Active“- und „CoolPassive“-Transporten auditiert. Separat wurde auch das 8.000 Quadratmeter große Lufthansa Cargo Cool Center in Frankfurt erfolgreich zertifiziert. „Wir sind an einer langfristigen Partnerschaft interessiert, und das CEIVZertifikat ist für mich ein Zeichen, dass wir uns auf Lufthansa Cargo verlassen können“, erklärt Nourddin Odris. „Wir begrüßen, dass es eine wachsende Anzahl von Stationen im Netzwerk der Lufthansa Cargo gibt, die den strengen Anforderungen der Pharmaindustrie gerecht wird.“

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Luftfracht ist für Roche Diagnostics allerdings nicht nur für den Transport von Reagenzien und Teststreifen wichtig, mit denen Krankheiten nachgewiesen werden. Denn um diese einsetzen zu können, brauchen Hospitäler, Arztpraxen und Labore zunächst Analysegeräte, die das Unternehmen ebenfalls verkauft. Das können kleine, kompakte Handgeräte sein oder auch Anlagen von der Größe mehrerer Waschmaschinen, die ganze Hallen füllen. Erst wenn die Geräte vor Ort installiert sind, kann die eigentliche diagnostische Arbeit beginnen. Dann können chemisch beschichtete Teststreifen und sensible Reagenzien von Roche Diagnostics eingesetzt werden, um in menschlichem Blut, Urin oder Gewebe Krankheiten aufzuspüren.
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Ein Würfelzucker im Zürichsee.

Aus Mannheim in alle Welt werden unter anderem Produkte des Elecsys-Systems verschickt. Diese Analysesysteme sind eine besondere Erfolgsgeschichte von Roche. Weit über hundert verschiedene Testparameter der Elecsys-Familie kommen zum Einsaz, etwa um HIV, Hepatitis oder den Zika-Virus nachzuweisen. Aber auch zur Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen kann Elecsys eingesetzt werden. Die Technologie ist extrem sensitiv: Sie kann einen Würfelzucker, aufgelöst in mehr als drei Kubikkilometer Wasser, problemlos nachweisen. Das entspricht in etwa dem Rauminhalt des Zürichsees. Statistisch gesehen macht jeder vierte Mensch einmal im Jahr einen solchen Test – Tendenz steigend. Die Arbeit wird Nourddin Odris und seinem Team also nicht ausgehen.

Partner für temperatursensible Fracht.

Partner für temperatursensible Fracht.

Die Anforderungen der Pharmaindustrie an die Luftfracht wachsen – in puncto Volumen, neuer Auflagen seitens der Aufsichtsbehörden sowie längerer und komplexerer Transportketten. „Der Cool Master Plan ist unsere Antwort auf diese Anforderungen“, sagt Christian Fleischhauer, Projektleiter des Cool Master Plans bei Lufthansa Cargo. „Dies beinhaltet den Ausbau unseres Netzwerks von CEIV-Pharma-zertifizierten Stationen, verbesserten Temperaturschutz über die gesamte Transportkette und Transparenz für den Kunden durch Digitalisierung“, ergänzt sein Kollege Chris Dehio, Senior Product and Quality Manager Cool.

 

Zertifizierung:

Der Airlineverband IATA hat mit dem Zertifikat „CEIV Pharma“ einen weltweiten Industriestandard für den Lufttransport von Pharmazeutika gesetzt. Bereits im Oktober 2016 wurde Lufthansa Cargo sowohl für das Cool Center in Frankfurt als auch für ihre weltweiten Prozesse mit diesem Siegel ausgezeichnet. Um weitere Zertifizierungen möglich zu machen, investiert Lufthansa Cargo in den Ausbau ihrer Kühlinfrastruktur. „Im Rahmen des Cool Master Plans werden diese Investitionen auf einen zweistelligen Millionenbetrag wachsen“, so Christian Fleischhauer. Dazu gehört auch das Kühlzentrum am Hub in München, bei dessen Planung die Anforderungen für die CEIV-Pharma-Zertifizierung berücksichtigt wurden. Aber auch an Stationen wie Chicago, Atlanta, Washington und Mexiko wird die Kühlinfrastruktur ausgebaut.

Temperaturschutz:

um Temperaturschwankungen zu vermeiden, legt Lufthansa Cargo Wert auf ein nahtloses Ineinandergreifen von Handling, Lagerung und Transport. Diese Prozesse werden gemäß CEIV-Pharma kontinuierlich weiterentwickelt. Da auf dem Vorfeld extreme Temperaturen herrschen können, sind die Prozesse bei Lufthansa Cargo darauf ausgerichtet, die Zeit auf dem Vorfeld zu minimieren. Zusätzlichen Schutz bietet eine reflektierende Folie für alle „Cool-Passive“-Sendungen oder auch leistungsfähige Verpackungslösungen wie va-Qtainer, die über Lufthansa Cargo gebucht werden können. Auch temperatursensible Gefahrgüter können unter strikter Einhaltung der Dangerous Goods Regulations der IATA transportiert werden. Noch leistungsfähiger ist der Service „Cool-Active“, der mit Heiz- und Kühlcontainern arbeitet, die unabhängig von der Außentemperatur die Gradzahl im Inneren konstant halten – vom Ursprungsort über alle Schritte des Lufttransports bis zum Zielort.

Digitalisierung:

Lufthansa Cargo setzt auf Transparenz durch Digitalisierung. Die Datenbank IDB liefert schon vor der eigentlichen Buchung detaillierte Informationen zu allen Lufthansa Cargo Stationen. Das IT-Tool SPoT (Special Product operation Tool) kann die Prozesse insbesondere für „Cool“-Produkte überwachen. Auch DGD.online hilft, bei temperatursensiblen Gefahrgütern für mehr Transparenz zu sorgen.

 

www.roche.de

Fotos: Alex Kraus, Roche

planet 01/2019