Auf der Jagd nach dem besten Motiv

In seiner Freizeit wird Cargo-Pilot Felix Gottwald zum leidenschaftlichen Luftfahrtfotografen

 

Sie lauern auf Hügeln, Brücken und sogar Hausdächern rund um den Flughafen. Oftmals harren sie dort Stunden aus – zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter. Ausgerüstet mit Smartphone oder Tablet, viel Geduld und natürlich einer guten Spiegelreflexkamera samt Teleobjektiv. Gemeint sind Plane Spotter auf der Jagd nach dem besten Flugzeug-Motiv. Felix Gottwald ist einer von ihnen. Der 27-jährige Cargo Lufthanseat hat jedoch einen Vorteil, um den ihn sicher so mancher Spotter-Kollege beneidet.

Samstag, 9. November 2013, 8.38 Uhr: In einer Stunde soll die erste Boeing 777F von Lufthansa Cargo aus Seattle kommend ihren Heimatflughafen Frankfurt erreichen. Das Ereignis lockt neben Hunderten Beobachtern auch zahlreiche Plane Spotter an, die an den Zäunen der Autobahn A5 um die beste Perspektive kämpfen. Mit von der Partie ist auch Felix Gottwald, der für das Ereignis extra aus Dresden angereist ist. Gottwald fliegt normalerweise als MD-11F-Pilot bei Lufthansa Cargo. In seiner Freizeit wird er regemäßig zum leidenschaftlichen Luftfahrtfotografen.

Um die erste „Triple Seven“ von Lufthansa Cargo von der perfekten Perspektive aus abzulichten, hat sich Gottwald einen der besten Plätze auf einem Spotterhügel gesichert. Seit zwei Stunden liegt er dort auf der Lauer und fiebert gut gelaunt dem Anflug der neuen Cargo-Maschine entgegen. Immer wieder schaut er dabei auf sein Smartphone. Dank einer speziellen App weiß er stets genau, wo sich das begehrte Fotomotiv gerade befindet. „Momentan fliegt die ‚Triple Seven‘ an Brüssel vorbei“, erzählt er. Doch wie funktioniert das eigentlich? „Die meisten modernen Verkehrsflugzeuge haben einen speziellen Transponder an Bord, der ständig die aktuellen Positionsdaten zur Flugsicherung funkt“, erklärt er. „Die Positionsdaten werden jedoch auch von speziellen Empfängern am Boden aufgefangen und in das Netzwerk von Tracking-Anbietern wie flightradar24 übertragen, wo das Flugzeug dann auf einer Karte abgebildet wird“, fügt er hinzu. So lassen sich ganze Flüge in Echtzeit verfolgen. Diese Technik sei ein Traum für jeden Spotter. „Früher hatten wir oft nur einen gedruckten Flugplan dabei. Da haben wir manchmal ewig auf die Maschine gewartet, um dann festzustellen, dass sie auf einer anderen Bahn landet als ursprünglich geplant. Da war die ganze Warterei für die Katz.“ Wie bei vielen Luftfahrt-Fotografen sind die Wurzeln seiner Leidenschaft zur Fotografie bereits in der Kindheit zu finden. „Im Alter von zwölf Jahren bekam ich meine erste Spiegelreflex geschenkt“, erzählt er. Anfangs habe er damit nur Urlaubsbilder gemacht, sei aber dann immer öfter hinaus zum Flughafen Dresden gefahren, um Flugzeuge zu fotografieren.

„Damals wusste ich, dass Luftfahrt meine Leidenschaft ist und ich Pilot werden wollte.“ Inzwischen ist der Kindheitstraum Realität. Seit fünf Jahren hat er den Pilotenschein in der Tasche und fliegt seit 2011 für Lufthansa Cargo Fracht um die Welt. Hobby und Beruf ergänzen sich geradezu ideal und bieten Gottwald die Chance, aus Perspektiven zu fotografieren, von denen andere Spotter nur träumen können. „Natürlich fotografiere ich nicht, wenn ich selbst fliege“, erzählt er. „Bei längeren Flügen bin ich jedoch öfter ‚dead-head‘ an Bord und kann so direkt vom Cockpit aus Aufnahmen machen.“ Inzwischen erfreuen Gottwalds Bilder eine immer größer werdende Fangemeinde im Internet. Auf seiner eigenen Facebookseite Veröffentlicht er regelmäßig seine besten Aufnahmen. Auf der Facebook- Präsenz von Lufthansa Cargo hat er ebenfalls seinen festen Platz gefunden: In der Rubrik „Pilot’s Perspective“ zeigt Lufthansa Cargo jeden Freitag einen authentischen Schnappschuss von Gottwald aus dem Cockpit.

Oftmals stecken hinter Gottwalds Bildern abenteuerliche Geschichten. „Einmal bin ich mit russischen Spotter-Kollegen am sibirischen Flughafen Krasnojarsk bei minus 35 Grad mit dem Wagen im meterhohen Schnee stecken geblieben“, erzählt er. Erst nach fünf Stunden habe man sich mit vereinten Kräften wieder befreien können. „Wir waren zwar alle halb erfroren, aber was tut man nicht alles für richtig gute Bilder“, schmunzelt er. Dieses und viele andere Erlebnisse zeigen auch, wie stark die Spotter-Gemeinschaft zusammenhält, findet Gottwald und richtet seine Kamera auf das wohl begehrteste Fotomotiv an diesem Tag: Auf das neue Flaggschiff von Lufthansa Cargo, das in diesem Moment am Horizont auftaucht.