Wiener Walzer im Cockpit

Lufthansa Cargo Piloten fliegen Passagiere der Austrian Airlines durch die Welt, um praktische Flugstunden auf der B777 zusammeln. Wir haben Steffen Tharandt nach New York begleitet


Rote Krawatten, silberne Schulterstreifen – alle Piloten im Head Office von Austrian Airlines (AUA) tragen die gleiche Uniform. Nur einer unter ihnen bewegt sich inkognito: Steffen Tharandt, eigentlich Kapitän auf der MD-11F bei Lufthansa Cargo. Er fügt sich einwandfrei in die Belegschaft der österreichischen Fluglinie ein – bis auf sein Hochdeutsch, das man im österreichischen Singsang der Kollegen schnell heraushört.

„Im Sinne einer konzernweiten gemeinsamen Trainingsplattform unterstützen wir die angehenden B777F-Piloten von Lufthansa Cargo bei ihrer Ausbildung auf das neue Flugzeugmuster“, sagt Manfred Samhaber, Fleet Chief B777 bei Austrian Airlines und Projektleiter für den operativen Teil der Ausbildung. Da man bereits 2008 die „Triple Seven“-Piloten von AeroLogic unterwiesen habe, könne die AUA auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Dass die praktischen Flugstunden auf einer Passagierversion der „Triple Seven“ gesammelt werden, macht keinen Unterschied, da die Cockpitausstattung nur minimal von der Nurfrachter-Version abweicht.

Auch wenn Tharandt hilfreiche Passage-Erfahrung hat, ist es nach all den Jahren Cargo dennoch eine große Umstellung, während eines Flugs wieder mit Kabinencrew und Passagieren zu interagieren. „Man gewöhnt sich schnell an die Zweisamkeit im MD-11F-Cockpit“, schmunzelt Tharandt. Sein Crewbriefing gegenüber den Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern absolviert er dennoch souverän, bevor es an Bord zu den Passagieren geht.
„Ich begrüße dann mal die Gäste!“ Ein Satz, den der Lufthansa Cargo Pilot schon seit 13 Jahren nicht mehr in einem Cockpit gesagt hat – so lange fliegt er nämlich unsere Frachter um die Welt. Plötzlich steht ein Koch im Cockpit und verteilt Menükarten an die Piloten. Für Tharandt eine Begegnung der besonderen Art: „Der Inflight-Koch kommt in normaler Flugbegleiteruniform an Bord. Dann zieht er sich um und bereitet das Essen für die Gäste der Business Class zu – und auch für uns Piloten“, erklärt er. Dieser Service sei „eine nette Abwechslung zur Selbstverpflegung auf der Elf“. Plötzlich meldet die Reisebetreuerin ein Problem in der zweiten Galley: Wegen eines verstopften Ablaufs tropft Flüssigkeit aus der Decke. Nach einer Überprüfung wird die Technik angefunkt. Tharandt wird für die Problemlösung weiter verbunden und plötzlich klingt ein Wiener Walzer durch das Cockpit – die Warteschleifenmusik der AUA.

Eines merkt man während des Flugs sofort: Die Stimmung zwischen den Piloten ist ausgesprochen gut – und die Gäste aus Deutschland sind gern gesehene Cockpit-Partner. „Wir sind eine kleine Flotte, man kennt eigentlich jeden Kollegen aus dem Pilotenkreis. Da ist es eine nette Abwechslung, wenn Lufthansa Cargo Piloten frischen Wind ins Cockpit bringen“, erzählt Helmut Haubenwaller, Kapitän auf der B777 und auf diesem Flug als Copilot im Einsatz. Die deutschen Kollegen hätten sich „ganz perfekt bei uns eingegliedert“. Das zeigt auch die Landung in New York, die das Lufthansa Cargo-AUA Gespann einwandfrei hinlegt.

Trotz des netten Ausflugs zu Austrian Airlines kommt Steffen Tharandt gerne wieder zur Fracht zurück. Zum Monatsende wird er dann aber doch eine kleine Träne verdrücken: Zufällig endet seine Musterberechtigung für die MD-11F Ende Oktober 2013 – genau in dem Monat, in dem Lufthansa Cargo ihre erste B777F erwartet.