Wo Obst und Gemüse um die Wette laufen

3.300 Tonnen Fracht werden monatlich in Johannesburg abgefertigt – wenn die Ernte reif ist

Nicht erst seit der Fußballweltmeisterschaft 2010 gilt Südafrika als Wachstumsland. Obwohl Pretoria die Hauptstadt Südafrikas ist, wird Johannesburg als wirtschaftliches Herz des Landes bezeichnet. In diesem Großraum werden 34 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. „Johannesburg ist ein starker Importmarkt für Industriegüter und pharmazeutische Produkte“, erklärt Rüdiger Munzert, General Manager Südafrika, Angola und Senegal. Tatsächlich teilt sich der Markt in zwei Drittel Importe und ein Drittel Exporte auf. „Unser Frachter kommt fünfmal die Woche aus Frankfurt über Nairobi nach Johannesburg. Die Nachfrage für Fracht nach Johannesburg ist so groß, dass aus Frankfurt nach Nairobi im Regelfall keine Kapazitäten angeboten werden.“

Eine andere Verteilung zeigt sich auf dem Rückweg. Bis zu 20 Tonnen werden aus JNB transportiert, rund 65 Tonnen werden in NBO beladen. Allerdings gibt es starke saisonale Schwankungen: Zwischen Mitte November und Mitte Dezember ist die sogenannte „Silly Season“. Zwischen Südafrika und Südamerika beginnt dann der Wettlauf, wer Obst und Gemüse als Erstes in die Supermärkte der Nordhalbkugel bekommt. Insbesondere Litschis und Trauben werden zu dieser Zeit aus Südafrika exportiert. „Bei diesen Produkten ist Fingerspitzengefühl unserer Verkaufsmanager gefragt“, betont Munzert. „Die Ernte ist stark vom Wetter abhängig. Da kann es auch mal sein, dass ein ganzer Frachter reserviert wird, die Früchte aber noch nicht reif sind und die gesamte Buchung um eine Woche verschoben werden muss. Flexibilität ist daher bei uns sehr wichtig.“

Ein weiterer wichtiger ganzjährig relevanter Exportmarkt ist die Automobilindustrie. In Südafrika werden etwa der 3er-BMW sowie die Mercedes C-Klasse gefertigt und von hier in alle Welt exportiert. Viele Zulieferer senden Teile wie Ledersitzbezüge und Katalysatoren auch an die Montagebänder in Deutschland. Die Station hat aber einen ganz eigenen Exportschlager: Platinnitrat. „Es gibt hierzulande nur wenige Anbieter, die dieses wertvolle, aber auch gefährliche Gut entsprechend transportieren können“, erklärt Munzert. Hierfür wurde in Absprache mit Frankfurt ein eigener Prozess entwickelt, der das Handling von Gefahrgütern und Wertfracht verbindet. „So haben wir uns zu Experten für den Transport dieser Güter entwickelt“, lobt Munzert sein Team.
Und das gewonnene Know-how zahlt sich aus.

„Der Transportpreis ist entsprechend hoch. Die regelmäßigen 755-Kilogramm-Container sind ein lukratives Geschäft, da Südafrika zu den stärksten Platinproduzenten der Welt zählt“, sagt Munzert.
 
Ein Blick in die Frachthalle unterstreicht die Expertenstellung von Lufthansa Cargo. Es ist eine der modernsten und sichersten Hallen vor Ort. „Wir nennen es gerne ‚Lufthansa Cargo Center kompakt‘“, erklärt Sebastian Schmitt, Commercial Assistant. Und tatsächlich ist hier auf 5.040 Quadratmetern für jede Art von Fracht ein passender Lagerplatz zu finden. So gestaltet sich auch die Zusammenarbeit. „Wir sind alle ein Team. Da werden auch mal Grenzen überschritten und über den eigenen Bereich hinaus Aufgaben erledigt“, weiß Schmitt. Eine hohe Servicebereitschaft, Spaß bei der Arbeit und die gute Qualität zeichnen die Station mit 70 Mitarbeitern in Johannesburg aus. „Doch wir dürfen nicht vergessen, hinter die Kulissen zu blicken. Das berufliche Bildungsniveau im Land ist im Vergleich zu Deutschland gering und auch die Gehälter sind niedrig“, betont Rüdiger Munzert. „Da ist es nicht immer einfach, deutsche Standards umzusetzen.“ Doch das Team setzt sich mit diesen Themen erfolgreich auseinander, so zum Beispiel im Lean-Projekt „Tswelopele JNB“. Dabei wurden unter anderem drei Videos zum Fortschritt der Lean Logistics in JNB gedreht. „Die Videos über den Weg zu einer strukturierten und sauberen Frachthalle haben uns bei Lufthansa Cargo noch ein Stück bekannter gemacht“, erklärt Munzert stolz. „Eines wurde sogar bei der Global Handling Conference gezeigt. Lean hat unserer Station wirklich viel gebracht und unsere Abfertigung nachhaltig verbessert.“

Doch warum sind die Dachfenster der Frachthalle alle schwarz angemalt? „Das ist einem anderen Business zu verdanken. In Südafrika testen die Automobilhersteller jedes Jahr aufs Neue ihre ‚Erlkönige‘, also verkleidete neue Modelle, die der spätere Kunde und vor allem neugierige Pressefotografen noch nicht zu Gesicht bekommen sollen. Zurück nach Deutschland fliegen diese dann regelmäßig mit Lufthansa Cargo. Und damit die Journalisten hiervon keine Fotos machen können, musste die komplette Halle ‚blickdicht‘ gemacht werden“, sagt Munzert. „Wenn wir etwas machen, dann richtig.“