Professionelle Schnüffler

Lufthansa Cargo darf seit einigen Wochen Hunde für die Kontrolle von Luftfracht einsetzen. Wir haben Schäferhund Tommy im Einsatz begleitet

Hunde im Lufthansa Cargo Center? Müssten sie nicht eher in der Animal Lounge ein paar Meter weiter sein? Der Deutsche Schäferhund Tommy ist im LCC und läuft aufgeregt um einige Kisten versandfertiger Luftfracht. Plötzlich legt er sich hin. Sprengstoffalarm! Zum Glück handelt es sich nur um eine Übung. Peter Russ, Aufgaben- und Ausbildungsleiter der Hundestaffel des Flughafenbetreibers Fraport, stellt klar: „Es steckt mehr dahinter, als dass der Hund sich einfach denkt: ‚Hier heb ich mal die Pfote!‘“

Dass Hunde überhaupt bei Lufthansa Cargo Fracht auf Sprengstoff kontrollieren dürfen, hat eine lange Vorgeschichte. Erst seit dem 28. April 2013 dürfen die „Dynamitdackel“, wie die Hunde in der Branche schon scherzhaft genannt wurden, für Sicherheitsüberprüfungen eingesetzt werden. Bisher läuft die Zusammenarbeit hervorragend: „Wir sind mit dem Einsatz sehr zufrieden“, bestätigt Burkhardt Berndt, Senior Manager Aviation Security bei Lufthansa Cargo. „Die Fraport als Partner war die richtige Wahl: Einerseits, weil wir auf eine lange und bewährte Zusammenarbeit zurückblicken können – aber auch, weil die Fraport-Kollegen bereit waren, das lange Zulassungsverfahren schnell umzusetzen.“ Russ fügt hinzu: „Bei dieser Arbeit steht Sicherheit im Vordergrund. Wir haben mit Lufthansa Cargo einen Partner gefunden, der das genauso sieht: Nicht allein die Durchlaufmenge zählt, sondern vor allem die
sichere Fracht.“

Hund Tommy sieht das ganz anders. Für ihn ist das Ganze ein Spiel, das er mit Leidenschaft bestreitet. Angefangen hat das Training mit Tests in der Halle: Kommen die Hunde überhaupt mit Lärm und Ablenkung im LCC zurecht? Nachdem die Antwort „Ja“ lautete, wurde und wird an Dummy-Fracht trainiert: Hundeführer Larry Hansen versteckt etwas hinter seinem Rücken und Tommy schnuppert danach. Bei den bereitstehenden Übungskisten macht er sich dann auf die Suche nach dem gleichen Geruchsstoff. Und tatsächlich: Er legt sich exakt an jener Stelle hin, an der vorher Sprengstoff deponiert wurde: Ein klarer Erfolg – und Tommy freut sich über das Spielzeug zur Belohnung. Für Peter Russ und Larry Hansen hingegen ist klar: Der Hund als Sicherheitskontrolle funktioniert für die Luftfracht. Burkhardt Berndt spürt bereits die Entlastung: „Die Fracht, die wir händisch öffnen müssen, ist deutlich reduziert. Das ist gut, denn manuell öffnen, bedeutet häufig zeitliche Verzögerungen. Mit dem Hund ist ein Kontrollvorgang zumeist schneller erledigt.“

Selbst im Flugzeug wird trainiert. Larry Hansen erklärt: „In einem Frachter zu trainieren ist nahezu unmöglich, da die Maschinen reinkommen, ent- und beladen werden und dann sofort wieder rausgehen. Die Kollegen von Lufthansa Cargo haben uns benachrichtigt, wenn doch ein bisschen Zeit war, sodass wir diese wertvollen 30 Minuten dann ausnutzen konnten. Es ist unglaublich wichtig, solche Möglichkeiten zu haben.“

Neben dem Training mussten Lufthansa Cargo und Fraport bis zur endgültigen Prüfungsabnahme des Luftfahrt-Bundesamts (LBA) allerdings auch viele bürokratische Hürden überwinden: „Das eine war, die Hundeteams als solche vom LBA zuzulassen. Zudem brauchen wir als Airline die Genehmigung, Hunde einzusetzen“, erklärt Berndt und fügt hinzu: „Wir sind im Moment in Deutschland die Einzigen, die Hunde zur Frachtkontrolle benutzen dürfen.“

Ein Fehler darf allerdings nicht gemacht werden: Der Hund sei „nicht der Heilige Gral“, wie Russ zu verstehen gibt. „Er ist ein weiteres Kontrollmittel. Wir haben Röntgengeräte. Wir haben die manuelle und die visuelle Kontrolle. Wir haben technische Sprengstoffspurendetektoren. Wir haben den Hund und vieles andere mehr. So individuell, wie die Fracht ist, genauso individuell muss man die Kontrolle anpassen. Oft werden mehrere Kontrollmittel hintereinander geschaltet.“ Aber eine Sache ist nicht zu übersehen: Das Dreamteam Tommy und Hansen sorgt engagiert dafür, dass unsere Fracht stets sicher verladen wird!