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Spürnasen.

Lufthansa Cargo und Fraport bereiten Sprengstoff­spürhunde auf den Einsatz im Frachtverkehr vor.

Wenn das Spiel beginnt, wird es ernst für Larry Hansen und Tommy. Dann versteckt Hansen etwas hinter dem Rücken, und Tommy beginnt, neugierig danach zu suchen. „Anspielen“ heißt dieses kleine, aber wichtige Ritual zwischen Hundeführer Hansen und seinem Hund.

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Denn bald schon ist es nicht mehr Hansens Spielzeug, nach dem Tommy schnüffelt – sondern Sprengstoff. Kiste für Kiste geht der deutsche Schäferhund mit seiner feinen Nase die Frachtstücke auf dem Kontrollfeld in der Frachthalle von Lufthansa Cargo ab.

Plötzlich nimmt Tommy Witterung auf, zieht Larry Hansen an der Leine zu einer kleinen Holzbox auf einer Palette und legt sich davor. Eine Anzeige des Hundes: Hier riecht es nach Sprengstoff. Und tatsächlich: Hansen zieht sein Spielzeug hervor und bestätigt Tommy für den Fund. Das Spiel ist zu Ende – und bis auf Tommy selbst wissen alle, dass dieses Spiel kein Spiel ist, sondern im Zweifel Leben retten kann.

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Auch Burkhardt Berndt, Senior Manager Aviation Security bei Lufthansa Cargo, ist zufrieden. Er hat sich Tommys Trainingseinsatz vor Ort angesehen. Der Grund: „Wir rechnen aufgrund der Umstellungen im Luftfrachtreglement damit, dass die Menge der zu kontrollierenden Fracht an deutschen Flughäfen stark ansteigt.

Dann müssen alle Versender eine Zertifizierung des LBA durchlaufen haben. Andernfalls gilt ihre Fracht fortan als unsicher und muss am Airport kontrolliert werden“, so Berndt. Hier könnten die zwölf Teams der Fraport-Hundestaffel für erhebliche Entlastungen sorgen.

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Das kleine Päckchen mit Sprengstoff, welches Tommy aufgespürt hat, wurde nicht von einem Terroristen, sondern von Peter Russ an der Kiste versteckt. Russ ist Aufgaben- und Ausbildungsleiter der Hundestaffel der Fraport AG am Frankfurter Flughafen.

Er trainiert seit mehr als zehn Jahren die Spürhundeteams der Fraport AG für ihre Einsätze auf dem Flughafengelände und in den Terminals. Bereits seit 1985 stehen die Teams für die Bundes- und Landespolizei als weiteres Einsatzmittel zur Verfügung.

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Schon bald werden die Hunde auch im Frachtbereich eingesetzt. Berndt: „Wir arbeiten intensiv an einer entsprechenden Zulassung durch die Behörden.“ Es gibt immer wieder Sendungen, die eine so hohe Dichte aufweisen, dass die Röntgenstrahlen diese nicht durchdringen können. Solche Fracht muss aufwendig ausgepackt und manuell kontrolliert werden. Schon jetzt gehört das im Lufthansa Cargo Center zum Alltag: Drei Sicherheitsmitarbeiter der Lufthansa Cargo sind hier seit einer halben Stunde damit beschäftigt, eine Kiste mit Autoteilen auszupacken, um die Einzelpakete in kleineren Tranchen durch die Röntgenanlage zu schicken und anschließend wieder sorgfältig in der Kiste zu verstauen.

„Diese Arbeit kann uns der Einsatz eines Sprengstoffspürhundes, der auch geschlossene Kisten bis zu einer bestimmten Größe kontrollieren kann, ersparen“, sagt Berndt. In einigen anderen europäischen Ländern, so Berndt, würden bereits Sprengstoffspürhunde bei der Kontrolle von Fracht eingesetzt. 

Damit die Hunde auch in Frankfurt möglichst schnell die Arbeit aufnehmen können, werden sie seit einiger Zeit auf den Einsatz im Frachtbereich vorbereitet.

Dabei sind Trainings unter realistischen Einsatzbedingungen wie im LCC oder auch einmal in einer MD-11 auf dem Vorfeld von besonderer Bedeutung.

Denn die Tiere können nur durch eine gründliche Ausbildung an möglichst realistischen Einsatzorten optimale Ergebnisse liefern: „Es ist sehr wichtig für das Training, dass die Hunde da ausgebildet werden, wo sie später zum Einsatz kommen. Nur so können sie sich an Stressfaktoren wie Geräusche oder den Staplerverkehr gewöhnen, die sie sonst von ihrer eigentlichen Aufgabe ablenken“, erklärt Ausbilder Russ. 

Die Ausbildung eines Sprengstoffspürhundes dauert bei einem erfahrenen Hundeführer mindestens ein halbes Jahr. Mit seinem „Partner“ Tommy, wie Hansen mit breitem amerikanischen Akzent sagt, arbeitet der Hundeführer, der als junger Mann mit der US-Army nach Frankfurt kam, seit sechs Jahren zusammen. Das Aufspüren von sogenannten Explosivstoffen war dabei das wichtigste Ziel des gemeinsamen Trainings.

„Auf die Grundausbildung, in der der Hund Gehorsam lernt, setzt die Spezialausbildung auf. Hier lernen die Tiere die verschiedenen Sprengstoffe kennen, und das Anzeigeverhalten und die Taktik werden trainiert“, fasst Russ zusammen. Da diese Ausbildung am Airport Frankfurt dienstbegleitend absolviert wird, kann es mitunter zwölf Monate dauern, bis ein Hund einsatzbereit ist. Am Ende, so das Ausbildungsziel, müssen die Tiere in der Lage sein, Gepäck, aber auch ganze Flugzeuge oder Räume zuverlässig nach Explosivstoffen abzusuchen.
    
Zusammen mit Lufthansa Cargo haben Russ und seine Kollegen von der Hundestaffel bereits erfolgreich intensive Langzeittests absolviert, um die Alltagstauglichkeit der Hunde als Kontrollelement im Frachtbereich zu sichern. 

„Lufthansa Cargo bietet uns die Möglichkeit, realistische Szenarien dort zu testen, wo wir sonst nicht hinkommen“, sagt Russ, und Hansen ergänzt: „In einem Frachter zu trainieren ist eigentlich fast nicht möglich, weil die Maschinen reinkommen, ent- und beladen werden und dann sofort wieder rausgehen. Aber die Jungs von Lufthansa Cargo benachrichtigen uns, wenn doch mal ein bisschen Zeit ist, sodass wir diese wertvollen 30 Minuten dann ausnutzen können. Es ist unglaublich wichtig, solche Möglichkeiten zu haben.“

Auch Tommy freut sich über den gelungenen Einsatz im Frachter. Und auch wenn er vielleicht selbst nicht begreift, wie wichtig dieses Training für seinen gefährlichen Job war – den aufmunternden Klaps und das Leckerli von seinem Partner Larry versteht er nur allzu gut. So wird er auch beim nächsten Einsatz wieder hochmotiviert zur Sache gehen, wenn es gilt, den Airport Frankfurt noch ein kleines bisschen sicherer zu machen.

Fotos:

Ralf Kreuels

planet 1/2013

Damit die Hunde auch in Frankfurt möglichst schnell die Arbeit aufnehmen können, werden sie seit einiger Zeit auf den Einsatz im Frachtbereich vorbereitet.

Dabei sind Trainings unter realistischen Einsatzbedingungen wie im LCC oder auch einmal in einer MD-11 auf dem Vorfeld von besonderer Bedeutung.

Denn die Tiere können nur durch eine gründliche Ausbildung an möglichst realistischen Einsatzorten optimale Ergebnisse liefern: „Es ist sehr wichtig für das Training, dass die Hunde da ausgebildet werden, wo sie später zum Einsatz kommen. Nur so können sie sich an Stressfaktoren wie Geräusche oder den Staplerverkehr gewöhnen, die sie sonst von ihrer eigentlichen Aufgabe ablenken“, erklärt Ausbilder Russ. 

Die Ausbildung eines Sprengstoffspürhundes dauert bei einem erfahrenen Hundeführer mindestens ein halbes Jahr. Mit seinem „Partner“ Tommy, wie Hansen mit breitem amerikanischen Akzent sagt, arbeitet der Hundeführer, der als junger Mann mit der US-Army nach Frankfurt kam, seit sechs Jahren zusammen. Das Aufspüren von sogenannten Explosivstoffen war dabei das wichtigste Ziel des gemeinsamen Trainings.

„Auf die Grundausbildung, in der der Hund Gehorsam lernt, setzt die Spezialausbildung auf. Hier lernen die Tiere die verschiedenen Sprengstoffe kennen, und das Anzeigeverhalten und die Taktik werden trainiert“, fasst Russ zusammen. Da diese Ausbildung am Airport Frankfurt dienstbegleitend absolviert wird, kann es mitunter zwölf Monate dauern, bis ein Hund einsatzbereit ist. Am Ende, so das Ausbildungsziel, müssen die Tiere in der Lage sein, Gepäck, aber auch ganze Flugzeuge oder Räume zuverlässig nach Explosivstoffen abzusuchen.

Zusammen mit Lufthansa Cargo haben Russ und seine Kollegen von der Hundestaffel bereits erfolgreich intensive Langzeittests absolviert, um die Alltagstauglichkeit der Hunde als Kontrollelement im Frachtbereich zu sichern. 

„Lufthansa Cargo bietet uns die Möglichkeit, realistische Szenarien dort zu testen, wo wir sonst nicht hinkommen“, sagt Russ, und Hansen ergänzt: „In einem Frachter zu trainieren ist eigentlich fast nicht möglich, weil die Maschinen reinkommen, ent- und beladen werden und dann sofort wieder rausgehen. Aber die Jungs von Lufthansa Cargo benachrichtigen uns, wenn doch mal ein bisschen Zeit ist, sodass wir diese wertvollen 30 Minuten dann ausnutzen können. Es ist unglaublich wichtig, solche Möglichkeiten zu haben.“

Auch Tommy freut sich über den gelungenen Einsatz im Frachter. Und auch wenn er vielleicht selbst nicht begreift, wie wichtig dieses Training für seinen gefährlichen Job war – den aufmunternden Klaps und das Leckerli von seinem Partner Larry versteht er nur allzu gut. So wird er auch beim nächsten Einsatz wieder hochmotiviert zur Sache gehen, wenn es gilt, den Airport Frankfurt noch ein kleines bisschen sicherer zu machen.

 

Fotos:

Ralf Kreuels

planet 1/2013