Germany

Einmal um den Genfer See

– dann muss der Rolls Royce an die Steckdose
Lufthansa Cargo fliegt den einzigen Rolls Royce mit Batterie-Antrieb von Frankfurt nach Japan

Diese Fracht war auch für die erfahrenen Logistiker bei Lufthansa Cargo nicht alltäglich. Die Frachtairline hat einen Rolls Royce zu Präsentationszwecken nach Japan geflogen, der absolut einmalig ist. Und der so auch nie in Serie gehen wird. Die zur BMW-Group gehörende britische Edelschmiede hat einen Phantom gebaut, der ausschließlich elektrisch betrieben wird. Rolls Royce möchte testen, wie die Millionärs-Klientel den Öko-Rolls Royce aufnimmt und gleichzeitig dokumentieren, dass technische Innovationen kein Alleinstellungsmerkmal japanischer Autobauer sind.  

John Lundlam ist Mädchen für alles. Er ist Bodyguard, Chauffeur, Butler und wenn es sein muss Infothek. Er weiß alles über sein „Baby“, bewacht es und fährt es höchstpersönlich am Frankfurter Flughafen vom Lkw auf die Flugzeugpalette, die später durch die riesige Ladeklappe des Lufthansa Cargo-Jets geschoben wird. 

Der erste und einzige Rolls Royce mit Elektroantrieb geht auf die Reise nach Japan. Nach der Premiere Anfang März beim Autosalon in Genf, Auftritten in Peking, Singapur und den USA sowie einer anschließenden Rundreise quer durch Europa flog der Phantom Experimental Electric (Phantom EE) mit Lufthansa ins Land der aufgehenden Sonne und anschließend weiter in den Mittleren Osten.

Ein Rolls Royce mit zwei je 145 kW Elektromotoren an der Hinterachse statt des 6,7 Liter großen V12 mit 460 PS unter der Motorhaube – das war im März die Sensation auf dem Genfer Autosalon. Zum ersten Mal konnte die Öffentlichkeit eine Luxus-Karosse mit Elektroantrieb bestaunen – nur handverlesene Menschen durften den Rolls-Royce 102 bislang fahren.

Das Fahrvergnügen ist allerdings endlich. Die längste Testfahrt führte nach Angaben von Frank Tiemann, Rolls-Royce-Sprecher für Europa, einmal rings um den Genfer See. Das waren exakt 180 Kilometer. Vielmehr hätte das unverkäufliche Auto auch kaum geschafft. Rolls Royce gibt die maximale Reichweite der in der Farbe „Atlantic Chrome“  hellblau-metallic lackierten Limousine mit 200 Kilometern an – wenn auf energiezehrende Verbraucher wie Radio, Lüftung und Klimaanlage verzichtet wird. Obwohl die Lithium-Nickel-Kobalt-Mangan-Oxid-Akkus das stolze Gewicht von 640 Kilogramm und damit fast so viel wie ein Kleinwagen auf die Waage bringen, reicht es nur für eine bescheidene Spritztour. Trotz der gigantischen Batterie leidet auch der Rolls Royce unter dem Manko aller bisher am Markt angebotenen Elektroautos – der begrenzten Reichweite.

Und weil die Batterien im 102EE extrem schwer sind – der 5,80 Meter lange Wagen wiegt mit seinen 2,7 Tonnen vier Zentner mehr als der serienmäßige V12-Benziner – ist die Zuladung auf 300 Kilogramm beschränkt. Da bleibt, wenn standesgemäß ein Chauffeur am Steuer sitzt, für die Mitreisenden nur noch das kleine Gepäck. Zwar schafft der Luxus-Stromer den Sprint auf 100 Stundenkilometer immerhin in acht Sekunden, doch bei Spitze 160 ist Schluss. Mehr lassen die Rolls Royce-Ingenieure nicht zu, weil das Auto sonst zu schnell wieder zur Stromtankstelle müsste. Dann ist erst mal lange Pause. Selbst an einem dreiphasigen Anschluss beträgt die Landezeit für den Riesen-Akku acht Stunden, an einer ordinären Haushaltssteckdose können es leicht 20 Stunden werden.

Da war der Flieger nach Japan um einiges schneller. Trotz einer Zwischenlandung im sibirischen Krasnojarsk brauchte die MD-11 der Lufthansa Cargo für die rund 9.400 Kilometer zum Flughafen Tokio Narita gerade mal dreizehneinhalb Stunden.
Der örtliche Rolls Royce-Vertreter konnte das Prachtstück so unversehrt in Empfang nehmen, wie es in Frankfurt verpackt worden war.

Autos gehören zur Stammkundschaft der Kranichtochter. 2010 waren es exakt 2.711 Fahrzeuge: Nagelneue Luxus-Karossen, Oldtimer, Erlkönige oder auch „Volumenmodelle“, die möglichst schnell nach der Markteinführung in den Schaufenstern der Händler weltweit stehen sollen. Da fliegt der Maybach von Frankfurt nach Dubai, der Rolls Royce Ghost nach China, der Ferrari nach Singapur, der Edel-Mercedes nach Tokio oder der Luxus-BMW nach Südamerika.
 
„Unsere Kunden wissen“, sagt die zuständige Produkt-Managerin Brigitta Ebeling, „dass wir das einlösen, was sie von uns erwarten“. Das gelte für den 1,5 Millionen teuren Oldtimer, der buchstäblich mit Handschuhen angefasst wird, ebenso wie für den seit vergangenem Jahr exklusiv in einem Werk in der Nähe von Buenos Aires  gefertigten VW Pick-Up „Amarok“. Um die Auslieferung „Amarok“ in die Autohäuser weltweit auf schnellstem Weg sicher zu stellen, setzte Volkswagen auf Lufthansa Cargo. Die Autos, sagt Brigitta Ebeling, würden von Spezialisten der Lufthansa Cargo mit größter Umsicht verladen. Darüber hinaus seien die strengen Vorschriften für Gefahrgut einzuhalten. Denn als solches gelten Autos, schließlich können darin nicht nur Restmengen Treibstoff im Tank sein. Autos enthalten auch Batterien, Airbags oder Gurtstraffer. Im Fall des Rolls Royce mit seinen besonders großen Batterien sei der Transport sogar vorab mit den zuständigen Behörden abgestimmt worden, erläutert Lufthansa Cargo Handling Experte Karl Michael Marx.

„Kein Rolls Royce hat je so geflüstert wie dieser“, schrieb ein professioneller Autotester über  seine Probefahrt im Batterie-RR. Doch das ist zu wenig, um in Serie zu gehen. „Dieses Auto ist nicht für die Serienproduktion gedacht“, betonte Rolls Royce-Chef Torsten Müller Ötvös, der den Phantom 102EE eher als Marktforschungstool sieht, um die Meinung der Kundschaft über mögliche alternative Antriebe in einem Rolls Royce zu erkunden. Schließlich müsse ein Rolls Royce „dem Geist und dem Gefühl unserer Kunden entsprechen“.

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