Ein drittes Triebwerk für die Triple Seven

325, 474, 8283 – das sind die Modelmaße des derzeit größten und leistungsstärksten Triebwerks der Luftfahrtgeschichte. Das sogenannte GE90 hat einen Fandurchmesser von 325 cm, ist 474 cm lang und wiegt 8.283 Kilogramm. Zwei von diesen Stahlriesen tragen Lufthansa Cargo‘s Triple Seven auf jedem Flug bis zu 9.045 Kilometer durch die Luft. Erstmals hob die „Good Day, USA“ jetzt mit drei Triebwerken ab und eiferte damit ihrer „großen“ Schwester MD-11F nach.

Bei dem dritten Triebwerk handelt es sich um ein Ersatztriebwerk für die Boeing 777F-Flotte. Von New York nach Frankfurt ging es für das GE90 allerdings nicht Huckepack, sondern in drei Einzelteile zerlegt und gut verpackt im Frachtraum. Ein Team der Lufthansa Technik Logistik Services (LTLS) hatte den aufwändigen Transport organisiert. Die Logistiker führen jährlich 1.000 solcher Triebwerktransporte durch und sind entsprechend Profis auf diesem Gebiet. Unterstützt wurden sie von ihrem Tochterunternehmen Lufthansa Technik Logistik of America. Bei einem geschätzten Wert des sensiblen Frachtstücks von über 30 Millionen Dollar überließen die Fachmänner nichts dem Zufall. Vier Wochen dauerte die Planungsphase, dann konnte das Triebwerk auf seine erste große Reise gehen:

Diese beginnt in Peebles, Ohio, wo der Konzernriese General Electric die von ihm gebauten Triebwerke letzten Tests unterzieht. Knapp drei Stunden dauert im Anschluss die Beladung des 777F-Triebwerks auf zwei Lkw. Dann sind die Schwertransporter bereit für die Abfahrt. Mehr als 1.000 Kilometer trennen sie vom nächsten Etappenziel: dem JFK Airport in New York. Am Ende werden sie drei Tage unterwegs gewesen sein. „Geschuldet ist die lange Fahrtzeit vor allem den gesetzlichen Regelungen in den einzelnen zu passierenden Bundesstaaten“, erklärt Michael Stawe von LTLS. „Aufgrund der Überbreite der Transporter darf nur gefahren werden, solange es hell ist.“ Am frühen Nachmittag des zweiten Tags erreichen die Lkw mit der wertvollen Fracht die George Washington Bridge in New Jersey. Hier heißt es warten bis Mitternacht. Denn während ansonsten Tageslicht vorgeschrieben ist, ist die Überquerung der Brücke erst ab 24 Uhr erlaubt, um den regulären Verkehr nicht zu behindern.

Weitere 16 Stunden später erreicht das Triebwerk schließlich den Flughafen, wo die beiden Lkw entladen werden und am darauffolgenden Morgen der wohl spannendste Transportabschnitt beginnt: Die Frachtstücke werden für den Lufttransport vorbereitet: Palettieren, verzurren, sichern – alles muss sitzen. Allein der Fan, das voluminöseste der drei Teile, ist knapp 3,5 Meter breit. Angesichts dieser Dimensionen ist bei der Verladung in den Frachtraum der „Good Day, USA“ Zentimeterarbeit gefragt. „Viel Luft bleibt da nicht“, macht Stawe deutlich, „die Breite und Höhe der Frachttür wird voll ausgenutzt“. Auch bei der Verladung des Propulsors gibt es viel zu beachten. Mit einem Gesamtgewicht von über 10 Tonnen ist seine Platzierung im Frachtraum nicht zufällig gewählt, wie Stawe erläutert: „Derart schwere Frachtstücke werden im Flugzeug dort positioniert, wo die größte Stabilität gewährleistet ist und das ist zwischen den Tragflächen, hier spricht man von einem sogenannten ‚center load‘“. Nachdem auch das letzte der fünf Teile verladen ist, ist der Frachtraum zur Hälfte ausgefüllt und die Triple Seven um 19 Tonnen schwerer.

Um 3.49 Uhr Uhr wird die Frachttür geschlossen die „Good Day, USA“ ist „ready for take off“. Nächstes Ziel: Frankfurt Flughafen. Nach knapp drei Stunden Entladungszeit wird das Triebwerk schließlich für die Einlagerung zur Lufthansa Technik transportiert. Hier ist seine Reise vorerst zu Ende – wann die nächste bevorsteht, ist ungewiss. Aber es ist allzeit einsatzbereit, sollte ein 777F-Triebwerk ausfallen und dringend Ersatz benötigt werden.