In der Mitte zweier Giganten

Fokus Montevideo

Wer nicht der Größte ist, muss ein bisschen smarter sein, um trotzdem im Konzert der Großen mitzuspielen. Auf diese Strategie setzt Uruguay, von dessen 3,5 Millionen Einwohnern rund 1,5 Millionen in der Hauptstadt Montevideo leben. Die Stadt an der Mündung des Rio de la Plata soll eine bedeutende Drehscheibe in Südamerika werden – nicht zuletzt durch Lufthansa Cargo als Luftfracht- Marktführer in dieser Region.

Manchmal kommt es auf die Perspektive an: Nach Surinam ist Uruguay flächenmäßig der kleinste Staat Südamerikas. Geografisch ist das Land an der südamerikanischen Atlantikküste zudem zwischen zwei Giganten „eingeklemmt“: Brasilien und Argentinien. Dabei passt der Begriff „mittendrin“ viel besser. Denn genau diese Lage macht sich Uruguay zunutze und etabliert sich seit Jahren zusehends als Dienstleistungs- und Distributionsdrehscheibe der beiden großen Nachbarn. Die zentrale Rolle spielt dabei der Hauptstadtflughafen Aeropuerto Internacional de Carrasco (MVD). Und die Rechnung geht auf. Der Luftfrachtmarkt des Landes wächst um sechs Prozent jährlich.

Lufthansa Cargo nutzt diese Wachstumsdynamik und hat Montevideo schon im Dezember 2011 mit zwei wöchentlichen Flügen einer MD-11F in den Flugplan aufgenommen. In Buenos Aires und im brasilianischen Viracopos landen die Frachter ebenfalls. „Der Markt nimmt uns hier deutlich als Marktführer wahr und arbeitet sehr gut mit uns zusammen“, erklärt Stationsleiter Eduardo Gonzalez Guyer. Das liegt nicht zuletzt an der langen Erfahrung, die Lufthansa an der Mündung des Rio de la Plata sammeln konnte. Seit 1954 ist der Kranich in Montevideo präsent. Die Organisation des Cargo-Geschäfts vor Ort übernimmt ein sechsköpfiges Team der „Hansalog“-Agentur. Sie alle haben das Luftfrachtgeschäft von der Pike auf gelernt.

Doch vor allem überzeugt Lufthansa Cargo ihre Partner durch hohe Frachtkapazitäten. Die Kunden wissen es zu schätzen, dass Lufthansa Cargo mit der MD-11F in Montevideo ein reines Frachtflugzeug und nicht nur eine Belly-Lösung anbietet. Die Lederindustrie gehört zu den traditionell größten Versendern von Luftfracht in Montevideo. Während Uruguay lange vor allem Lederkleidung exportierte, ist es inzwischen Industrieleder für die Automobilkonzerne. Nicht selten statten Fahrzeughersteller Autositze mit Leder aus Uruguay aus. Auch Reitpferde, Früchte oder Rindfleisch verlassen das Land zunehmend auf dem Luftweg. Etwa 80 Prozent der Fracht stammen dabei von regionalen Spediteuren, 20 Prozent schicken die großen globalen Logistikdienstleister auf die Reise. Beim Import ist es umgekehrt. Ein weiteres Plus für die Ansiedlung global ausgerichteter Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen ist die gute Anbindung Montevideos an internationale See- und Landverbindungen.

In Zukunft dürfte das Transportvolumen der bereits starken Pharmabranche wachsen, für das Lufthansa Cargo schon jetzt temperaturgeführte Transporte in hoher Frequenz anbietet. Gute Perspektiven sieht Stationsleiter Gonzalez auch, weil die Wirtschaftspolitik Uruguays sehr investorenfreundlich ausgerichtet ist: „Das Land hat eine Politik der offenen Tür für neue Wirtschaftsprojekte etabliert, um Wachstumschancen auf beiden Seiten des Rio de la Plata zu steigern.“ Zudem befindet sich der Hauptsitz der südamerikanischen Handelsunion Mercosur, der auch Argentinien, Brasilien, Venezuela und Paraguay angehören, in Montevideo. Die Chancen stehen also gut, dass sich der Standort Montevideo als wichtiger Dreh- und Angelpunkt eines aufstrebenden Kontinents etablieren kann.