110 Millionen Tiere gratulieren zum Geburtstag

Die Animal Lounge feiert ihren fünften Jahrestag

Es ist die modernste Tierstation an einem Flughafen weltweit. Am Flughafen Frankfurt logieren Adler und Zebra, Hund und Katze oder tropische Zierfische in der Business Class. Es gibt Großtierställe für Pferde und Volieren für Vögel, abgetrennte Ruhebereiche für Katzen und sogar einen speziellen Schwarzlichtbereich für lichtempfindliche Zierfische.

Mittwochmorgen, 6.30 Uhr. Vor dem Flachbau an Tor 26 stapeln sich die Paletten mit braunen und beigefarbenen Kartons. Ihr Inhalt: Tausende farbenfroher Zierfische aus Kolumbien. Sabine Grebe beobachtet genau, wie lange die Fracht draußen auf dem Hof steht, wann die Fahrer sie in die Halle bringen, wie zügig die Paletten aufgebrochen werden und wie es draußen mit dem Nachschub weiterläuft.

Grebe ist Head of Operation und damit für die Abläufe in der Animal Lounge verantwortlich. „Wir bemühen uns ständig, die Prozesse zu optimieren“, sagt die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin. An diesem Mittwochmorgen steht für Sabine Grebe die Fischabfertigung auf dem Prüfstand. Mittwochs ist in der Animal Lounge Fischtag. An keinem Tag der Woche bringen die Flugzeuge aus Singapur, Thailand, Kolumbien, Brasilien oder Venezuela mehr tropische Zierfische nach Frankfurt. Später werden in der Halle insgesamt 18 Paletten stehen – mit Tausenden Kartons, die alle den Aufdruck „Live Tropical Fish“ tragen und mit Styropor ausgeschlagen sind. Die Fische selbst fliegen in reißfeste Plastikbeutel verpackt über den großen Teich. Am späten Vormittag hat Marco Klapper, Product Manager Live/td, anhand der Frachtpapiere hochgerechnet, dass an diesem Mittwoch wieder einmal rund 600.000 Fische in der Animal Lounge Quartier bezogen haben. Meist nur für wenige Stunden.

Das heißt für Markus Gabriel aufs Tempo drücken. Der 43-Jährige ist Tierkoordinator und „kümmert sich darum, dass die Tiere vom Flieger zu uns und für den Weiterflug wieder zum richtigen Flieger kommen“. In der Zwischenzeit ist er treppauf, treppab unterwegs. Es gilt, die Frachtpapiere einschließlich Einfuhrerlaubnis und Gesundheitsdokumenten zum Zoll und zu den Veterinärmedizinern zu bringen. Die Tierärzte kontrollieren nicht nur die Papiere, sie werfen auch einen Blick auf die Tiere selbst: Ist der Gesundheitszustand von Pferden, Hunden oder Vögeln in Ordnung und stimmen die in den Papieren angegebenen Körpermerkmale wie Farbe, Größe, Rasse oder Fell mit den vor ihnen stehenden Tieren überein? Diese Nämlichkeits-Prüfung ist der Identitätstest der Tiere.

In seinem Büro ein Stockwerk über der Tierstation freut sich Axel Heitmann derweil über das Rekordjahr 2012. Um das dürfte ihn selbst Stefan Schulte beneiden. Der Vorstandsvorsitzende des Frankfurter Flughafens kam mit zwei Terminals vergangenes Jahr auf 57,5 Millionen Passagiere. Heitmann (46), Leiter der Animal Lounge, fertigte mehr als 110 Millionen ab.

Zugegeben: Die Kundschaft Heitmanns bringt häufig nur wenige Gramm auf die Waage. Über 80 Millionen sind tropische Zierfische aus Südamerika, Asien oder Afrika. Hin und wieder sind aber auch richtige Schwergewichte dabei. Nashörner und Flusspferde, Löwen und Bären, ganze Rinderherden für Saudi Arabien, aber auch millionenteure Spring- und edle Rennpferde. Und natürlich stehen massenweise Hunde und Katzen auf der Passagierliste. Deutsche Hunde sind in Übersee begehrt. Ob bei der Polizei in Südamerika für den Einsatz als Drogenspürhunde oder bei den Grenzschützern in Texas/USA.

„Es gibt fast nichts, was wir nicht befördern könnten“, sagt Heitmann. Der Mann ist so etwas wie der Zoodirektor des Frankfurter Flughafens, obwohl er von Haus aus Diplom-Betriebswirt ist. „Dennoch gibt es Grenzen für Lufthansa Cargo“, betont Heitmann. So hat sich der Carrier auferlegt, auf den Transport von Delfinen und Haien sowie in freier Wildbahn gefangener Tiere zu verzichten. Dafür unterstützt die Kranich-Tochter Projekte zum Auswildern bedrohter Tierarten. So wird seit Monaten der Transport der beiden Spitzmaulnashörner Tsororo und Kalusho vom Frankfurter Zoo nach Swasiland vorbereitet. In Afrika sollen die Tiere im Mai im Mkhaya-Schutzgebiet ausgewildert werden und für Nachwuchs sorgen.

Die Animal Lounge ist konzipiert wie ein Passagier-Terminal. Da gibt es einen Transitbereich, der aus seuchenschutzrechtlichen Gründen getrennt vom übrigen Geschehen ist, es gibt ein Terminal für den Import sowie einen Export-Bereich. „Hauptkunden“ für den Export sind in aller Regel Hunde und Katzen. Im vergangenen Jahr waren es rund 15 000. Den im Schnitt rund 800 Euro teuren Transport leisten sich zumeist Diplomaten oder Mitglieder der US-Army, die nach Nordamerika zurückversetzt werden.

14 Pfleger betreuen rund um die Uhr die Pensions-Gäste, füttern die Hunde, versorgen die Pferde mit frischem Heu und Katzen mit Wasser, schaffen eine Wohlfühlatmosphäre und spendieren, wenn erforderlich, auch Trost oder zumindest beruhigende Worte. „Ohne das große Engagement der Mitarbeiter, ohne den Einsatz des gesamten Teams aus Lufthansa Cargo und handling counts könnten wir nicht das Premium-Produkt liefern, das wir unseren Kunden Tag für Tag anbieten“, sagt Sabine Grebe.

Zehn Pfleger sind weiblichen Geschlechts. „Tierpfleger ist ein klassischer Frauenberuf“, sagt Ann-Katrin Werner (23), die seit 2010 zum Team der Animal Lounge gehört und bei einem Tierarzt gelernt hat. Sie ist froh, wenn Tierhalter ihren Vierbeinern nicht nur das Lieblingsspielzeug mit auf die weite Reise geben, sondern auch noch den Namen auf der Transportkiste hinterlassen. „Wenn wir einen Hund, der unruhig ist oder ängstlich reagiert, mit seinem Namen ansprechen können, ist das meist schon die halbe Miete“, sagt Ann-Katrin Werner, die „Katzen über alles liebt“. Kein Wunder, dass sie zu Hause selbst zwei Schmusekatzen hat.

Das größte Kompliment für das Team der Animal Lounge kommt von einem Kunden. Willi Heidbrink, Vorstand der Fachgruppe Zierfisch im Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands und selbst Importeur, sagt über die Tierstation von Lufthansa Cargo: „Wenn es sie nicht geben würde, müsste sie glatt neu erfunden werden.“