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Logistik am laufenden Band.

Jeder kennt sie. Bunt bedruckte, silbern glänzende Päckchen, in die man gekonnt einen orangefarbenen Strohhalm einsteckt. Jeder hat schon einmal versucht, laut schlürfend den letzten Tropfen aus der Packung zu ziehen. Doch wieso ist Capri-Sun weltbekannt? Jedes Jahr werden schon fast so viele Beutel verkauft, wie es Menschen auf dem Planeten gibt: sechs Milliarden. In mehr als 100 Ländern trinkt man aus den 200-Milliliter-Beuteln. Deren Ursprung liegt in Eppelheim, nahe Heidelberg. Hier werden nicht nur die Getränke in den Sorten Orange bis Monsteralarm hergestellt, sondern auch die Verpackungen. Bis heute ist Capri-Sun die einzige Getränkemarke, die sowohl Abfüllung als auch Verpackung von der Pike auf selbst entwickelt.

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Von Eppelheim aus wird der europäische Markt bedient. Auch die Lizenznehmer in Übersee erhalten die Grund- und Rohstoffe zur Herstellung des leckeren Trunks aus der Kleinstadt am Neckar. „Wir produzieren und distribuieren für mehr als 100 Länder in aller Welt. Das funktioniert nur, wenn alles Hand in Hand läuft“, erzählt Harald Rohatsch, Director Logistics bei Capri-Sun. Die logistische Meisterleistung fängt schon in den Eppelheimer Produktionshallen an. Die Abfüllung in die silbernen Päckchen erfolgt auf wenigen Metern. Ein Mitarbeiter belädt die Maschine mit Beuteln, diese werden maschinell geöffnet und mit 82 Grad Celsius heißer Capri-Sun befüllt. Nicht mal zwei Meter weiter wird der Beutel bereits luftdicht verschlossen und im Wasserbad gekühlt.

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Danach erhält die kleine Capri-Sun den typischen Trinkhalm – große Beutel den Schraubverschluss –, bevor sie vollautomatisch verpackt werden. Über einen Tunnel geht es aus dem Produktionsgebäude in die Logistikhalle. Hier spielen gelbe Greifarme Tetris. Haargenau stellen sie die Pappkisten auf ein Fließband, das vollautomatisch eine Palette packt. Dann folgt ein Bruch in der Automatikkette.

„Unsere Lkw werden von unseren Mitarbeitern mit dem Gabelstapler beladen“, erklärt Rohatsch. „Die sind schneller als jede Maschine. Wir schaffen das durchschnittlich in einer Viertelstunde. Das schnellste Verladesystem, das uns bis jetzt vorgestellt wurde, brauchte 30 Minuten.“ Rohatsch kennt die Stärken seiner Logistik. „Ich wollte immer einmal ein Lager von Anfang an mit aufbauen. Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen.“

Das 2015 eröffnete Warehouse ist ein Referenzprojekt. Hochkomplex und auch digital auf dem neuesten Stand. „In der Lebensmittelherstellung ist die jährliche IFS-Zertifizierung das Maß aller Dinge. Sie kam zügig nach der Eröffnung des Lagers, und die Logistik hat mit 100 Prozent bestanden“, erzählt Rohatsch stolz. Das zeigt den Anspruch, den Capri-Sun an sich hat, aber auch an die Partner. Nachdem die Beutel in den Lkw geladen sind, übernimmt Logistikdienstleister EMO-TRANS. 

„Lebensmitteltransporte unterliegen immer besonderen Bedingungen. Hier müssen wir uns hundertprozentig verlassen können“, so Nicole Ahrensfeld, Key Account Managerin für temperatursensible Transporte bei EMO-TRANS. „Muss es schnell gehen, kommt die Luftfracht ins Spiel.“ Das trifft im Fall von Capri-Sun vor allem auf Engpässe beim Rohstoffnachschub oder bei Sonderauflagen und Marketingaktionen zu.

„Sehr typische Ziele für Capri-Sun sind Dubai, Korea und China. Da passt das hochfrequente Netzwerk von Lufthansa Cargo perfekt“, sagt Harald Rohatsch. „Wir expandieren aber weiterhin in neue Märkte und möchten noch mehr von der Welt erobern. Hier kommt uns zugute, dass Lufthansa Cargo auch exotischere Ziele anfliegt.“

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Aber nicht nur die Reichweite ist ein wichtiges Argument für den Frachtkranich. „Eine verlässliche und transparente Kühlkette ist für den Lebensmitteltransport das A und O“, erläutert Nicole Ahrensfeld. „Versenden wir die Grundstoffe von Capri-Sun, dann verlassen wir uns auf das Fresh- oder Cool-Produkt.“ Geht es um die Nachlieferung von Maschinen oder Verpackungsmaterialien, dann fliegen die Sendungen als td.Pro oder in besonders eiligen Fällen als td.Flash. „Es ist ein tolles Gefühl, daran beteiligt zu sein, ein so bekanntes Produkt in die ganze Welt zu bringen. Egal in welchem Land ich ein Kind mit einer Capri-Sun sehe, ich muss sofort schmunzeln“, so die Logistik-Managerin. Rohatsch kann da nur lachend beipflichten.

Fotos: Matthias Aletsee

Planet 1/2018