Das doppelte Flottchen

Nach 15 Jahren Einzelkind-Dasein der MD-11-Flotte fliegt Lufthansa Cargo nun in einem Zweiflottenbetrieb.

 

Fokko Doyen und Dirk Vogel teilen vieles: ihre Liebe zur Fliegerei, die Freude an der Arbeit im Flugbetrieb von Lufthansa Cargo und seit Kurzem auch noch Position und Büro. Sieben Jahre ist Doyen bereits Flottenchef bei Lufthansa Cargo, ein Titel, den es bislang nur ein einziges Mal gab. Nun trägt ihn auch Vogel.

Auch wenn die B777F-Flotte derzeit nur zwei und bis 2015 fünf Flugzeuge umfasst, werden die Piloten, die dieses Muster fliegen, einen eigenen Flottenchef haben: Kapitän Dirk Vogel. „Es war keine Option, dies in einer Hand zu lassen“, erläutert Doyen, der für die rund 400 MD-11F-Piloten verantwortlich ist. „Die ‚Triple Seven‘ unterscheidet sich technisch und fliegerisch doch so stark von der MD-11F, dass diese Position unbedingt jemand ausfüllen muss, der diesen Flugzeugtyp auch selbst fliegt.“ Als langjähriger Trainingspilot war Vogel für diese Arbeit – speziell auch vor dem Hintergrund, dass eine komplett neue Flotte aufgebaut werden muss – der perfekte Kandidat.

Beide Flottenchefs sind für die disziplinarische Führung der Piloten verantwortlich. „Das klingt zunächst so, als müsste man in dieser Position stets den Buhmann geben, so ist es aber zum Glück selten“, verdeutlicht Doyen. In erster Linie ist man Ansprechpartner für die Sorgen, Nöte oder Freuden der Piloten. Empathie ist daher ein wichtiger Charakterzug. „Ob Probleme in der Familie, Krankheit oder ein Zwischenfall unterwegs – wir müssen stets ein offenes Ohr haben und lösungsorientiert reagieren. Keiner hat etwas davon, wenn ein angeschlagener Pilot starten würde“, bemerkt Vogel. Daher sieht er es auch als unabdingbar, dass ein Flottenchef selbst Flieger ist. In die spezifischen Bedürfnisse könne sich ein Außenstehender nur schwer hineinversetzen, so Vogel.

Sprechen Vogel und Doyen über ihre Arbeit, erkennt selbst jemand ohne Pilotenschein schnell: Es herrscht großes Vertrauen. Ein Vertrauen, das nicht über Nacht entstanden sein kann: „Ich weiß genau, wie ich Dirk kennenlernte“ lacht Doyen. „Ich habe ein Seminar vor neuen MD-11F-Piloten gehalten. Plötzlich unterbrach mich einer der Kapitänsanwärter und sagte, dass meine Angabe so aber nicht ganz richtig sei. Das war Dirk – und ich muss zugeben: Er hatte Recht!“ Sowohl dienstlich als auch menschlich hatte sich der gebürtige Niedersachse von Anfang an den Respekt des älteren Kollegen erarbeitet und bis heute nicht verloren. Beide sind sich sicher, von der engen Zusammenarbeit nur profitieren zu können. Denn obwohl ihnen ein Stellvertreter und weitere Kollegen aus dem Flugbetrieb zur Seite stehen, ist es doch etwas anderes, sich mit jemandem auszutauschen, der in einer vergleichbaren Situation ist. „Ich freue mich darauf, mancher schwierigen Fragestellung nicht mehr allein begegnen zu müssen und künftig gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten“, unterstreicht Doyen.

Kapitän Vogel und Kapitän Doyen: beide Flottenchef – gleicher Titel, gleiches Büro – unterschiedlicher konnte die Arbeit dennoch lange nicht sein. „Zunächst einmal war ich nahezu ein Jahr lang Flottenchef ohne Flotte, das fühlte sich schon komisch an“, schmunzelt Vogel. Dass er aber deswegen nichts zu tun hatte, ist ein Trugschluss. Kollege Doyen weiß genau: „Eine Einführung ist unfassbar viel Arbeit: Training der Crews, Erstellen der Handbücher, Koordination mit Trainingspartnern. Eine ebenso anspruchsvolle wie spannende Aufgabe.“ Durch den nun gestarteten Regelbetrieb der ersten beiden B777F erleben beide die positiven Aspekte, die mit der Verdoppelung der Position des Flottenchefs einhergehen: „Wir stellen fest, dass viele Synergien herrschen, die wir nutzen können – ich muss das Rad ja nicht neu erfinden“, begründet Vogel. Viele Erfahrungen, die Doyen bereits gemacht hat, kommen dem 46-Jährigen zugute. Informationen über Besonderheiten an Zielorten, Strecken oder Flughäfen gelten für beide Flotten.

In der gemeinsamen Unterbringung in einem Raum – die eigentlich nur der begrenzten Raumsituation im Gebäude 420 geschuldet war – sehen beide einen Gewinn. Denn ein gemeinsames Büro ist für Piloten ja ohnehin täglich Brot: „Unsere Cockpits werden schließlich auch immer mindestens von einer Zwei-Mann-Crew besetzt“, schmunzelt Vogel.