Die Mehrzweckwaffe vom Sicherheitsdienst

Thorsten Gleim ist seit 1992 bei Lufthansa Cargo dabei und längst zur „Mehrzweckwaffe“ der Sicherheitsabteilung geworden.

Es ist kurz vor 6 Uhr. Er hat den Mantel noch an und den PC noch nicht hochgefahren, da hat der Arbeitsalltag ihn schon eingeholt. „Tut mir leid, Du musst erst einmal die Koordination übernehmen“, überfällt ihn Schichtleiter Theodor Kalogiros. Eine Kollegin hatte sich wegen eines Arzttermins entschuldigt. Thorsten Gleim nimmt es mit Humor, setzt sich auf den Stuhl vor der großen Videowand mit den 30 Einzelaufnahmen von diversen Zufahrten sowie Drehkreuzen für Fußgänger und antwortet ganz entspannt: „Okay, heute ist halt Freitag, auch wenn es nicht der 13. ist.“ 

 

Eigentlich ist es ja das, was der 43-Jährige an seinem Job in der Einsatzzentrale der Sicherheitsabteilung von Lufthansa Cargo so liebt: „Kein Tag ist wie der andere, du weißt nie, was auf dich zukommt.“ Sicher ist allerdings, dass der Wecker morgens um 3.30 Uhr klingelt, wenn er Frühdienst hat, dass er dann als Erstes die Kaffeemaschine in Gang setzt, für die Nachrichten den Fernseher einschaltet und mit seinem Rhodesian Ridgeback vor die Tür geht. Morgens geht Gleim alleine mit dem Hund raus, mittags begleiten ihn meist die Söhne Steven (13) und Mike (9). Die dürfen heute morgen ebenso wie die Mama noch schlafen, während der Vater die Haustür leise zuzieht, die erste S-Bahn nach Frankfurt nimmt, um 5.25 Uhr im Flughafenbahnhof aussteigt, hoch zur Bushaltestelle geht, an der Rampe die Stechuhr betätigt und um 5.45 Uhr zum Frühdienst antritt.

 

„Wir sind die interne Sicherheitspolizei von Lufthansa Cargo“, umschreibt Schichtleiter Theodor Kalogiros das Einsatzspektrum des 46 Köpfe starken Security-Teams. Zu den Aufgaben zählen Streifenfahrten auf dem Vorfeld ebenso wie Ausweis- und Führerscheinkontrollen, das Ausstellen von Tagesausweisen, die Aufnahme von Diebstahlanzeigen und Verkehrsunfällen, die Kontrolle der Eingangsportale und Drehkreuze, Geschwindigkeitsüberprüfungen oder auch die Röntgenuntersuchung großer Frachtstücke. Als Thorsten Gleim kurz vor acht Uhr am Koordinatorenplatz abgelöst wird, bittet ihn der Schichtleiter raus auf die Straße. Es wird zunehmend wieder gegen das auf dem ganzen Flughafen geltende Tempolimit von 30 Stundenkilometer verstoßen. Geschwindigkeitssünder werden freundlich, aber bestimmt ermahnt. „Wir können keine Knöllchen verteilen, sondern nur mit dem Zeigefinger drohen“, erläutert Gleim. Aber manchmal ist eine drohende Zugangssperre viel wirkungsvoller als 20 oder 30 Euro Buße.

 

Dann geht es zusammen mit Michael Müller vom Dienstleister IWS zur Ausweis-kontrolle in die große Halle. Gleim und Müller lassen sich die Fahrerlaubnis der Gabelstapler-Fahrer zeigen und werfen im Vorbeigehen einen Blick darauf, ob Fluchtwege frei von Hindernissen sind. Thorsten Gleim begann seine Laufbahn bei der Cargo 1990 als Palettierer und wechselte zwei Jahre später zum Bereich der Tor- und Empfangsdienste. Mit dem Umbau des LCC in Frankfurt zum Security Hub wurde er von der neu gegründeten Sicherheitsabteilung übernommen. Er absolvierte zahlreiche interne sowie externe Lehrgänge und ist als ausgebildete Sicherheits-fachkraft und Luftsicherheitskontrollkraft heute eine der wenigen „Mehrzweckwaffen“ der Sicherheitsabteilung.

 

Als gegen 13 Uhr ein Schwung „unsichere Fracht“ angeliefert wird und sich bei den Groß-Röntgengeräten ein Personalengpass abzeichnet, muss Schichtleiter Kalogiros den Kollegen nicht lange bitten. Für eine Stunde nimmt Gleim an den Röntgengeräten Platz und urteilt anhand der farbigen Bilder, was als „sicher“ passieren kann oder als „unklarer Gegenstand“ einer Nachkontrolle unterzogen wird. „Bei der Sicherheit“, betont Dietmar Gemmer, Leiter der operativen Sicherheit im LCC, „machen wir auch in der Zukunft keine Kompromisse. Zumal auch 2014 neue Herausforderungen auf das Team der operativen Sicherheit warten; sowohl der Interimsbetrieb inklusive Baustellenverkehre als auch weitere verschärfte Sicherheitsrichtlinien von EU und USA werden uns zusätzlich fordern. Nur mit einem gut ausgebildeten Sicherheitsteam werden wir diese Aufgaben meistern können.“

Als Gemmer dies sagt, hat Thorsten Gleim längst Feierabend und sitzt in der S-Bahn Richtung Rodgau. Die Familie wartet und der Rhodesian Ridgeback ist schon ganz unruhig. Spät wird es an diesem Abend nicht. Am nächsten Tag hat der Familienvater wieder Frühdienst. Um 3.30 Uhr klingelt der Wecker.