

Der Transport von besonders wertvollen Automobilen verlangt viel Sorgfalt und jede Menge Sonderprozesse. Lufthansa Cargo hat auf diesem Gebiet über Jahrzehnte große Erfahrung gesammelt. Das zeigte sich auch bei der Überführung eines 53 Jahre alten BMW 507 Roadster nach Chicago
Man sieht ihm sofort an, dass er die Strecke am liebsten selbst fahren wü̈rde. Da ist die schnittige, schlanke Kü̈hlerhaube, unter der ein 3,2-Liter-V8-Motor mit 150 PS lauert. Da sind die eleganten Weißwandreifen, das Sportlenkrad, Polster aus rotem Leder, das silberfarbene Armaturenbrett. Dieser Oldtimer, ein BMW 507 Roadster, Baujahr 1958, ist wohl einer der schönsten Sportwagen, die je gebaut wurden.
Aber die Reise, die ihm nun bevorsteht, ist doch eine Nummer zu groß fü̈r ein Auto – es sei denn, es würde sich um ein ozeantaugliches Amphibienfahrzeug handeln: Der 507 muss nämlich von Hamburg nach Chicago.
Wie gefesselt steht der schicke BMW jetzt in Frankfurt im Lufthansa Cargo Center (LCC) auf Platz G83: Dicke Gurte, von den Ladespezialisten treffend „Strapse“ genannt, umspannen seine Reifen. Der Wagen ist so festgezurrt, dass er sich auf seiner 16-Fuß-Palette keinen Millimeter bewegen kann. Ein Wiegemeister ermittelt das Gewicht der Sendung: 2.026 Kilogramm inklusive Ladeplattform, Gurte und Schutzmaterial. Arbeiter schieben gepolsterte weiße Tü̈cher zwischen die blitzende Stoßstange und die Zurrgurte; kein Kratzer darf das Auto beschädigen. Es ist eben ein echtes Schätzchen auf Rädern, ein seltenes Exemplar der Automobilgeschichte, von dem nur rund 250 Stü̈ck gebaut wurden. Ausgeliefert wurde der BMW einst nach Caracas, Venezuela, 1961 ging er dann zurü̈ck nach Deutschland. Sein heutiger Besitzer will den Wagen gern in den Vereinigten Staaten fahren, darum tritt das Fahrzeug erneut die Reise ü̈ber den großen Teich an. Der BMW 507 Roadster fliegt mit Care/td, dem Service für Gefahrgüter von Lufthansa Cargo. Bei dem wertvollen BMW wird zusätzlich noch eine stetige Überwachung sichergestellt. Auf den rassigen Wagen sollte man in der Tat immer ein Auge haben. Er ist mit einer Million Euro versichert. Fahrzeuge werden als Gefahrgut eingestuft: So enthalten z. B. ihre Batterien Säure und ihre Tanks können noch Rückstände von Benzin enthalten. Bereits in Hamburg wurde der 507 von Lufthansa Cargo übernommen, nachdem er anhand der Checkliste für Dangerous Goods überprüft wurde. Dann wurde er nach Frankfurt getruckt. Die Gefahrgutliste begleitet den Wagen weiter bis nach Amerika.
Acht Uhr abends. Etwas verloren steht das schmucke Automobil neben Kisten und Paletten im LCC. Vor ihm surren Gabelstapler und fahren Schlepper umher. Männer in blauen Arbeitsanzü̈genprü̈fen noch einmal Verzurrungen und Verpackungen. Ein Prozesssteuerer stellt sicher, dass die Fracht zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort bereitsteht.
Es ist kurz vor Mitternacht geworden. Jetzt wird das Auto mitsamt Palette von einem Dolly zur Sicherheitsschleuse gezogen. Sie trennt die Luftfrachtbereitstellungsflächen vom Vorfeld. Fraport-Sicherheitspersonal prü̈ft die Sendung: Mitarbeiter führen lange Spiegel unter Chassis, Räder und Palette. Dann wird der Roadster zur Position 232 am Flieger geschleppt. Hell erleuchtet, flankiert von Frachtcontainern, Servicefahrzeugen, Schleppern, Tankschläuchen und Technikern, steht die Boeing 777 von AeroLogic da. Lademeister Wolfgang Klug von Lufthansa Cargo tritt in Aktion. „Jetzt muss es schnell gehen“, sagt er. „Die Maschine startet kurz nach eins. Wir machen die letzten Checks, bevor alles ins Flugzeug kommt.“ Kurze Zeit später hebt ein Main Deck Cargo Loader den BMW auf die Höhe der Frachtraumtür. Automatisch surrt der Wagen auf seiner Palette durch die mächtige Luke, dreht um die Ecke und findet seinen Platz im vorderen Drittel des Hauptdecks.
Die 16-Fuß-Palette nimmt in der 777 genau zwei Stellplätze ein. Letzte Handgriffe, der Kapitän erhält eine Notoc, Kurzform fü̈r „notificationtocaptain“, die ihn ü̈ber das Gefahrgut informiert. Um ein Uhr nachts schließen die Ladeluken, die Boeing rollt durchs Lichtermeer des Flughafens zur Startbahn.
„Ein außergewöhnlich schöner Wagen“, sagt Lademeister Klug auf dem Weg in den Feierabend. „Da werden die Amerikaner staunen, wenn der ü̈ber die Highways rollt.“