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Verantwortung tragen.

Die „Konnichiwa Japan“ ist um 13.30 Uhr gelandet, sie hat Frankfurt aus Schanghai erreicht. Jetzt, eine gute Stunde später, werden die letzten Paletten entladen. Der Lufthansa Cargo Frachter, eine Boeing 777F, ist erst im Frühjahr in Dienst gestellt worden. Ein aktueller Beweis dafür, dass es der Frachtkranich ernst damit meint, seine CO₂-Bilanz weiter zu verbessern. Denn eine moderne Flotte ist für eine Airline der wichtigste Stellhebel. Die „Triple Seven“ ist der derzeit kraftstoffeffizienteste Frachter seiner Klasse – und damit das beste Argument für Bettina Jansen.

Die Diplom-Physikerin ist Head of Corporate Responsibility and Environmental Management bei Lufthansa Cargo. Heute ist sie aufs Vorfeld gekommen, um die „Konnichiwa Japan“ in Augenschein zu nehmen. Mit dabei ist Andrea Dorothea Schön, Senior Manager Climate & Clean Air Management beim Forwarder DB Schenker, der zu den großen Kunden der Airline zählt. Bettina Jansen hat sie – wie schon einmal vor sechs Jahren – zum „Umwelt-Rundgang“ bei Lufthansa Cargo auf den Frankfurter Flughafen eingeladen.

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Für das Effizienz-Potenzial der B777F entscheidend sind – neben der Leichtbauweise oder auch den aerodynamisch optimierten Tragflächen – die beiden riesigen Triebwerke vom Typ GE90-110. „Sie sind die größten und leistungsfähigsten in der zivilen Luftfahrt – und dabei verbrauchsarm und leise“, sagt Triple-Seven-Pilot Benjamin Kedziora. Er hat die beiden Managerinnen in „seiner“ Maschine empfangen.

Big Data für kleineren Fußabdruck.

Im Cockpit erklärt Kedziora, wie die Flugweise zusätzlich Kerosin sparen kann: „Nach dem Abheben zum Beispiel fahren wir die Startklappen so früh wie möglich ein. Das senkt den Luftwiderstand.“ Zur Vorbereitung nutzen die Piloten die unter Beteiligung von Lufthansa Cargo entwickelte Big-Data-Software OMEGA (Ops Monitor and Efficiency Gap Analyzer). Sie nutzt während der Flüge gesammelte Daten, um den Treibstoffverbrauch systematisch zu analysieren. Das hilft, Kerosin einzusparen und den CO₂-Ausstoß zu senken. Allein im ersten Nutzungsjahr wurden rund 10.000 Tonnen weniger vom Schadstoff ausgestoßen.

Die spezifischen CO₂-Emissionen der Triple Seven habe Boeing gegenüber der MD-11F, die von 2005 bis November 2013 beim Frachtkranich ausschließlich genutzt wurde, um 17 Prozent niedriger beziffert, sagt Bettina Jansen. „Aber durch den optimalen Einsatz der Maschine in unserem Netz, zu dem auch eine Software wie OMEGA beiträgt, liegen wir bei über 20 Prozent.“ Solche konkreten Zahlen zu erfahren sei den Kunden zunehmend wichtig – eine Aussage, die Andrea Dorothea Schön bestätigt.

Wichtigste Zahl ist die CO₂-Effizienz einer Airline. „Hier gilt die Einheit g/tkm: Wir errechnen, wie viel CO₂ pro transportierter Tonne Fracht verursacht wird“, so Jansen. Lag dieser Wert im Jahr 2005 bei 549 g/tkm, betrug er 2018 noch 462 g/tkm. „Das sind 15,8 Prozent weniger.“ Ende 2020 soll der Wert um 25 Prozent reduziert sein, womit das aktuelle Umweltziel erreicht wäre. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die voranschreitende Modernisierung der Frachterflotte. Zu ihr gehören schon jetzt sieben Triple Seven, in Zukunft werden bei Lufthansa Cargo ausschließlich hocheffiziente zweistrahlige Maschinen fliegen.

Datentransparenz, wie sie CO₂-Reports schaffen, ist eines von acht Handlungsfeldern der Lufthansa Cargo Umweltstrategie. Bettina Jansen und ihr Team haben diese konzipiert, in den Prozessen verankert und aktualisieren sie nach wie vor stetig. Zu diesen Handlungsfeldern gehören das beschriebene „Green Flying“ mit der Triple Seven oder auch das Kompensieren von entstandenen Emissionen. „Wobei gegenüber dem ‚Offsetting‘ das ,Insetting‘, also Reduzierung aus eigener Kraft, zu bevorzugen ist“, so Andrea Dorothea Schön – was Zustimmung bei Bettina Jansen findet. Wachstumsbedingte Emissionen wird Lufthansa Cargo aber in jedem Fall ab 2020 im Rahmen des internationalen Klimaschutzinstruments CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) kompensieren.

Ebenfalls im Fokus steht das anfangs in Deutschland und nun weltweit nach der Norm ISO 14001 zertifizierte Umweltmanagementsystem (UMS). „Das war für uns lange ein Differenzierungsmerkmal“, sagt Jansen. „Heute wird es von den Kunden erwartet. Wobei die weltweite Zertifizierung nach wie vor etwas Besonderes ist.“ Kein Wunder, verfolgen doch viele Forwarder selbst ambitionierte Klimaschutzziele, nicht zuletzt angespornt von den Shippern. „Wir wollen bei allen Verkehrsträgern unseren Beitrag zum Ziel der Deutsche Bahn AG leisten, die spezifischen CO₂-Emissionen von 2006 bis 2030 um 50 Prozent zu senken“, sagt Schön. Luftfracht mache am CO₂-Fußabruck von DB Schenker mehr als 50 Prozent aus. Deshalb registrieren die Managerin und ihre Mitstreiter genau, welche Schritte die Carrier unternehmen – und welche Fortschritte sie erzielen.

Big Data für kleineren Fußabdruck.

Im Cockpit erklärt Kedziora, wie die Flugweise zusätzlich Kerosin sparen kann: „Nach dem Abheben zum Beispiel fahren wir die Startklappen so früh wie möglich ein. Das senkt den Luftwiderstand.“ Zur Vorbereitung nutzen die Piloten die unter Beteiligung von Lufthansa Cargo entwickelte Big-Data-Software OMEGA (Ops Monitor and Efficiency Gap Analyzer). Sie nutzt während der Flüge gesammelte Daten, um den Treibstoffverbrauch systematisch zu analysieren. Das hilft, Kerosin einzusparen und den CO₂-Ausstoß zu senken. Allein im ersten Nutzungsjahr wurden rund 10.000 Tonnen weniger vom Schadstoff ausgestoßen.

Die spezifischen CO₂-Emissionen der Triple Seven habe Boeing gegenüber der MD-11F, die von 2005 bis November 2013 beim Frachtkranich ausschließlich genutzt wurde, um 17 Prozent niedriger beziffert, sagt Bettina Jansen. „Aber durch den optimalen Einsatz der Maschine in unserem Netz, zu dem auch eine Software wie OMEGA beiträgt, liegen wir bei über 20 Prozent.“ Solche konkreten Zahlen zu erfahren sei den Kunden zunehmend wichtig – eine Aussage, die Andrea Dorothea Schön bestätigt.

Wichtigste Zahl ist die CO₂-Effizienz einer Airline. „Hier gilt die Einheit g/tkm: Wir errechnen, wie viel CO₂ pro transportierter Tonne Fracht verursacht wird“, so Jansen. Lag dieser Wert im Jahr 2005 bei 549 g/tkm, betrug er 2018 noch 462 g/tkm. „Das sind 15,8 Prozent weniger.“ Ende 2020 soll der Wert um 25 Prozent reduziert sein, womit das aktuelle Umweltziel erreicht wäre. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die voranschreitende Modernisierung der Frachterflotte. Zu ihr gehören schon jetzt sieben Triple Seven, in Zukunft werden bei Lufthansa Cargo ausschließlich hocheffiziente zweistrahlige Maschinen fliegen.

Datentransparenz, wie sie CO₂-Reports schaffen, ist eines von acht Handlungsfeldern der Lufthansa Cargo Umweltstrategie. Bettina Jansen und ihr Team haben diese konzipiert, in den Prozessen verankert und aktualisieren sie nach wie vor stetig. Zu diesen Handlungsfeldern gehören das beschriebene „Green Flying“ mit der Triple Seven oder auch das Kompensieren von entstandenen Emissionen. „Wobei gegenüber dem ‚Offsetting‘ das ,Insetting‘, also Reduzierung aus eigener Kraft, zu bevorzugen ist“, so Andrea Dorothea Schön – was Zustimmung bei Bettina Jansen findet. Wachstumsbedingte Emissionen wird Lufthansa Cargo aber in jedem Fall ab 2020 im Rahmen des internationalen Klimaschutzinstruments CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) kompensieren.

Ebenfalls im Fokus steht das anfangs in Deutschland und nun weltweit nach der Norm ISO 14001 zertifizierte Umweltmanagementsystem (UMS). „Das war für uns lange ein Differenzierungsmerkmal“, sagt Jansen. „Heute wird es von den Kunden erwartet. Wobei die weltweite Zertifizierung nach wie vor etwas Besonderes ist.“ Kein Wunder, verfolgen doch viele Forwarder selbst ambitionierte Klimaschutzziele, nicht zuletzt angespornt von den Shippern. „Wir wollen bei allen Verkehrsträgern unseren Beitrag zum Ziel der Deutsche Bahn AG leisten, die spezifischen CO₂-Emissionen von 2006 bis 2030 um 50 Prozent zu senken“, sagt Schön. Luftfracht mache am CO₂-Fußabruck von DB Schenker mehr als 50 Prozent aus. Deshalb registrieren die Managerin und ihre Mitstreiter genau, welche Schritte die Carrier unternehmen – und welche Fortschritte sie erzielen.

 

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Um das weiter zu verdeutlichen, hat Bettina Jansen auch einen Stopp in der Verkehrszentrale eingeplant. Dort sitzen Experten vor zahlreichen Monitoren, auf denen sie Flugbewegungen, Wetterdaten und etliche Parameter mehr überwachen. So arbeiten sie für die Frachter die kürzestmöglichen Routen aus. „Wir berechnen auch, wie viel Treibstoff die Maschinen mitnehmen, das geht aufs Kilogramm genau“, erklärt Flugdienstberaterin Barbara Prosch. Was das bringt, rechnet Jansen vor: „Wenn wir bei jedem unserer etwa 12.000 Flüge pro Jahr nur ein überflüssiges Kilo von Bord nehmen, können wir in diesem Zeitraum 8,5 Tonnen CO₂ sparen.“

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Letzte Rundgang-Station ist das Lufthansa Cargo Center (LCC). Dort stehen etliche Standardcontainer der Lufthansa Tochter Jettainer, die aus sogenanntem Composite statt, wie lange Zeit üblich, aus Aluminium gefertigt sind. Das macht sie im Schnitt um 13 Kilogramm leichter. Bis 2020 will Lufthansa Cargo bei den Standardcontainern nur noch Lightweight-Varianten einsetzen.

Was im LCC deutlich wird: Lufthansa Cargo arbeitet auch am Boden konsequent daran, die Umweltbilanz weiter zu verbessern. Etwa durch Recycling von Verpackungsmaterial oder die Sanierung der technischen Anlagen im Gebäude. Und dann sind da noch Kufen und rechteckige Platten aus Karton. Vertrieben von einem Unternehmen nahe dem Frankfurter Flughafen, könnten sie beim Build-up künftig Holzpaletten ersetzen. In Erprobungen haben sie sich als stabil erwiesen. Zudem, und das macht sie so interessant, sind sie federleicht. Den Beweis – einmal hochheben, bitte! – erbringen Schön und Jansen an Ort und Stelle.

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Synthetische Kraftstoffe im Fokus.

Im LCC bleibt schließlich noch Zeit für einen Ausblick. Dabei sind sich die Managerinnen einig: Will die Luftverkehrsbranche ihr Langfristziel verwirklichen, CO₂-neutral zu fliegen, muss noch mehr passieren als bislang. Ein Schlüssel dazu sind alternative Kraftstoffe. Das größte Potenzial wird synthetischen Kraftstoffen zugetraut, die im Verfahren Power-to-Liquid (PTL) generiert werden: aus regenerativ erzeugtem Strom, Wasser und CO₂. „Das soll künftig in Raffinerien geschehen“, sagt Bettina Jansen. „Mit einer Anlage in Norddeutschland, die gerade im Bau ist, hat Lufthansa bereits eine Abnahmevereinbarung geschlossen, von der natürlich auch wir profitieren werden.“ Eine vielversprechende Aussicht – nicht zuletzt für den nächsten Umwelt-Rundgang.

Wiedersehen nach sechs Jahren.

Lufthansa Cargo stellt sich seit vielen Jahren seiner Verantwortung für den Klimaschutz. Nachhaltigkeit ist eines der wichtigsten strategischen Themen der Frachtairline und ihrer Kunden. Beim ersten „Umwelt-Rundgang“ von Andrea Dorothea Schön von DB Schenker und Bettina Jansen von Lufthansa Cargo im Jahr 2013 waren die größten Stellhebel zur Verringerung des Kerosinverbrauchs, der sich linear zum Ausstoß des Treibhausgases CO₂ verhält, die Verminderung des Gewichts an Bord der dreistrahligen MD-11-Frachter – zum Beispiel durch den Einsatz von Lightweight-Standardcontainern – und optimierte Anflugverfahren. Heute ist Lufthansa Cargo durch den verstärkten Einsatz ihrer neuen Boeing 777-Frachter, die mit nur zwei Triebwerken mehr Fracht über längere Strecken transportieren können, einen erheblichen Schritt weitergekommen. Hier einige Verbesserungen der letzten sechs Jahre:


Planet 2/2019

Fotos Alex Kraus

Wiedersehen nach sechs Jahren.

Lufthansa Cargo stellt sich seit vielen Jahren seiner Verantwortung für den Klimaschutz. Nachhaltigkeit ist eines der wichtigsten strategischen Themen der Frachtairline und ihrer Kunden. Beim ersten „Umwelt-Rundgang“ von Andrea Dorothea Schön von DB Schenker und Bettina Jansen von Lufthansa Cargo im Jahr 2013 waren die größten Stellhebel zur Verringerung des Kerosinverbrauchs, der sich linear zum Ausstoß des Treibhausgases CO₂ verhält,

 

die Verminderung des Gewichts an Bord der dreistrahligen MD-11-Frachter – zum Beispiel durch den Einsatz von Lightweight-Standardcontainern – und optimierte Anflugverfahren. Heute ist Lufthansa Cargo durch den verstärkten Einsatz ihrer neuen Boeing 777-Frachter, die mit nur zwei Triebwerken mehr Fracht über längere Strecken transportieren können, einen erheblichen Schritt weitergekommen. Hier einige Verbesserungen der letzten sechs Jahre:

 

Planet 2/2019

Fotos Alex Kraus