空輸 – Luftfracht auf Japanisch

Über 37 Millionen Einwohner – der Ballungsraum um Tokio ist der größte der Welt. Grund genug für Lufthansa Cargo, dort gleich zwei Stationen zu betreiben. Für deren Teams hat mit der ANA-Kooperation eine neue Ära begonnen.

Als die MD-11F aus Frankfurt an ihrer Position auf dem Vorfeld zum Stehen kommt, fegt ein eisiger Wind Nieselregen über das Areal. Für einen Abend Ende Februar in Tokio ist das nicht ungewöhnlich – aber unangenehm. Die Mitglieder der Handling-Crew lassen sich davon nicht aus dem Konzept bringen. Routiniert entladen sie den Frachter. Neben Paletten und Containern wird – im Lichtschein gewaltiger Scheinwerfer – auch ein Mittelklasse-Pkw aus dem Main Deck der Maschine gezogen. Weniger als zwei Stunden dauert es, bis die MD-11F geleert und neu beladen ist, etwa mit Notebooks eines großen japanischen Herstellers. Startzeit in Richtung Frankfurt: 21.40 Uhr.

„Die Maschine ist voll beladen gelandet und ist auch auf dem Rückflug ausgebucht“, sagt Tomohiro Oikawa. Er ist als Manager für die beiden Stationen von Lufthansa Cargo in Japans Hauptstadt verantwortlich: Tokio-Narita (NRT) und Tokio-Haneda (HND). Im Vorjahr hat der Frachtkranich über Narita Sendungen im Gesamtgewicht von gut 25.000 Tonnen importiert, hinzu kommen etwas mehr als 1.000 Tonnen in Haneda. „Die Export-Tonnage war ungefähr gleich groß.“

In diesem Jahr dürfte das Arbeitspensum von Oikawa und seinen insgesamt acht Kollegen an den beiden Stationen noch höher ausfallen. Schließlich hat die neue Kooperation mit All Nippon Airways (ANA) Cargo nicht zuletzt für die Cargo Lufthanseaten in Tokio eine neue Ära eingeleitet. „Es ist ein Riesenvorteil für die Kunden, dass Lufthansa Cargo jetzt auch Sendungen in den Passagiermaschinen der ANA verkauft, die in Narita und Haneda starten.“ Haneda liegt nur 15 Kilometer südlich vom Zentrum der japanischen Hauptstadt. Wer sich dort in eine Bahn nach Narita setzt, fährt dagegen bis zu einer Stunde. Gut 65 Kilometer sind es vom Zentrum nach Osten bis zum Narita International Airport. Für viele Passagiere ist dieser Standort nicht ideal, für Logistiker sehr wohl. Hier draußen herrschen nicht die drangvolle Enge und der dichte Verkehr des zentralen Tokio. „Viele große Spediteure, mit denen wir zusammenarbeiten, haben hier ihre Logistik-Einrichtungen“, sagt Oikawa, Lufthanseat seit 1991, Stationsmanager seit 2006. Im Jahr 2013 betrug Naritas Frachtumschlag insgesamt rund zwei Millionen Tonnen – Platz zehn im globalen Ranking der Cargo-Airports.

Lufthansa Cargo fliegt pro Woche sechsmal mit einem MD-11-Frachter von Frankfurt nach Narita. Hinzu kommen Passagierjets mit Belly-Fracht: täglich ein Airbus 340 aus Frankfurt, sechsmal die Woche eine Boeing 777 von Austrian Airlines aus Wien. Über Haneda schlägt der Frachtkranich nur Belly-Fracht um. Täglich landen ein Airbus 340 aus München und eine Boeing 747 aus Frankfurt. Der neue Partner ANA betreibt pro Tag zum Beispiel eine Boeing 787 zwischen Narita und Düsseldorf sowie mehrere Nonstop-Verbindungen ab Haneda, nach Frankfurt und München, aber auch nach London oder Paris, die Lufthansa Cargo durch die Kooperation nun direkt anbieten kann. Ob mit Lufthansa oder ANA: Bei den Importen spielen Autoteile, Pharmaprodukte und Medizintechnik entscheidende Rollen. „Wir transportieren aber etwa auch eine Menge Blumen aus Südamerika oder Afrika“, so Oikawa. In umgekehrter Richtung sind ebenfalls Auto und Pharma wichtige Branchen, hinzu kommen IT und Halbleiter.

„Unsere Teams in Narita und Haneda arbeiten eng zusammen“, erklärt der Station Manager. So werden zum Beispiel immer wieder in Narita Paletten für den Export aufgebaut und per Truck nach Haneda geschickt, weil dort gerade ein günstigerer Start ansteht. „Wir leben hier natürlich das Motto ‚Networking the world‘“, sagt Oikawa und schmunzelt. „Aber das Netzwerken beginnt für uns vor Ort.“