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4G am Nordpol.

Thales Alenia Space fertigt in Cannes Telekommunikationssatelliten der nächsten Generation. Von dort transportieren ­Spediteur Daher und Lufthansa Cargo die High­tech-Trabanten nach Amerika. Beim „planet“-Ortstermin hat sich Lufthansa Cargo Vertriebsvorstand Alexis von Hoensbroech die Produktion ganz genau angeschaut.

Alexis von Hoensbroech  lässt sich von Denis Allard (l.), Vice President des Iridium-NEXT-Projekts bei Thales Alenia Space, und der Größe der Satelliten beeindrucken.

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Ob bei der Expedition in die Antarktis, an Bord eines Schiffes in polaren Gewässern oder im Flugzeug bei der Überquerung abgelegener Regionen – eines ist nicht mehr wegzudenken: das Satellitentelefon. Vier Anbieter haben sich dafür am Markt etabliert, ganz vorn mit dabei: Iridium Communications Inc. Die Anfänge gehen zurück bis 1998. Damals entstand das Motorola-Tochterunternehmen Iridium SSC als reiner Telefondienst.

Geänderte Rahmenbedingungen und bessere Technik gaben dann den Ausschlag, einen „reboot“ zu wagen – als Qualitäts-Provider für satellitengestützte Sprach- und Datendienste. Heute ist Iridium an der Nasdaq gelistet und bedient Hunderttausende Kunden zur See, in der Luft und auf der Erde. Hintergrund des Erfolgs: die Kombination von Erfahrung langjähriger Mitarbeiter mit zukunftsweisenden Ideen aus dem „Space 2.0“-Umfeld.

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Die Zukunft heißt Iridium NEXT – die künftig weltgrößte erdnahe Konstellation von Telekommunikationssatelliten. Je elf Satelliten in sechs Umlaufbahnen werden das bisherige System ersetzen und neue Funktionalitäten im mobilen Service hinzufügen.

Satelliten hat Iridium in Auftrag gegeben: 66, die das Netzwerk bilden, sechs im Orbit befindliche Ersatzsatelliten und neun weitere als Reserve am Boden. Produzent ist das südfranzösische Unternehmen Thales Alenia Space. Bescheiden wirkt der Firmensitz an der französischen Riviera, unweit des Stadtzentrums von Cannes. Kaum lässt sich vermuten, welch hohe Technologie sich hinter den Mauern verbirgt.

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Logistische Höchstleistung für eine pünktliche Lieferung.

Ein Blick in den Clean Room, die Fertigungsanlage des Unternehmens, erzählt viele spannende Geschichten: von Satelliten, gebaut zur Erkundung des Mars. Von Solarsonden, so lang wie ein Kleinflugzeug. Von Raumflugkörpern, nur gebaut dafür, auf unserem Planeten die Telekommunikation sicherzustellen. Nicolas Poggioli ist Produktionsleiter der Iridium-Satelliten bei Thales Alenia Space. Heute gibt er Einblick in seine Tätigkeit und hat dabei einen besonders begeisterten Gast: Alexis von Hoensbroech, Vorstand Produkt und Vertrieb bei Lufthansa Cargo.

Zwei mächtige Container stehen im 15.000 Quadratmeter großen Reinraum bereit, um die nächsten zwei Iridium-Satelliten per Luftfracht unbeschadet nach Gilbert, Arizona, zu bringen. Den Transport übernimmt die Spedition Daher, ausführende Fluggesellschaft ist Lufthansa Cargo. Wirtschaftliches Interesse ist bei Alexis von Hoensbroech damit schnell begründet – doch vor allem hat er auch ein privates und eher wissenschaftlich motiviertes Interesse. Als promovierter Astrophysiker wird für ihn ein Kindheitstraum wahr: „Einmal einen echten Satelliten aus der Nähe sehen.“

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Davon gibt es in der Fertigungsanlage bei Thales Alenia Space mehr als genug. Satelliten für die Navigation – Thales war maßgeblich beim Bau der GALILEO-Satellitennavigation beteiligt –, Satelliten für die Erfassung von Wetterdaten, ebenso wie jene für die Wissenschaft. Nicht zuletzt: Satelliten für die Telekommunikation. Derzeit werden die ersten zwei Iridium-NEXT-Satelliten in die Erdumlaufbahn transportiert und zunächst ins alte Iridium-System eingefügt. An Bord von SpaceX-Falcon-9-Raketen, US-amerikanischen Trägerraketen, sollen dann sukzessive die verbleibenden 70 Satelliten in den Orbit geschickt werden – immer je zehn an Bord. Läuft alles nach Plan, dann wird das Projekt 2017 erfolgreich abgeschlossen. Dann werden sich alle 72 Satelliten in ihrer Umlaufbahn befinden und auch an den entlegensten Flecken der Erde Internet- und Telekommunikation sicherstellen.

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Für Thales Alenia Space und seine Dienstleister bedeutet dieser ehrgeizige Plan vor allem eines: produktionstechnische und logistische Höchstleistung. „Bis Ende 2015 haben wir monatlich einen Satelliten hergestellt, seit Anfang 2016 sind es drei Satelliten im Monat, und ab dem Sommer steigt die Zahl auf fünf, um die strenge Deadline zu halten“, erklärt Poggioli. Im Durchschnitt muss wöchentlich ein Satellit von Cannes über Frankfurt ins amerikanische Gilbert transportiert werden. Dort erhalten die Satelliten ihre endgültige Konfiguration und werden im Werk des Raumfahrtunternehmens Orbital ATK getestet.

Als Transportlösung hat Thales Alenia Space eigens übergroße Kühlcontainer gefertigt. Die Megamaße: 450 Zentimeter Länge, 244 Zentimeter Breite und 230 Zentimeter Höhe. Spezielle Kühl-Lkw sind vonnöten, um die Container unbeschadet nach Frankfurt zu bringen. Dort angekommen geht es mit Lufthansa Cargo weiter nach Los Angeles, wo wiederum ein nur dafür kreierter Truck den Weg nach Arizona übernimmt. Stellt sich nur die Frage: Müssen Satelliten gekühlt werden?

„Ein klassisches Missverständnis“, lacht Francis Couillault. Der ­56-Jährige ist Executive Operations Manager beim Logistikdienstleister Daher – und damit Herr über die Supply Chain. „Vielmehr geht es bei dieser sensi­blen Ware darum, dass sie temperaturgeführt transportiert wird, eine bestimmte Temperaturspanne also die ganze Zeit beibehalten wird.“ Weitere wichtige Anforderungen an die maßgeschneiderten Container: Schocksensibilität und die Neutralisierung weiterer äußerer Einflüsse wie zum Beispiel Verschmutzung.

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Reaktionsschnelligkeit, Effizienz und Qualität sind Erfolgsfaktoren.

„Die umfassende Erfahrung, die Lufthansa Cargo beim Transport von temperaturgeführter Ware bietet, und das hauseigene Cool Center in Frankfurt machen Lufthansa Cargo für uns zum perfekten Partner für die Transporte“, erklärt Couillault. Für Denis Allard, Vice President des Iridium-NEXT-Projekts bei Thales Alenia Space, war es wichtig zu wissen, bei welcher Airline seine ­Satelliten geflogen werden: „Für uns ist es essenziell, nachverfolgen zu können, wie die Fluggesellschaft mit unseren sensiblen Frachtstücken umgeht. Die Partnerschaft zwischen Daher und Lufthansa Cargo hat uns überzeugt, denn neben Pünktlichkeit und Qualität legen wir großen Wert auf Reaktionsschnelligkeit, Anpassungsfähigkeit, Effizienz und Professionalität.“

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Dass der Frachtkranich dies leisten kann, hatte Verkäufer Philippe Bourry von Lufthansa Cargo bereits vor Vertragsabschluss zugesichert – und mit den Kollegen des Cool-Teams in Frankfurt längst auch bewiesen. „Der direkte Einblick in die Produktion schafft dennoch ein grundlegendes Verständnis, das bei Gesprächen am Schreibtisch oftmals ausbleibt“, so der 48-Jährige. Alexis von Hoensbroech stimmt zu: „Der persönliche Austausch mit dem Endkunden ist ein Gewinn. So können wir uns und unser Produktangebot spezifisch weiterentwickeln und unsere Prozesse und Angebote, soweit nötig, schnell und präzise anpassen.“

Das ist Thales Alenia Space für mich:
Thales Alenia Space ist zentraler Akteur in der Erforschung unseres Universums. Als europäischer Marktführer im Bereich Satelliten­navigation nimmt Thales Alenia Space eine Schlüsselrolle ein bei der Entwicklung neuester Technologien.

Das hat mich beeindruckt:
Hingabe und höchste Qualitäts­ansprüche. Bei meinem Besuch war eines klar: Jeder, der Hand an diese Satelliten legt, tut dies mit größter Hingabe an die Arbeit. Eine fantastische Qualität resultiert daraus.

Das nehme ich mit:
Als studierter Astrophysiker ist für mich ein Traum wahr geworden, einem Satelliten bei seiner „Geburt“ zu sehen. Es ist faszinierend zu wissen, welchen Mehrwert die Technologien von Thales für uns alle bringen, wie jeder Mensch von dieser Forschung profitiert – sei es über Wetterdaten, Navigation oder Telekommunikation.

 

Photos:

Bernhard Huber, Jürgen Mai

planet 01/2016