Eine kleine Familie im Garten Eden

Mit Rosen erfolgreich: Ein Besuch in Kenia

Der Anflug auf Nairobi ist atemberaubend. Nach mehreren Stunden Flug über die karge, trostlose Wüstenlandschaft Lybiens und des Sudans wird das Land unter einem plötzlich wieder grün und fruchtbar – die ganze Weite Kenias erstreckt sich Tausende Meter unterhalb des Cockpits. Und am Horizont ragt der schneebedeckte
Gipfel des Kilimandscharo aus den Wolken.

Kenia gilt als der Garten Eden Afrikas. In Fülle gedeihen dort Obst, Gemüse, Tee, Kaffee und Blumen – insbesondere Rosen. Innerhalb weniger Jahre hat sich das Land zum weltgrößten Blumenexporteur aufgeschwungen. So stammen allein in Deutschland zwei Drittel aller verkauften Rosen aus Kenia. Dank der hervorragenden klimatischen Bedingungen können das ganze Jahr über ertragreiche Ernten eingefahren werden. Diese langfristig stabile Produktion verderblicher Güter hat sich auch für die Luftfrachtbranche als lukrativ erwiesen. Denn um die Fracht schnell und frisch in weite Teile der Welt zu transportieren, sind schnelle und zuverlässige Logistiklösungen erforderlich. Deshalb fliegt an fünf Tagen der Woche eine MD-11F von Lufthansa Cargo den Jomo Kenyatta International Airport in Nairobi an – das wichtigste Drehkreuz Afrikas für frische Waren.

„Der Fokus liegt ganz klar auf dem Export von Agrarprodukten“, erklärt Ivo Seehann, General Manager Eastern Africa. Zwischen 1.000 und 1.300 Tonnen Fracht schlägt Lufthansa Cargo monatlich in Nairobi um – fast die Hälfte davon sind Blumen. Deren Reise beginnt meist rund 100 Kilometer nordwestlich, am Ufer des Lake Naivasha, wo sich zahlreiche Blumenfarmen angesiedelt haben. Unmittelbar an der South Road gelegen, glitzern die 20 Gewächshäuser der Ol-Njorowa Rosenfarm im Sonnenlicht. In jedem blühen mehr als 60.000 Rosenstöcke in allen Farbvariationen. Mit deren Pflege und Ernte sind rund 400 Mitarbeiter beschäftigt. Dreimal täglich, 365 Tage im Jahr werden die edlen Blumen geschnitten, nach Farben sortiert, zu Sträußen gebündelt und auf ihren Weg zum Flughafen gebracht – im Schnitt 130.000 Rosenkisten im Jahr.

Am Airport kümmern sich zwölf Cargo Lufthanseaten um die sensible Fracht. „Wir haben hier ein sehr erfahrenes Team“, betont Ivo Seehann. „Viele der Kolleginnen und Kollegen sind bereits mehr als 15 Jahre bei Lufthansa Cargo und wir sind wie eine kleine Familie. Alle arbeiten Hand in Hand und versuchen jeden Tag aufs Neue, die Herausforderungen zu meistern.“

Und die gibt es zur Genüge: Stromausfälle, eine gekappte Internetverbindung oder liegen gebliebene Lkws sind keine Seltenheit. „Großen Nachholbedarf hat Kenia vor allem beim Ausbau einer ordentlichen Infrastruktur“, erklärt Ivo Seehann. Hier sind Improvisation und kurzfristige Lösungen gefragt. Aber auch das Nachtflugverbot im weit entfernten Frankfurt und die dadurch ungünstigen Verschiebungen der Ankunfts- und Abflugzeiten erschweren das Geschäft in Nairobi. Das freut die Konkurrenz – und die ist in Nairobi nicht zu unterschätzen. Insbesondere die Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten wachsen sehr stark. Lufthansa Cargo punktet dennoch: „Wir haben uns einen sehr guten Ruf aufgebaut“, unterstreicht der General Manager Eastern Africa. „Lufthansa Cargo wird als Unternehmen mit den typisch deutschen Tugenden Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Ordentlichkeit wahrgenommen. Unser Kundenservice in Verkauf und Handling ist spitze.“

In die Zukunft blickt Ivo Seehann optimistisch. Potenzial sieht er insbesondere im Importgeschäft aus Frankfurt. Nairobi sei der klassische Zwischenstopp Richtung Südafrika, erklärt er. Von hier aus geht es weiter ins knapp vier Stunden entfernte Johannesburg. Die Zulade-Kapazitäten auf dem Flug südwärts sind daher begrenzt. Mit der Entdeckung großer Öl- und Gasvorkommen in Ostafrika könnte sich jedoch ein neuer Importmarkt für Maschinenteile auftun.

Was den kenianischen Exportmarkt betrifft, „werden verderbliche Güter weiterhin eine feste Größe sein“, so die Prognose. Insbesondere das Rosengeschäft zeichnet sich durch eine hohe Stabilität aus. „Die globalen Märkte verlangen kontinuierlich nach neuen Sorten – insbesondere mit dem Fairtrade-Siegel“, erläutert er. In Kenia treibt man entsprechend die Zucht voran. Der Garten Eden ist also noch lange nicht verblüht.