Verderben verboten!

Seit diesem Jahr kümmert sich das neue Competence-Team Fresh/td um den Transport von Obst, Gemüse, Blumen, Fisch und Fleisch; Perishable-Koordinatoren überwachen, dass die Einfuhr-Richtlinien der EU eingehalten werden.

Sutihwan Khamthong kommt zu Fuß. Der Lufthansa-Frachter aus Nairobi parkt vor der Haustür – keine 100 Meter vom Arbeitsplatz der Handling-Koordinatorin entfernt. Dass die MD-11 direkt am Perishable Center andockt, hat Khamthong bereits am Tag zuvor mit den Kollegen des Flughafenbetreibers Fraport ausgemacht. Je näher die MD-11 an den Kühlhäusern für verderbliche Güter steht, desto kürzer sind die Wege für Obst, Gemüse oder Blumen.

LH 8297 hat an diesem Mittwochmorgen 80 Tonnen Fracht geladen. Fast ausschließlich Gemüse, Obst und vor allem Blumen. Der kleinere Teil aus Südafrika, das meiste aus Kenia. Was genau an Bord ist, weiß Khamthong seit ein paar Stunden. Als sie um 6 Uhr morgens zum Dienst kommt und den PC hochfährt, ist die E-Mail von den Kollegen aus Nairobi mit den entsprechenden Angaben längst eingetroffen.    

Diese Tracking-Listen gab es früher nicht. Dabei sind die Informationen wichtig: Welche Perishables sind an Bord und auf welchen Paletten? Sind sie für Frankfurt bestimmt oder handelt es sich um Transit-Fracht? Erfolgt der Weitertransport per Flugzeug oder Lkw? Welcher Temperatur-Korridor muss für die Obst- und Gemüsesorten eingehalten werden? „Die Listen“, sagt Oliver Blum, Leiter des Competence-Team Fresh/td „sind für uns sehr wichtig.“ Sie sind so neu wie die ganze Mannschaft. Im Februar wurde das Competence-Team gegründet, seit Juni ist die Abteilung um den gelernten Gärtner und studierten Betriebswirt Blum komplett.

Seitdem kümmern sich zehn Männer und Frauen bei Lufthansa Cargo ausschließlich um verderbliche Güter. Jahrelang wurden die Perishable-Sendungen von Cool/td mit organisiert und gingen zwischen den vielen Kühlcontainern zuletzt etwas unter. Als die ersten Paletten mit Rosen aus Kenia aus dem Flugzeug geladen werden, greift Suthiwan Khamthong zur Laser-Pistole. Das Gerät ist ein High-Tech-Thermometer, mit dem sie die Temperatur in den Kartons voller Rosen misst und in eine Liste einträgt.  
Die Werte schwanken zwischen 5 und 8 Grad: alles okay. Ein gelber Aufkleber auf der Verpackung mit der Aufschrift „Keep Temperature not above 2-8° C“ weist auf den sensiblen Inhalt hin.

Keine zehn Minuten später werden zehntausende Rosen auf vier Wägelchen von einem Schlepper zum Perishable Center gezogen und dort im Kühlfach zwischengelagert. Der Schlepper-Fahrer hat zudem wichtige Dokumente, auf die Robert Kunze vom Team der Persishable Koordinatoren bereits wartet.

Die acht „Per Koo´s“ wachen darüber, dass Blumen aus Ecuador und Kenia, Gemüse aus Peru und Südafrika, Fische aus dem Senegal, Bruteier aus den USA oder Bullensamen aus Kanada nach den strengen Vorschriften der Europäischen Union von Veterinärmedizinern oder den Pflanzen-Kontrolleuren des Regierungspräsidiums untersucht werden. Ziel der Kontrollen ist es, das Einschleppen von Ungeziefer, Pilzen und Krankheitserregern zu verhindern.

„Wir sind ein Team, das verhindert, dass etwas unkontrolliert in die EU eingeführt wird“, sagt Teamleiterin Verena Ernst. Das gilt für den Tomaten-Samen aus Israel genauso wie für die Auberginen aus Kenia oder den Hummer von der amerikanischen Ostküste. Die Liste der „Verbote und Beschränkungen“ ist lang. Die „Per Koo´s“  kennen sie längst auswendig. Doch hin und wieder muss auch der Fachmann grübeln, ob die Fracht zu beanstanden ist.

Als eine Sendung Damen-Hüte aus Florida in Frankfurt ausgeladen wurde und aus den Frachtpapieren hervorging, dass die Edel-Kopfbedeckungen mit Krokodilleder verziert waren, informierte Robert Kunze vorsichtshalber den Zoll. Ein Verstoß gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen hätte vorliegen können.

Dessen Experten gaben nach Prüfung der Dokumente Entwarnung. Das Leder stammte von Tieren einer Zuchtfarm, die Einfuhr war legal und nicht zu beanstanden.