Luftfracht meets Seefracht

Peter Gerber und Hapag Lloyd Chef Rolf Habben Jansen im Gespräch.

Premiere in Hamburg: Erstmals trafen der Chef von Deutschlands größter Reederei, Hapag Lloyd, und der größten Frachtairline des Landes, Lufthansa Cargo, zusammen. Rolf Habben Jansen und Peter Gerber diskutierten vor Journalisten, Politikern und  Wirtschaftsvertretern gut 90 Minuten über gemeinsame und unterschiedliche Herausforderungen beider Branchen. Unter den rund 100 Gästen war auch ein Mann, der beide Unternehmen aus nächster Nähe kennt: Der langjährige Lufthansa Chef und anschließende Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Weber saß bis 2014 auch dem Aufsichtsrat des Hamburger Traditionsunternehmens vor.
Vor allem bei Themen rund um eine bedarfsgerechte Infrastruktur entdeckten beide Unternehmenschefs Gemeinsamkeiten. Während die Luftfahrt unter eingeschränkten Betriebszeiten leide, sei für die Schifffahrt vor allem der Zugang zu den Häfen entscheidend, so Habben Jansen: „Ohne die Elbvertiefung wird es auf Dauer schwierig, die großen Schiffe nach Hamburg zu bekommen.“

Großes Potential versprachen sich beide Manager von der Digitalisierung. Neben mehr Effizienz, etwa über die Digitalisierung der eigenen Prozesse, zeigte sich Gerber zuversichtlich, stark von wachsenden  eCommerce-Geschäften, wie etwa Amazon, zu profitieren. „Kunden wollen ihre online bestellten Produkte möglichst sofort haben – das ist eine echte Chance für die Luftfracht.“

Für viel Aufmerksamkeit sorgten die Aussagen beider Vorstände, dass der extreme Fall des Ölpreises ihren Unternehmen auch Sorgen bereite – obwohl beide Firmen Treibstoffkosten zu den größten Kostenblöcken zählen. Peter Gerber betonte, dass die dramatischen Schwankungen für den gesamten Markt schwierig seien und langfristige Planungen erschwerten. Habben Jansen machte deutlich, dass er einen etwas höheren Ölpreis befürworten würde: Die Im Keller liegenden Ölpreise würden häufig zu irrationalen Entscheidungen am Markt und dem weiteren Aufbau von Überkapazität führen.
Von den führenden Logistikmedien bekamen die Vorstandschefs gute Noten. DVZ Chefredakteur Harald Ehren schrieb heute früh: „Mit Premieren ist das immer so eine Sache. Die erste Liebe, der neue Job. Man kann so vieles falsch machen. Gestern Abend haben bei Hapag-Lloyd am Hamburger Ballindamm Peter Gerber, Vorstandsvorsitzender von Lufthansa Cargo, und Hausherr Rolf Habben Jansen alles richtig gemacht. Auch wenn sie sich beim Dialog ‚Luftfracht meets Seefracht‘ überhaupt zum ersten Mal gesprochen haben. Und wer dachte, dass es zwischen beiden Logistik-Disziplinen keine Gemeinsamkeiten gibt, wurde eines Besseren belehrt: die drängenden Themen wie unwägbare Konjunkturaussichten, Treibstoffpreise und vor allem die liebe Konkurrenz sind die gleichen. Vor allem wie zwei deutsche Carrier in ihren Heimat-Hubs, sprich den Flugdrehkreuzen und Seehäfen, in Zukunft noch wettbewerbsfähig sein können, angesichts von Nachtflugverboten oder mangelnder Zugänglichkeit der Häfen (Stichwort: Elbvertiefung) wurde in dem spannenden Dialog und dem folgenden Gespräch mit dem Publikum heftig diskutiert.“