Story Image

Hurtigroute.

Der weltweite Lachskonsum steigt. In die außereuropäischen Märkte gelangt der frischer Lachs größtenteils per Luftfracht. Der „planet“-Ortstermin führt Alexis von ­Hoensbroech, Vorstand Produkt und Vertrieb bei Lufthansa Cargo, diesmal zu Marine Harvest nach Norwegen.

Im Boknafjord inspiziert Tom Mikkelsen, Luftfrachtchef von Marine Harvest, mit Alexis von Hoensbroech, Vorstand Produkt und Vertrieb bei Lufthansa Cargo, eine Lachsfarm, wenige Seemeilen nördlich von Stavanger.

Story Image

Ob als Sushi oder Sashimi, im Kräuterbett gegart oder ganz einfach frisch über einem Feuer gegrillt – Lachs erfreut sich weltweit größter Beliebtheit. Vor allem für die Gourmetküche ist Frischfisch erste Wahl. Mit steigendem Bedarf wächst auch die industrielle Fischproduktion. Ebenso der Transport des Fisches per Luftfracht, der auf mittlere Sicht pro Jahr um acht bis neun Prozent wachsen dürfte. „Das ist eine wirklich überdurchschnittliche Steigerung für ein Produkt in der Luftfrachtindustrie“, so Tom Mikkelsen. „Wir erwarten zwar, dass sich der Absatz irgendwann einpendelt, aber auf deutlich ­höherem Niveau als heute!“ ­Mikkelsen muss es wissen. Als Head of Airfreight bei Marine Harvest, einem der weltweit ­führenden Fischproduzenten mit Sitz in Norwegen, ist er stets genau über den Markt informiert.
Story Image

Temperaturgeführte Sendungen wie Fisch sind der bestimmende Faktor im Land der tausend Fjorde. Im vergangenen Jahr machten sie 83 Prozent der Exporttonnage aus Norwegen aus. Marine Harvest ist stolz auf seine hoch spezialisierte ­Logistik- und Wertschöpfungskette. Lufthansa Cargo Vorstand Alexis von Hoensbroech hat die Chance genutzt, sich diese Speziallogistik einmal genau anzusehen. „Für uns als Carrier ist es wichtig, die Anforderungen und Marktmechanismen eines so wichtigen Wachstumssegments für die Luftfracht genau zu verstehen. Daher ist ein solcher Besuch von ­unschätzbarem Wert.“

Alles vollautomatisch und „clean“: In nur sieben Minuten sind die sechs Kilogramm schweren Lachse geschlachtet und versandfertig verpackt.

 

Story Image

Marine Harvest beliefert rund 70 Länder – auch per Luftfracht.

Inmitten einer malerischen Fjordlandschaft im Westen Norwegens, unweit von Stavanger gelegen, befindet sich eine der zahlreichen Fischfarmen von Marine Harvest. Eine halbstündige Bootsfahrt führt von Hoensbroech dorthin. Die Atlantiklachse wachsen in mit Netzen abgegrenzten Bereichen von rund 180 Metern Umfang heran. „Bis sie ihr Schlachtgewicht von sechs Kilogramm erreicht haben, verbringen die Lachse rund drei Jahre in den Farmen“, erklärt Knut Are ­Johansen, ­Sitemanager der Farm. 200.000 Exemplare befinden sich in jedem Netz. Mithilfe von Unterwasserkameras überprüfen ­Johansen und seine Kollegen unablässig, ob es den Lachsen gut geht. Genährt werden die Meeresbewohner von eigens ­produziertem Futtermittel: Teil der ganzheitlich kontrollierten Wertschöpfungskette. Haben die Lachse das angestrebte Gewicht erreicht, werden sie geschlachtet und zu den Fisch­essern auf der ganzen Welt transportiert. Rund ein Viertel der Produktion von Marine Harvest verlässt Norwegen mit dem Flugzeug. Insgesamt bedient das Unternehmen 70 Länder weltweit. Wichtigste Exportmärkte neben Europa: USA und Asien, speziell Japan und Korea. Aber auch der Absatz in Saudi-­Arabien steigt extrem.

Mittels Unterwasser­kameras werden die Lachse permanent beobachtet, Experten können aus den Live-bildern der Speise­fische auf ihren Gesundheitszustand schließen und bei Bedarf Maßnahmen ergreifen.

Story Image

Hochrechnungen der Welternährungsorganisation (FAO) geben den weltweiten Fischverbrauch für das Jahr 2014 mit 144,6 Millionen Tonnen an. Das ergibt einen Pro-Kopf-Verbrauch von 20 Kilogramm – ein Rekord. Dabei variiert die verzehrte Menge pro Land erheblich: In Island verspeist jedermann durchschnittlich mehr als 60 Kilogramm pro Jahr, in China und Japan sind die Zahlen ähnlich. Und in den USA, Kanada und Dänemark ist der Fischkonsum mit jährlichen 30 Kilogramm pro Kopf immer noch überdurchschnittlich. Deutschland befindet sich mit 14 Kilogramm Fisch pro Kopf und Jahr im hinteren Mittelfeld.
Wenngleich die Zahl im Heimatmarkt von Lufthansa Cargo geringer ist als im weltweiten Durchschnitt, zeigt der deutsche Fischkonsument doch größtes Interesse an den Lachsen von Marine Harvest: Mit 19 Prozent Marktanteil ist der Lachs sehr guter Zweiter im Ranking der beliebtesten Fische, direkt nach dem Alaska-Seelachs, der eigentlich gar kein Lachs ist, sondern zur Gruppe von Köhler, Dorsch und Kabeljau gehört und den Rohstoff für Fischstäbchen bietet.

Wichtige Märkte sind Japan und Mittlerer Osten.

Wichtige Märkte sind Japan und Mittlerer Osten.

Unweit der besuchten Fischfarm öffnet Marine Harvest die Tore einer seiner fünf Fischfabriken Norwegens. Den Besucher erwartet eine hoch automatisierte Produktionslinie, die direkt an der Kaimauer beginnt. Die schlachtreifen Lachse werden lebend per Schiff in großen Wassertanks angelandet. Ab da ist „hurtig“ gar kein Ausdruck: In gerade einmal sieben Minuten ist der Lachs geschlachtet, ausgenommen und für seinen Weg zu den Großhändlern beziehungsweise direkt in die Supermärkte verpackt.
„3.500 Stück werden hier pro Stunde verarbeitet“, erklärt Jamaa Nouissri, Schichtleiter in der Produktion. Ganz gleich, ob als Filet oder ganzer Fisch – Hygiene, Geschwindigkeit und damit einhergehend höchste Qualität haben dabei oberste Priorität. Denn nur eines zählt für den Kunden: Frische. 
Damit diese auch auf dem nun folgenden Transportweg nicht verloren geht, überlässt Marine Harvest nichts dem Zufall. Neben bewährten Partnern, welche ihre Qualität täglich unter Beweis stellen müssen, setzt das Unternehmen auch auf ein hauseigenes Logistikunternehmen. „Hier sind wir noch am Anfang“, sagt Mikkelsen, der vom Vorteil einer integrierten Supply Chain überzeugt ist.

Konsolidiert wird die Ware an der zentralen Drehscheibe von Marine Harvest in Oslo. Hierher liefern alle Fabriken ihren Fisch. „Fast in, fast out lautet unsere Devise“, so der 58-jährige Logistikexperte. „Die Lachse werden in unserem 7.000 Quadratmeter großen Lagerhaus für den internationalen Lkw-Versand oder für den Transport per Flugzeug palettiert.“ Dabei hat Marine Harvest mit einem Roboter einen einzig­artigen Palettenbauer in Betrieb. „Wir profitieren hier von den Vorteilen der Fischboxen. Sie sind stets gleich groß und verfügen über eine glatte Oberfläche.“ So schafft es der Roboter durch die Erzeugung von Unterdruck, die Boxen zu optimalen Paletten aufzubauen. „Je nach Anforderungen der Airline bauen wir hier vor Ort die ULDs, die wir dann direkt anliefern. Durch unsere Zertifizierung als Bekannter Versender muss unsere Fracht am Flughafen keine weiteren Sicherheits­checks durchlaufen“, so Mikkelsen. 
Da es auf absolute Frische ankommt, schaut Marine ­Harvest auch bei der Wahl der Fluggesellschaft genau hin. Guter Service, Zuverlässigkeit, professionelles Personal und ein globales Netzwerk sind bedeutende Faktoren. „Dass Lufthansa Cargo die wichtigen Märkte Japan und Mittlerer Osten sowie den Markt Afrika direkt aus dem Hub Frankfurt mit Frachtern anfliegt, ist sehr wichtig für uns“, erklärt ­Mikkelsen. Fazit: Modernes Handling, schnelle Kühltransporte, passende Partner – das ist das Erfolgsrezept von Tom Mikkelsen, damit die Lachse von Marine Harvest weltweit für Gaumenfreuden sorgen.

 

Story Image

Auf die Frische kommt es an:

Alexis von ­Hoensbroech macht sich bei Tom Mikkelsen in einem Kühlhaus von Marine Harvest schlau.
Story Image

Ununterbrochene Kühlkette, maximale Hygiene:

Mit dem Lkw gelangen die Lachse unverzüglich zu den Luftfrachthubs, zum Beispiel nach Frankfurt.
Story Image

Das bedeutet Marine Harvest für mich:
2016 wird Marine Harvest 414.000 Tonnen Lachs produzieren – das macht das global agierende Unter­nehmen mit seiner ausgeklügelten Wertschöpfungskette und höchster Qualität zum weltgrößten Anbieter von arktischem Lachs mit Niederlassungen in 24 Ländern. 

Das hat mich beeindruckt:
Marine Harvest verfügt auf allen Ebenen über innovative Technik, um so effizient und schell wie möglich zu arbeiten. Höchste Präzision und kei­nerlei Abstriche bei der Qualität sind das A und O. So wird die für den Unternehmenserfolg entscheidende Frische des Produkts gesichert.

Das nehme ich mit:
So nah an die Produktion eines Lebensmittels zu kommen, das ich auch persönlich sehr schätze, ist eine einmalige Chance. Das Fischgeschäft ist ein Wachstumsmarkt, den Luftfracht­logistiker nicht unterschätzen sollten.

 

Fotos:

Bernhard Hüber / Jürgen Mai

planet 2/2016