Richtung Zukunft

„Ich will Detektiv werden! Ich will herausfinden, warum die Dinge passieren, die hier so passieren …“ Das wusste Julius Njogu „schon immer“. Dann das Attentat islamischer Extremisten auf das Westgate-Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi am 21. September 2013. Die Arbeit der Forensiker fasziniert Julius, der öffentliche Fall wird zu seinem ganz privaten. Sein Berufswunsch konkretisiert sich. Im Mai 2014 hat der 19-Jährige sein Studium an der University of Nairobi (UON) begonnen: Kriminologie mit dem Schwerpunkt Forensik.

Julius ist einer von 18 Schülern des ersten Schuljahrgangs im Mothers’ Mercy Home (MMH) von Cargo Human Care (CHC) in Kenia. Seit 2010 können die Waisenkinder dort dank der Hilfsorganisation erstmals auch eine höhere Schulausbildung durchlaufen. Ende letzten Jahres haben die jungen Erwachsenen die Schule beendet und verlassen nun das Heim – Richtung Zukunft. Loise will Köchin werden, sie hat schon im MMH gerne in der Küche geholfen und dem Koch in die Töpfe geschaut. Paul, der Bastler, macht eine Ausbildung zum Elektriker. Grace sieht ihre Zukunft als Beauty- und Hair-Designerin, John möchte Videos produzieren und Faith will „die beste Finanzmanagerin der Welt werden“.

Gut beraten mit der „Exit-Strategie“

Damit der Sprung in ein eigenständiges Erwachsenenleben nicht ins kalte Wasser führt, unterstützt Cargo Human Care mit der sogenannten „Exit-Strategie“ ihre Schützlinge. „Dabei stehen die Punkte Berufsberatung, Anleitung zur Selbstreflektion und Förderung der Eigeninitiative im Vordergrund. Aber auch die Anbindung an die eigene Ursprungsfamilie sowie die Orientierung in der kenianischen Gesellschaft spielen eine wichtige Rolle“, erklärt Werner Hildebrand, Teamleiter Recruiting Lufthansa Passage. In mehreren Projekteinsätzen hat Hildebrand das MMH-Team bei der Entwicklung der „Exit-Strategie“ beraten und bei deren Einführung unterstützt. „Für Cargo Human Care ist die Nachhaltigkeit unserer Projekte ganz besonders wichtig. Den Waisenkindern des Mothers’ Mercy Home wollen wir eine gute Grundlage für ihre berufliche Zukunft mit auf den Weg geben. Dabei steht die Bildung an allererster Stelle“, betont Gründungs- und Vorstandsmitglied Fokko Doyen, Kapitän und MD-11F-Flottenchef bei Lufthansa Cargo.

Doch nicht alle Schulabgänger haben ihre Zukunft so akribisch und vor allem realistisch geplant wie Julius Njogu, der mit guten Schulnoten und einem dreimonatigen Praktikum beste Voraussetzungen für die Berufswelt mitbringt. „Etliche Schulabgänger tun sich sehr schwer mit der Berufswahl“, berichtet Werner Hildebrand. „Auf der einen Seite würden sie am liebsten als Accountants im schicken Anzug ins Büro gehen, als TV-Moderatoren bahnbrechende Nachrichten verkünden oder als Juristen für mehr Gerechtigkeit kämpfen. Doch die konkreten Anforderungen und Kompetenzen für diese Berufe entsprechen häufig nicht dem eigenen Profil. Aber diese Erkenntnis muss erst einmal wachsen. Und dann ist Plan B gefragt.“

Plan B führt auch zum Ziel 

Dann läuft es wie bei Nancy Kefa, die Jura studieren möchte, aber deren Schulnoten dafür nicht ausreichen. Ihr Plan B: Nancy macht eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin, um „verschiedene Gemeinschaften zusammenzubringen und unser Land weiterzuentwickeln“. Das Fernziel Jura verliert sie dabei nicht aus den Augen: „Ich werde mein Bestes geben, um meine Ziele zu erreichen. Ich möchte einen Beruf haben, in dem ich mich selbst verwirklichen kann, der respektiert und anerkannt wird. Dass sie mir diese Möglichkeit geben, dafür bin ich Cargo Human Care sehr dankbar!“

Ausbildung und Lebensunterhalt der jungen Auszubildenden finanziert Cargo Human Care mit Voll- und Teilpatenschaften. Der Einstieg ins Berufsleben kann schnell bis zu 200 Euro im Monat kosten. Während der Schulausbildung reichen meist um die 30 Euro pro Kind. „Es ist Wahnsinn, wie viele positive Rückmeldungen wir hier bekommen“, freut sich Werner Hildebrand über die große Spendenbereitschaft, die es Cargo Human Care erst möglich macht, alle Schulabgänger auf ihrem Weg in die Eigenständigkeit zu unterstützen. Egal ob sie zielstrebig auf der Überholspur unterwegs sind oder über Umwege ihren Berufswunsch erreichen.