Die Boten aus dem Süden

Seit knapp sechs Monaten ist der Abholservice Mobile Acceptance in der CargoCity Süd in der Testphase. Zeit für ein erstes Fazit.

„Wir fahren jetzt zu Kühne + Nagel und holen Ware ab, die geht dann direkt nach Peking“, erklärt Creste Bassetti. Er ist ein Mitarbeiter des Unternehmens Cargoworker 24 GmbH, das als Dienstleister die Mobile Acceptance für Lufthansa Cargo abwickelt. Alles muss schnell gehen, denn im Kundenlager wird gleich gemessen, gewogen und geprüft: „Wir haben ein super Verhältnis zu den Kollegen aus dem Kundenlager – alles läuft in enger Abstimmung“, beschreibt Bassetti die Zusammenarbeit mit den Testkunden. Ist die Ladung sicherheitskonform verpackt, geht es über ein Rollenbett aus dem Lager in den Lkw: Das Speed Gate wartet. Die Container, die Richtung Asien gehen sollen, hat Bassetti schon bei den Kollegen der Fraport Security Services gemeldet, es kann also losgehen. Das Speed Gate, ein Schleusentor am Südrand der Landebahn, schleust die Bleche ebenfalls über ein Rollenbett Richtung Vorfeld. Das Tor schließt sich und die Ware kann nun auf die Dollies, die die Fracht an den Flieger bringen, verladen werden.

Keine Umwege

All das klingt einfach und schnell? Ist es auch. Nach einer Fahrt von gut fünf Minuten ist die Ware vom Lager mit dem Cargoworker-Lkw über das Speed Gate auf dem Vorfeld angekommen. Dank der mobilen Annahme kann die Fracht direkt von der CargoCity Süd aus zum Flieger gebracht werden, der schon 40 Minuten später abheben wird, und muss nicht mehr den Weg über das Lufthansa Cargo Center im Norden gehen. So spart der Kunde bis zu sechs Stunden wertvoller Zeit. Ungenauigkeiten im Bau der Paletten können noch im Kundenlager korrigiert werden. Eine Non-Offload-Quote von 99,9 Prozent seit Beginn der Testphase ist Beweis für die Effizienz des neuen Systems. Bis Redaktionsschluss Anfang März wurden so über 3.800 vom Kunden für den Flug fertig palettierte Sendungen mit einem Gesamtgewicht von über 8.400 Tonnen angenommen. Wie kam es zu dieser Idee? „Das Who-Is-Who der Forwarder ist in der CargoCity Süd zu Hause – also wollen wir hier auch sehr präsent sein und den Kunden einen besonderen Service bieten“, erläutert Sabine Hehner, Projektmanagerin bei Standort Frankfurt. In Workshops und in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Kunden wurde daraus die Idee der mobilen Annahme geboren. „Die Testphase hat unsere Erwartungen übertroffen und das Produkt spricht sich in der Branche rum“, freut sich Hehner. Zufriedene Kunden gibt es auch: „Noch nie hat ein Projekt mit Lufthansa Cargo so gut geklappt“, betont Christian R. Rickers, Managing Director bei Kühne + Nagel. Zusammen mit DB Schenker, Nippon Express und UPS zählt der Global Partner zu den Testkunden. Der Spediteur weiß seine Waren nun ab Abholung in einer Zeit von zirka fünf Minuten am Speed Gate.

Kleine Kinderkrankheiten

Nach dem Test ist vor dem Test: Ab Juni soll das Produkt in die Linie übergehen. Bis dahin müssen noch verschiedene Prozesse angepasst werden, allen voran die IT. Derzeit läuft bei Mobile Acceptance noch alles „per Papier“. Im Kundenlager werden die Papiere ausgefüllt und erst im Büro eingegeben. „Das ist mühsam und zeitraubend“, bestätigt Joachim Emmoghlian, der die Cargoworker mit seinen Kollegen vom Lufthansa Cargo Service Center auf Lufthansa Systeme geschult hat. „Alle warten auf iCAP.“ Die internetbasierte Applikation verspricht den Cargoworkern eine Arbeitserleichterung. Ziel ist es, alle relevanten Dokumente und Anmeldungen im Kundenlager digital zu vermerken. Creste Bassetti ist überzeugt: „Wenn es soweit ist, dass ich mit einem Laptop zum Kunden fahren und die Sendung auch digital komplett annehmen kann, dann werden wir noch schneller!“