„Too many sweets, not enough brushing!“

Dr. Bärbel Drumm engagiert sich für „Cargo Human Care“ in Kenias Hauptstadt Nairobi. Der Cargo-Lufthanseat hat die Zahnärztin während ihres Einsatzes begleitet.

„Es tut nicht weh. Es ist nur wie ein kleiner Mückenstich.“ Die Frau im grünen Kittel redet beruhigend auf die kleine Patientin ein. Die großen Kulleraugen verraten die Sorge der sechsjährigen Margret. Dr. Bärbel Drumm hält eine Spritze in der Hand. Zögerlich öffnet die Kleine den Mund – und ist ganz tapfer.

Zehn Minuten später, als die Narkose wirkt, sitzt Margret wieder im provisorisch hergerichteten Zahnarztstuhl, der eigentlich der Untersuchungs-Stuhl eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes ist und dessen Lehne nun nach hinten gekippt werden kann. Schwupps – schon ist der erste Zahn gezogen.

Als Drumm dem Kind den zweiten abgebrochen Milchzahn entfernt hat, sagt sie, was sie an diesem Tag noch mehrmals wiederholen wird: „Too many sweets, not enough brushing“. Die einheimische Krankenschwester Judith übersetzt ins Swahili. Es ist bei fast allen Kindern und den meisten Erwachsenen das Gleiche: Zuviel Süßes, zu wenig oder gar keine Zahnpflege. Drumm hat sich längst mit den Verhältnissen arrangiert: „Das ist Afrika. Das musst du akzeptieren oder du scheiterst früh.“ Dazu zählt auch, dass ein für viel Geld gekaufter Bohrer nie richtig zum Einsatz kam. Ständig muckte das High-Tech-Gerät, vor allem der feine Sand in der Luft führte dazu, dass der Hersteller die Garantie-Zusage widerrief.  

Die Zahnärztin aus Kaiserslautern feiert dieses Mal ein kleines Jubiläum. Sie ist zum 20. Mal in Kiambu, einem Armenviertel im Nordosten von Nairobi.

Dort hatte 2002 die Anglikanische Kirche ein Kinder- und Waisenheim eröffnet. Zwei Jahre später war Fokko Doyen, der Flottenchef von Lufthansa Cargo, per Zufall auf das Hilfsprojekt und die Not vor Ort aufmerksam geworden. Gemeinsam mit Dr. Sven Sievers, damals Chefarzt der Frauenklinik in Bad Neustadt, hob Doyen das Projekt Cargo Human Care 2004 aus der Taufe. Seitdem fliegen an Bord der MD 11-Frachter regelmäßig Ärzte verschiedener Fachrichtungen nach Nairobi und arbeiten dort ehrenamtlich für drei bis vier Tage.

Dr. Bärbel Drumm kommt ins Schwärmen, wenn sie die heutigen Verhältnisse mit ihrem ersten Einsatz vergleicht. 2004 musste sie noch „in einer Wellblechhütte mit gestampften Lehmboden“ arbeiten. Die hygienischen Zustände waren bescheiden: „Da behandeln wir heute fast luxuriös.“ Der Boden ist gefliest, die Instrumente sind sterilisiert, die Patientendateien werden per Computer geführt.

Im Behandlungsraum nebenan sagt der Frankfurter Kinderarzt Dr. Thomas Berger, „dass unsere Einrichtung inzwischen den Standard eines deutschen Allgemeinmediziners erreicht hat.“ Doch Bedarf für neue, moderne Technik besteht noch immer: Das Ultra-Schall-Gerät ist die Spende eines Internisten, der seine Praxis aufgegeben hat – und ist entsprechend alt. Der HNO-Turm ist auch nicht mehr der modernste. Gleiches gilt für die Waage, mit der das Gewicht von Babys kontrolliert wird.

Doch der Kinderarzt Berger formuliert ähnlich wie Zahnärztin Drumm: „Wir sind hier in Afrika. Da gelten andere Maßstäbe“. Da müssen Gespür und Erfahrung des Arztes häufig die Geräte-Medizin ersetzen. Bei all dem Engagement muss das kein Nachteil sein. „Für die strahlenden Augen der Patienten nach der Behandlung, komme ich sicher auch ein 21. Mal hierher“, versichert Dr. Bärbel Drumm.