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Grünes Licht!

Lufthansa Cargo ist in der Branche Vorreiter bei der Einsparung von CO2-Emissionen – etwa durch intelligenteres und leichteres ­Fliegen. Partnerschaften wie die mit DB Schenker sind dabei ein wichtiger Faktor. Zwei Umweltmanagerinnen geben Einblicke.

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Ob Werkzeug oder Wasserflasche: Alles muss raus. Friedemann Schaude freut sich schon auf diesen Termin. Der Ehrgeiz des Lufthansa Cargo-Piloten ist es, den Flieger möglichst schlank zu machen. 

„Wir werden jedes bewegliche Teil ausbauen, es wiegen, und jedes ­einzelne Stück hinterfragen. Jede Abteilung, ob Technik oder Catering, muss dann begründen, warum es wieder an Bord soll.“

Um die 50 Kilogramm, so hofft der Flugkapitän, könne das „Clear-out“ die MD-11 erleichtern. Eine Menge, wenn man bedenkt, dass jedes Kilogramm aufs Jahr gesehen etwa 3,5 Tonnen Kerosin und entsprechend rund elf Tonnen Kohlendioxid einspart. Bei jährlich 14.500 Flügen kommen so mehr als 50.000 Tonnen Sprit und 159.000 Tonnen CO2 zusammen.

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Andrea Dorothea Schön ist von den Zahlen beeindruckt. Die Managerin Environment and Green Logistics bei DB Schenker nimmt einen Würfel mit acht grünen Symbolen, darunter ein Flugzeug, in die Hand. Sie sitzt im Zimmer ihrer Kollegin Bettina Jansen, Head of Environmental Management bei Lufthansa Cargo. Nach Frankfurt ist sie gekommen, um sich mit Bettina Jansen auszutauschen und sich selbst ein Bild zu machen vom Umweltengagement bei Lufthansa Cargo. Der „Umweltwürfel“, von Jansen entwickelt, symbolisiert den strategischen Rahmen für eine kontinuierliche Verbesserung der Umweltperformance bei Lufthansa Cargo. Jedes Zeichen des Würfels steht für ein Handlungsfeld, dessen Ziele regelmäßig auf das Erreichte überprüft und mit neuen Maßnahmen hinterlegt werden. Noch mehr allerdings als der Flieger hat ein grüner Fußabdruck, der für Datentransparenz steht, Schöns Aufmerksamkeit ist geweckt.

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DB Schenker, einer der führenden Anbieter für integrierte Logistik, berät seine Kunden auch bei ihren Anstrengungen zum Klimaschutz. Wie viel CO2 beim Transport eines Frachtstücks emittiert wird, rückt immer stärker in den Fokus.

Die Höhe der Emissionen entscheidet mit über die Wahl des Transportwegs und des Carriers. „Unsere Kunden wollen wissen, wie viel CO2 auf dem Transport entsteht“, sagt Andrea Dorothea Schön.

Die Werte gehen ein in die Berechnung der Klimabilanz des Endprodukts. Lufthansa Cargo gehört dabei zu den bevorzugten Carriern des Logistikriesen. „Auch wenn es bei der Berechnung noch viele Schwächen gibt: Lufthansa Cargo ist eine der ganz wenigen Frachtairlines, die belastbare Daten liefern“, unterstreicht Schön.

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Von 781 auf 499 Gramm pro Tonnenkilometer sanken die spezifischen Kohlendioxid-Emissionen der Frachterflotte zwischen 1996 und 2012. Bis 2020 sollen die Werte gegenüber 2005 um 25 Prozent sinken. „Nahezu zehn Prozentpunkte sind bereits erreicht“, sagt Bettina Jansen.

Die fünf neuen Frachter vom Typ Boeing 777, von denen die ersten beiden noch in diesem Jahr in Dienst gestellt werden, reduzieren die Emissionen weiter. Effizientere Triebwerke, Nanotechnologie bei der Flugzeuglackierung oder auch die regelmäßige Triebwerkswäsche spielen dabei eine wichtige Rolle.

Trotz aller technischen Maßnahmen: Wie effizient und wie verbrauchsarm geflogen wird, hängt wesentlich von den Piloten ab. „Wir sind zuständig für das Fliegen, von der Spritbestellung bis zum Verbrauch unterwegs, und tragen deshalb eine große Verantwortung, die uns allen bewusst ist“, sagt Kapitän Schaude, der als Ausbilder seine Kollegen in das umwelt- und ressourcenschonende Fliegen einweist. 

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So kann der Pilot sich aktiv darum bemühen, die günstigste Startbahn zu bekommen. „In Frankfurt kann es 200 bis 500 Kilogramm Sprit kosten, wenn ich aufgrund einer ungünstigen Startrichtung eine längere Abflugroute fliegen muss“, sagt Schaude.

Das spritsparende Fliegen setzt sich fort mit der genauen Startdatenberechnung, dem frühestmöglichen Einstieg in die optimale Steiggeschwindigkeit, die Wahl der richtigen Reiseflughöhe, dem Erfragen von Abkürzungen bei der Luftaufsicht oder dem möglichst späten Verlassen der Reisehöhe, damit der Sinkvorgang kontinuierlich eingeleitet werden kann. Insgesamt 61 Maßnahmen listet das Fuelsaving-Programm auf. Eine der wichtigsten Stellschrauben ist die Kerosinbestellung: Die Piloten legen fest, wie viel Extrasprit für mögliche Warteschleifen oder Ausweichlandungen getankt wird. „Diesen Wert haben wir von durchschnittlich 2,7 auf 1,1 Tonnen pro Flug verringern können“, berichtet Schaude.

Gut 600.000 Tonnen Kerosin verbraucht Lufthansa Cargo im Jahr. Ein Prozent Spritersparnis, also 6.000 Tonnen, erhofft sich der Flugkapitän von der Einführung des „Flight Ops Analysers“ 2014. Das System erfasst die Flugdaten, wertet sie am Ende des Flugs aus und gibt den Piloten eine Rückmeldung, ob ihre Entscheidungen hinsichtlich des Spritsparens optimal waren oder nicht. „Diese Information fehlte uns bisher“, so Schaude. Die anonymisierten Daten werden allen Piloten zur Verfügung gestellt und gehen in die künftige Flugplanung mit ein.

Das „Weight Watching“ bleibt der unmittelbare Hebel zur Verringerung des Treibstoffverbrauchs. Das gilt auch für die Lademittel. Bis Mitte des Jahres wird der komplette Bestand an herkömmlichen Kleincontainern aus Aluminium, mehr als 5.000 Stück, durch Leichtgewichte aus Verbundstoffen ersetzt sein, die rund 13 Kilogramm weniger auf die Waage bringen. Umgerechnet auf Kerosin und CO2 bedeutet dies: 2.160 Tonnen beziehungsweise 6.800 Tonnen pro Jahr weniger. Das entspricht 50 Flügen von Frankfurt am Main nach Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die zweite Generation der Lightweight-Container ist schon in Arbeit. „Jetzt geht es um die Alu-Bodenplatte. Wenn wir die durch leichteres Material ersetzen können, wäre das nochmals ein großer Schritt“, sagt Martin Krämer, Marketingchef bei der Lufthansa Cargo-Tochter Jettainer, die das Lademittel-Management organisiert. Ebenfalls in Vorbereitung: Lightweight-Paletten.

Abspecken und Reduzieren ist auch das Thema von Harald Eggenweiler. „Wir haben massive Qualitätsverbesserungen erzielen können“, sagt der Teamleiter lokale Lademittel bei Lufthansa Cargo. Fielen 2010 noch 1.071 Tonnen Abfall für die Beseitigung an, waren es 2011 nur noch 806 Tonnen. In die Wiederverwertung gingen 2.282 Tonnen – 237 Tonnen mehr als 2010. Und zwar bei wachsender geflogener Tonnage.
    
Wie das geht, ist auf dem Recyclinghof und an den Mülltrennungspunkten in den Frachthallen zu beobachten. Dort hängen gelbe Schilder mit Aufschriften für die einzelnen Stoffe über den Gitterboxen. „Wir haben die Trennungstiefe deutlich erhöht und unterscheiden heute neben Restmüll zwischen sechs Fraktionen: Holz, Kunststoffe, Metall, Papier, Styropor und Folie“, erklärt Eggenweiler. Bunte und transparente Folie wird dabei getrennt gesammelt – und weiterverkauft. Das rechnet sich: Der Ertrag aus wiederverwertbaren Materialien stieg zwischen 2010 und 2011 um beachtliche 84 Prozent. „Früher war die Entsorgung ein Kostenfaktor. Mittlerweile schreiben wir eine schwarze Null“, sagt Eggenweiler nicht ohne Stolz.

Andrea Dorothea Schön nimmt wieder den Umweltwürfel in die Hand und zeigt auf das Symbol für Partnerschaften. „Das Thema Umwelt in der Luftfracht ist sehr komplex. Ich bin schon positiv überrascht, was hier alles gemacht wird“, sagt sie. Gemeinsam mit Bettina Jansen will die Umweltmanagerin in einem Kundenprojekt Optimierungspotenzial bei der Supply Chain ausloten. Auch dabei geht es um die Bilanzierung von Emissionen während des Transports – und wie sie sich möglichst vermeiden lassen.   

www.dbschenker.com

Klimakonferenz.
Wie sehen Experten die Zukunft der Luftfracht angesichts des Klimawandels? Welche Ansätze bringen Wissenschaftler und Politik in die Diskussion? Im Rahmen der dritten „Cargo Climate Care Conference“ (24. April 2013, Frankfurt a. M.) lädt Lufthansa Cargo ein, gemeinsam mögliche Szenarien zu diskutieren und umsetzungs­orientierte Anregungen für die Praxis zu erarbeiten. Im Rahmen der Konferenz wird auch der Cargo Climate Care Award für die innovativsten Ideen zur Verbesserung der Klimabilanz im Luftfrachtverkehr verliehen.

www.lufthansa-cargo.de/green

Fotos:

Jörg Ladwig

planet 1/2013

Gut 600.000 Tonnen Kerosin verbraucht Lufthansa Cargo im Jahr. Ein Prozent Spritersparnis, also 6.000 Tonnen, erhofft sich der Flugkapitän von der Einführung des „Flight Ops Analysers“ 2014. Das System erfasst die Flugdaten, wertet sie am Ende des Flugs aus und gibt den Piloten eine Rückmeldung, ob ihre Entscheidungen hinsichtlich des Spritsparens optimal waren oder nicht. „Diese Information fehlte uns bisher“, so Schaude. Die anonymisierten Daten werden allen Piloten zur Verfügung gestellt und gehen in die künftige Flugplanung mit ein.

Das „Weight Watching“ bleibt der unmittelbare Hebel zur Verringerung des Treibstoffverbrauchs. Das gilt auch für die Lademittel. Bis Mitte des Jahres wird der komplette Bestand an herkömmlichen Kleincontainern aus Aluminium, mehr als 5.000 Stück, durch Leichtgewichte aus Verbundstoffen ersetzt sein, die rund 13 Kilogramm weniger auf die Waage bringen. Umgerechnet auf Kerosin und CO2 bedeutet dies: 2.160 Tonnen beziehungsweise 6.800 Tonnen pro Jahr weniger. Das entspricht 50 Flügen von Frankfurt am Main nach Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die zweite Generation der Lightweight-Container ist schon in Arbeit. „Jetzt geht es um die Alu-Bodenplatte. Wenn wir die durch leichteres Material ersetzen können, wäre das nochmals ein großer Schritt“, sagt Martin Krämer, Marketingchef bei der Lufthansa Cargo-Tochter Jettainer, die das Lademittel-Management organisiert. Ebenfalls in Vorbereitung: Lightweight-Paletten.

Abspecken und Reduzieren ist auch das Thema von Harald Eggenweiler. „Wir haben massive Qualitätsverbesserungen erzielen können“, sagt der Teamleiter lokale Lademittel bei Lufthansa Cargo. Fielen 2010 noch 1.071 Tonnen Abfall für die Beseitigung an, waren es 2011 nur noch 806 Tonnen. In die Wiederverwertung gingen 2.282 Tonnen – 237 Tonnen mehr als 2010. Und zwar bei wachsender geflogener Tonnage.

Wie das geht, ist auf dem Recyclinghof und an den Mülltrennungspunkten in den Frachthallen zu beobachten. Dort hängen gelbe Schilder mit Aufschriften für die einzelnen Stoffe über den Gitterboxen. „Wir haben die Trennungstiefe deutlich erhöht und unterscheiden heute neben Restmüll zwischen sechs Fraktionen: Holz, Kunststoffe, Metall, Papier, Styropor und Folie“, erklärt Eggenweiler. Bunte und transparente Folie wird dabei getrennt gesammelt – und weiterverkauft. Das rechnet sich: Der Ertrag aus wiederverwertbaren Materialien stieg zwischen 2010 und 2011 um beachtliche 84 Prozent. „Früher war die Entsorgung ein Kostenfaktor. Mittlerweile schreiben wir eine schwarze Null“, sagt Eggenweiler nicht ohne Stolz.

Andrea Dorothea Schön nimmt wieder den Umweltwürfel in die Hand und zeigt auf das Symbol für Partnerschaften. „Das Thema Umwelt in der Luftfracht ist sehr komplex. Ich bin schon positiv überrascht, was hier alles gemacht wird“, sagt sie. Gemeinsam mit Bettina Jansen will die Umweltmanagerin in einem Kundenprojekt Optimierungspotenzial bei der Supply Chain ausloten. Auch dabei geht es um die Bilanzierung von Emissionen während des Transports – und wie sie sich möglichst vermeiden lassen.   

www.dbschenker.com

Klimakonferenz.
Wie sehen Experten die Zukunft der Luftfracht angesichts des Klimawandels? Welche Ansätze bringen Wissenschaftler und Politik in die Diskussion? Im Rahmen der dritten „Cargo Climate Care Conference“ (24. April 2013, Frankfurt a. M.) lädt Lufthansa Cargo ein, gemeinsam mögliche Szenarien zu diskutieren und umsetzungs­orientierte Anregungen für die Praxis zu erarbeiten. Im Rahmen der Konferenz wird auch der Cargo Climate Care Award für die innovativsten Ideen zur Verbesserung der Klimabilanz im Luftfrachtverkehr verliehen.

www.lufthansa-cargo.de/green

 

Fotos:

Jörg Ladwig

planet 1/2013