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Nachtschwärmer.

Viertel vor drei, mitten in der Nacht. Pünktlich setzt LH8414 auf der Landebahn auf. Wenige Minuten später erreicht die MD-11F ihre Parkposition, und die Vorfeldroutine am Guangzhou Baiyun International Airport setzt ein. Der Flughafen in der 20-Millionen-Einwohner-Region ist neben Hongkong Chinas größtes Luftfrachtdrehkreuz im Süden. Die Elektro­motoren des im Frachtraumboden verankerten Ladesystems beginnen zu surren und lassen Paletten und Container aus dem Bauch des Flugzeugs gleiten.
Knapp eine Stunde dauert es, dann ist der Frachter komplett entladen. Jetzt ist in den Frachträumen Platz für Luftfrachtexporte „Made in China“. Fein aufgereiht stehen die Sendungen auf „Dollys“ bereit. Darunter auch eine konsolidierte Sendung des internationalen Logistikdienstleisters Anda Shun mit Smartwatches und Android-Tablets, online bestellt von europäischen Kunden auf einem großen chinesischen Einkaufsportal.

 

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„Ich schätze, dass heute bereits fünf Prozent unseres Luftfrachtaufkommens durch E-Commerce entstehen“, sagt Gerry Yang, Gründer und CEO von Anda Shun. „Dieser Anteil wird sich in den kommenden Jahren weiter vergrößern.“ Zwar sind rund drei Viertel der E-Commerce-Sendungen, mit denen Anda Shun zu tun hat, für den Export bestimmt. Aber das Unternehmen importiert auch Ware, die chinesische Konsumenten auf Onlineportalen in Übersee bestellt haben. „Das kann alles Mögliche sein: Mode, exklusive Kosmetika oder auch Nahrungsmittel, die es bei uns nicht zu kaufen gibt. Exquisites italienisches Olivenöl zum Beispiel“, erzählt der Firmenchef, dessen Zentrale sich in Shenzhen im Süden der 104-Millionen-Einwohner-Provinz Guangdong befindet, knapp anderthalb Autostunden von Guangzhou entfernt.
Hier im Perlflussdelta hat Anda Shun seine Wurzeln und ist besonders stark vertreten. Neben den Metropolen Shenzhen und Guangzhou spielt die Luftfrachtdrehscheibe Hongkong für das Unternehmen eine wichtige Rolle.

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Denn längst hat es sich auch in den großen Hubs weiter nördlich einen Namen gemacht: Schnell gewachsen ist Anda Shun zuletzt in Peking, und ebenso nehmen die Aktivitäten in Schanghai stetig zu.Über 20 Anda Shun-Niederlassungen bis weit in die Mitte des Landes hinein füttern die großen Gateways. Vor zehn Jahren gegründet, beschäftigt das Unternehmen heute 500 Mitarbeiter, die meisten davon in „Mainland“-China, aber es gibt auch Niederlassungen in Taiwan, Hongkong und Australien. „Unser rasantes Wachstum war bei der Gründung von Anda Shun für mich nicht absehbar“, bekennt Yang. Seine Karriere als Unternehmer begann eher unfrei­willig. Zuvor war er Luftfrachtmanager bei AMS, einem Joint Venture von Air China, Morrison Express und Sinotrans, für die er als Regional General Manager die südchinesischen Standorte Shenzhen und Guangzhou aufbaute. 



 

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Als die Partner das Joint Venture auflösten, standen er und seine Mitarbeiter ohne Job da. „Aber wir hatten zehn Jahre erfolgreich im Luftfrachtgeschäft gearbeitet und wussten genau, wie Cargo in China funktioniert“, erinnert sich Yang. Also gründete er Anda Shun, nahm seine Mitarbeiter mit und baute einen eigenen Kundenstamm auf.

„Wer in China in der Luftfracht aktiv sein will, braucht genaue Kenntnisse der erforderlichen Prozesse“, so der Firmenchef. „Das ist kein Selbstgänger. Man muss extrem viel lernen, Vertrauen bei allen Beteiligten aufbauen und die Genehmigungen der maßgeblichen Institutionen haben.“Heute verlassen sich auf das Anda Shun-Know-how drei Kundenkategorien: Rund 40 Prozent des Umsatzes kommt von kleineren und mittleren Spediteuren aus China, die selbst keine „Class-A“-Lizenz haben und nicht die erforderlichen Zertifikate von Wirtschafts- und Verkehrsministerium mitbringen, aber immer wieder internationale Luft- und Seefracht­lösungen benötigen. 

 

Rund 30 Prozent des Geschäfts wird in Kooperation mit Partnern in Übersee erwirtschaftet, mit denen Anda Shun rund 200 Länder weltweit abdeckt. Das sind in der Regel mittelständische ausländische Spediteure ohne eigenes Netzwerk in China. Die verbleibenden 30 Prozent schließlich machen ­Industriekunden aus, zum Beispiel Hersteller von Unterhaltungselektronik, Textilien, Möbeln oder Baumarktartikeln.Für seine Kunden übernimmt Anda Shun nicht nur die Verzollung von Luft- und Seefrachtsendungen, sondern bietet auch weiterreichende Services an – darunter Lagerung, Trucking, wenn gewünscht, bis vor die Haustür, Teilladungsverkehre, Express und internationales Supply Chain Management. Luftfracht spielt eine Schlüsselrolle für den Erfolg der Firma, die in diesem Geschäftsfeld 70 bis 80 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet. 2015 hat Anda Shun 35.000 Tonnen Luftfracht aus China exportiert. Das entsprach rund 59.000 AWBs, die Einnahmen in Höhe von etwa einer halben Milliarde Yuan (rund 68 Millionen Euro) generierten. 

Zielmarkt Nummer eins für Anda Shun-Luftfrachtexporte ist die EU. „Lufthansa Cargo ist deswegen ein sehr wichtiger Carrier für uns“, sagt Gerry Yang. „Meinen Kunden ist es keineswegs egal, mit welcher Airline ihre Sendungen transportiert werden. Natürlich müssen Preis und Leistung stimmen. Aber es geht gerade bei unseren kleineren und mittleren Kunden auch um das Image eines Carriers.“ 
Chinesische Shipper sind oft extrem qualitätsbewusst bei der Auswahl ihrer Dienstleister, berichtet Gerry Yang. „Das hat damit zu tun, dass viele Unternehmen, die Luftfrachtlösungen brauchen, verhältnismäßig junge Firmen sind, die schnell wachsen und sich bei ihren Geschäftspartnern und Kunden Vertrauen aufbauen müssen. Wenn ihre Kunden dann sehen, dass Lufthansa Cargo ihre Sendungen transportiert und sie sich diesen Premiumcarrier leisten, dann schafft das diesen wichtigen Vertrauensvorschuss“, erläutert Yang. „Auch für uns als relativ junger Spediteur ist es ein wichtiges Signal nach außen, dass wir Business Partner der Lufthansa Cargo sind, und deswegen arbeiten wir daran, mittelfristig Premium ­Partner zu werden.“ 

Maximale Verlässlichkeit.
Aber es geht nicht nur um den Status, Anda Shun braucht häufig auch die besondere Leistungsfähigkeit von Lufthansa Cargo. 

Beispiel Bauwirtschaft: Bei großen Projekten wie der Errichtung eines Businesshotels irgendwo in Europa agiert Anda Shun in vielen Fällen als eng eingebundener Logistikpartner. Da kann es schon einmal vorkommen, dass die Badezimmerarmaturen irgendwo in China produziert werden und für mehrere Hundert Hotelzimmer innerhalb eines engen Zeitfensters angeliefert werden müssen. „Bis kurz vor Schluss ändert sich hier immer noch mal etwas“, erzählt Gerry Yang. „Zusammen mit Lufthansa Cargo können wir hier stets maximale Verlässlichkeit und 100-prozentige Transparenz auf der Kosten- und Zeitschiene gewährleisten.“

Neben solchen Aufträgen, die ein enges IT-gestütztes Monitoring und flexibles Supply Chain Management erfordern, sind es vor allem die Chancen des E-Commerce, die Anda Shun nutzen will, um dem verlangsamten Wachstum und der zunehmenden Konkurrenz in China etwas entgegenzusetzen. Gerry Yang: „Schon heute sind wir in der Lage, den B2C-Onlineplattformen neben der reinen Luftfracht auch eine To-door-Anlieferung für jede einzelne Sendung anzubieten, bis hinunter auf die Größe eines einzelnen Pakets.“ Wenn es sein muss, nutzt Anda Shun dabei td.Flash oder notfalls auch Courier.Solutions oder Emergency.Solutions von Lufthansa Cargo. „,Anda Shun‘ bedeutet im Chinesischen eine ,sichere und geschmeidige Lieferung‘ – alle Prozesse bei Lufthansa Cargo entsprechen dem.“
Das beginnt schon bei der Pünktlichkeit der Frachter. In Guangzhou ist die Anda Shun-Sendung mit den Produkten des Internethändlers mittlerweile sicher in einer MD-11 verstaut. Der dreistrahlige Frachter rollt zur Startbahn und hebt ab – und wird genau 14 Stunden und zehn Minuten später in Frankfurt landen. So kann ein Paketbote wenige Tage nach Bestellung einem aufgeregten europäischen Internetkunden seine neue Smartwatch überreichen. 

 

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Fotos:

Gareth Brown

planet 02/2016